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Panorama Bundesanwalt fordert Freispruch für Harry Wörz
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12:52 15.12.2010
Harry Wörz sitzt zu einer Revision mit einer Akte in einem Gerichtssaal im Bundesgerichtshof in Karlsruhe. Quelle: dpa
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In der Revisionsverhandlung gegen Harry Wörz hat die Bundesanwaltschaft einen Freispruch beantragt. Wörz saß möglicherweise viereinhalb Jahre unschuldig in Haft, weil er im Jahr 1997 versucht haben soll, seine Frau zu töten. Nach einer Wiederaufnahme des Verfahrens hatte ihn das Landgericht Mannheim im vergangenen Jahr freigesprochen. Die Beweiswürdigung des Landgerichts sei nicht zu beanstanden, sagte Bundesanwalt Wolfram Schädler. Er beantragte, den Freispruch zu bestätigen.

„Das Ringen um die Schuld des Angeklagten wäre damit zu Ende, nicht aber das Ringen um Aufklärung“, sagte Schädler. Wörz war 1998 zu elf Jahren Haft verurteilt worden, weil er versucht haben soll, seine damalige Frau zu erwürgen. Nachdem schwerwiegende Mängel bei den Ermittlungen bekannt wurden, erreichte er die Wiederaufnahme des rechtskräftig abgeschlossenen Verfahrens. 2005 wurde Wörz ein erstes Mal freigesprochen, doch der BGH ordnete eine Neuauflage des Prozesses an. Im Oktober 2009 sprach ihn das Landgericht Mannheim erneut frei. Hiergegen hatte die Staatsanwaltschaft und die Nebenklage Revision eingelegt.

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Es handele sich um einen „ganz außergewöhnlichen und tragischen Fall“, sagte Bundesanwalt Schädler in seinem Plädoyer. Rechtlich ging es vor allem darum, ob sich das Landgericht bei dem zweiten Freispruch ausreichend mit der einem möglichen Tatablauf befasst hatte, der gegen Wörz sprechen würde. Eine solche Variante „liege jedoch nicht näher“ als der vom Landgericht angenommene Sachverhalt, so der Bundesanwalt.

Die damalige Ehefrau von Wörz, die getrennt von ihm lebte, war in der Nacht vom 28. auf den 29. April von einem Mann besucht worden, den sie gekannt haben muss. Nach einem lautstarken Streit würgte der Täter die Frau mit einem Wollschal, bis sie bewusstlos war. Sie ist seit der Tat schwer behindert und kann sich nicht mehr äußern. Das Landgericht nannte in seinem Urteil starke Verdachtsmomente gegen den damaligen Geliebten der Frau. Gegen ihn wird weiter ermittelt. Die Entscheidung des BGH über die Revision soll am Nachmittag verkündet werden.

dpa