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Panorama Brustimplantate-Hersteller gegen Kaution wieder frei
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10:29 27.01.2012
Foto: Gegen Jean-Claude Mas ermittelt die Staatsanwaltschaft Marseille.
Gegen Jean-Claude Mas ermittelt die Staatsanwaltschaft Marseille. Quelle: dpa
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Paris

Im Skandal um die nicht zugelassenen Billig-Brustimplantate des Herstellers PIP hat die französische Justiz ein Anklageverfahren gegen Unternehmensgründer Jean-Claude Mas eingleitet. Dem 72-Jährigen wird nach Angaben seines Anwalts fahrlässige Körperverletzung vorgeworfen. Mas war am Donnerstag festgenommen worden, kam aber am selben Abend gegen eine Kaution von 100.000 Euro wieder frei.

Gegen Mas ermittelt die Staatsanwaltschaft Marseille. Um mögliches Beweismaterial zu sichern, durchsuchten Fahnder am Donnerstag unter anderem die luxuriöse Villa von Mas’ Lebensgefährtin in Six-Fours-les-Plages im Süden Frankreichs. Dort hatte sich der 72-Jährige zuletzt aufgehalten. Das Unternehmen Poly Implant Prothèse (PIP) ist seit 2010 insolvent.

Die Staatsanwaltschaft äußerte sich zunächst nicht zu dem Ergebnis der Durchsuchungsaktionen und zur Vernehmung von Mas. Sie ermittelt in dem Fall auch wegen fahrlässiger Tötung, hat aber bislang offensichtlich nicht genügend Beweise, um auch wegen dieses Vorwurfs eine Anklageverfahren einzuleiten. Nach Angaben seines Anwalts hat Mas in Bezug auf diesen Verdacht weiter Zeugenstatus.

Die Ermittlungen gegen Mas laufen, seitdem in Frankreich Krebserkrankungen von Frauen mit PIP-Implantaten bekanntwurden. Nach jüngsten Angaben der Aufsichtsbehörde Afssaps wurden 20 Fälle registriert. Die Afssaps betont allerdings, dass bislang kein Zusammenhang zwischen Tumorentstehung und den vermutlich leicht platzenden Billig-Implantaten bewiesen sei.

In einer beispiellosen Aktion hatte die Regierung in Paris im Dezember dennoch 30.000 französischen Frauen eine vorsorgliche Entfernung ihrer PIP-Brustimplantate empfohlen - die deutschen Behörden folgten wenig später. Weltweit sollen mehr als 300.000 Frauen minderwertige Silikonkissen des Herstellers tragen.

Jean-Claude Mas hat über seinen Anwalt bereits zugegeben, aus Kostengründen für die Produktion von Brustimplantaten nicht zugelassenes Silikon verwendet zu haben. Der Unternehmer bestreitet allerdings, dass von dem Kunststoff eine Gesundheitsgefährdung ausgehen könnte.

dpa

Christiane Eickmann 27.01.2012