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Panorama Brände vor Athen außer Kontrolle
Mehr Welt Panorama Brände vor Athen außer Kontrolle
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07:31 24.08.2009
Im Norden Athens sind Häuser direkt von den Flammen bedroht.
Im Norden Athens sind Häuser direkt von den Flammen bedroht. Quelle: afp
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Fast auf den Tag genau zwei Jahre nach den verheerenden Feuerstürmen auf dem Peloponnes, bei denen 65 Menschen in den Flammen umkamen, wiederholt sich die Katastrophe – diesmal in unmittelbarer Nähe der griechischen Hauptstadt Athen. Was am Freitagabend als scheinbar harmloser Buschbrand in einer Schlucht bei der Ortschaft Grammatikos nordöstlich Athens begonnen hatte, entwickelte sich zu einer Flammenhölle. Sonnabendnachmittag riefen die Behörden für die Hauptstadtprovinz Attika den Notstand aus. Über Athen verdunkelte eine riesige Rauchwolke den Himmel.

Hunderte Feuerwehrleute, Soldaten und freiwillige Helfer kämpften bis zur völligen Erschöpfung gegen die Flammen. Doch die starken Meltemi-Winde fachten den Feuersturm immer weiter an. Zwölf Flugzeuge und neun Hubschrauber waren im Einsatz. In waghalsigen Tiefflügen bombardierten die Piloten die Feuerfronten mit Löschwasser. Aber vor allem der dichte Rauch machte es den Piloten schwer, ihr Löschwasser gezielt über dem Feuer abzuwerfen. „Die Flammen lodern bis zu 40 Meter hoch, wir sind machtlos“, berichtete ein Feuerwehrmann. Am Sonntagnachmittag konzentrierte sich die Feuerwehr fast nur noch darauf, die von den Flammen bedrohten Vororte der Viermillionenstadt zu verteidigen. „Vorrang hat jetzt, Menschenleben zu retten“, sagte Innenminister Prokopis Pavlopoulos. Dramatisch war die Lage im Athener Vorort Agios Stefanos. „Der Ort steht in Flammen, wir sind auf der Flucht“, berichtete der Vize-Bürgermeister mit tränenerstickter Stimme telefonisch im Radio.

Wie schon bei der Feuerkatastrophe auf dem Peloponnes gab es auch diesmal offenbar keine Pläne für eine geordnete Evakuierung. Auf den Straßen im Brandgebiet herrschte Chaos. Auch diesmal scheint es schwere Versäumnisse bei der Brandbekämpfung gegeben zu haben. Lokalpolitiker erhoben den Vorwurf, die Feuerwehren hätten den bereits am Freitagabend ausgebrochenen Brand zunächst völlig unterschätzt und viel zu spät eingegriffen. Außerdem gibt es in Griechenland immer noch viel zu wenige freiwillige Feuerwehren, die Brandherde löschen könnten, bevor sie sich zu Feuerstürmen auswachsen. Weil es die Forstverwaltung versäumt, die Wälder zu bewirtschaften, finden die Flammen im trockenen Unterholz reiche Nahrung.

Wegen der schweren Waldbrände bei Athen haben die griechischen Behörden am Sonntag zwei Kinderkrankenhäuser, ein Seniorenheim und ein Ferienlager evakuiert. Auch alle 150 Häuser eines Dorfes in der Nähe von Marathon wurden geräumt, während die Flammen immer näher an mehrere Vororte von Athen mit insgesamt rund 60.000 Bewohnern heranrückten. Fernsehbilder zeigten einen Schwelbrand an einem Hang oberhalb von Marathon, der in der Nähe der Hauptwasserversorgung der Hauptstadt liegt. Hunderte Menschen mussten vor den Flammen und dem Rauch fliehen, die die äußeren Stadtbezirke bedrohen.

von Gerd Höhler (mit AFP)