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Panorama Blutdurchfall nun weiter im Süden Niedersachsens
Mehr Welt Panorama Blutdurchfall nun weiter im Süden Niedersachsens
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21:02 22.05.2011
Die Suche nach den Ursachen für die in Norddeutschland geballt auftretende Infektion blieb bisher erfolglos. Quelle: dpa
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„Frappierend ist, dass sich die Infektionen über das Wochenende verdoppelt haben“, sagte Ministeriumssprecher Thomas Spieker.

Allein in Bremerhaven werden derzeit 20 Patienten wegen blutiger Durchfälle und anderen für EHEC charakteristischen Symptomen behandelt. „Von diesen Fällen stammt mindestens die Hälfte aus den benachbarten Regionen Niedersachsens, vor allem aus dem Landkreis Cuxhaven“, sagte Spieker am Sonntag. In drei Fällen sei der Nachweis des EHEC-Erregers bereits gelungen, die anderen Fälle würden noch überprüft. Im Gesundheitsministerium in Hannover geht man aber davon aus, dass sich auch diese Patienten mit EHEC infiziert haben.

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Am Wochenende hat sich der Erreger außerdem weiter nach Süden verbreitet. Seit Sonnabendabend werden in Bremervörde und Rotenburg fünf Patienten aus dem Landkreis Rotenburg/Wümme wegen blutiger Durchfälle behandelt. In den Kreisen Harburg und Lüchow-Dannenberg registrierten die Behörden jeweils einen Fall.

In der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) ist die Zahl der Infizierten seit Freitag von vier auf zehn Patienten im Alter von 17 bis 60 Jahren angestiegen. Sechs von ihnen befinden sich auf der Intensivstation. „Unsere Befragungen haben ergeben, dass sich alle im Raum Lüneburg aufgehalten haben“, sagte Jan Kielstein, Oberarzt in der Klinik für Nephrologie.

Normalerweise handele es sich bei einer EHEC-Infektion um eine harmlos verlaufende Erkrankung vor allem von Kindern. Die aktuelle Häufigkeit schwerer Krankheitsverläufe von Erwachsenen bezeichnete Kielstein als „außergewöhnlich“. Seit Donnerstagnacht arbeitet die Dialyse in der MHH rund um die Uhr, um die jeweils zwei- bis dreistündige Blutwäsche der Patienten bewältigen zu können. Der Nierenfacharzt rechnet mit weiteren Erkrankungen: „Die Zahl der Patienten ist in den vergangenen Tagen kontinuierlich gestiegen. Dehalb gehen wir von weiteren Fällen aus.“ Kielstein rät Patienten, denen es nach Abklingen ihrer blutigen Durchfälle zunächst wieder besser ging, Tage später aber eine Verschlechterung ihres Allgemeinzustandes feststellen, dringend einen Arzt aufzusuchen: „Es könnte sich bei ihnen um das hämolytisch-urämische Syndrom handeln“ – die möglicherweise tödlich verlaufende Variante der Infektionskrankheit.

Unklar ist nach Angaben des Gesundheitsministeriums derzeit noch, ob alle bisher registrierten Fälle auf einen gemeinsamen Erreger zurückzuführen sind. Das Robert-Koch-Institut in Berlin vermutet Gemüse oder andere Lebensmittel, die normalerweise nicht gekocht werden, als Ursache für die Ansteckungen. Von einer Infektion über Lebensmittel geht man auch im niedersächsischen Gesundheitsministerium aus – welches sei aber noch offen.

Veronika Thomas und Karl Doeleke