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Panorama Blutbad in der Düsseldorfer Altstadt geplant
Mehr Welt Panorama Blutbad in der Düsseldorfer Altstadt geplant
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17:28 05.07.2017
Dem Angeklagten Mahood B. und zwei weiteren mutmaßlichen IS-Anhängern wird vorgeworfen, einen Terroranschlag in Deutschland geplant zu haben. Quelle: dpa
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Düsseldorf

Im Prozess um den geplanten schweren Anschlag der Terrororganisation Islamischer Staat in Düsseldorf hat der Hauptangeklagte mit einer umfassenden Aussage begonnen. Der Syrer Saleh A. hatte sich in Paris im Februar 2016 freiwillig der Polizei gestellt und dort bereits ein Geständnis abgelegt. Laut Anklage soll er vom Islamischen Staat (IS) den Auftrag für ein Blutbad in der Düsseldorfer Altstadt erhalten haben.

Am Mittwoch begann im Hochsicherheitstrakt des Düsseldorfer Oberlandesgerichts der Prozess gegen ihn und zwei weitere mutmaßliche IS-Terroristen. Saleh A. schilderte zunächst, wie er zum IS gekommen war. Sein Vater sei Syrer und Arzt, seine Mutter Palästinenserin und Apothekerin. Er selbst habe in Gaza-Stadt Abitur gemacht und zwei Jahre Informatik studiert, sagte der 30-jährige Hauptangeklagte.

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Dann sei er mit seinen Eltern und vier Geschwistern nach Syrien gegangen. Wegen einer Stammesfehde habe er dort zwei Jahre in Untersuchungshaft gesessen. Nach seiner Freilassung hätten die Demonstrationen und Unruhen in Syrien begonnen. Als die Armee die friedlichen Demonstranten mit Gewalt bekämpfte, habe er sich der Freien Syrischen Armee (FSA) angeschlossen. Der regionale Anführer der FSA habe seinen Verband dann zur Al-Nusra-Front überführt. Laut Anklage war die Einheit später zum Islamischen Staat gewechselt.

Ungereimtheiten in den Aussagen?

Der Bundesanwaltschaft zufolge sollten sich unter Führung von Saleh A. zwei Selbstmordattentäter in die Luft sprengen, dann sollten weitere Terroristen an den Ausgängen der Altstadt mit Kalaschnikows möglichst viele flüchtende Menschen erschießen. Insgesamt sollte ein zehnköpfiges Terrorkommando den Anschlag begehen.

Nachdem Saleh A. die Pläne verraten hatte, waren seine mutmaßlichen Komplizen einige Monate später in Asylunterkünften in Deutschland festgenommen worden. Saleh A. kommt im Verfahren nun die Rolle des Kronzeugen zu. Es habe aber keine Strafabsprache gegeben, betonte die Vorsitzende Richterin Barbara Havliza.

Die Verteidiger von zwei Angeklagten hatten im Vorfeld des Prozesses Zweifel an den Aussagen des mutmaßlichen Kopfes der Terrorzelle geäußert. Was seinen Mandanten angehe, stimme in der Anklage nicht einmal dessen Name und Nationalität, sagte Rechtsanwalt Marvin Schroth. So sei sein Mandant kein Syrer, sondern Algerier.

Facebook-Messenger-Chats sollen Vorhaben belegen

War die Anklage noch von drei Syrern als Verdächtigen ausgegangen, stellte sich Hamza C. (29) am Mittwoch als Algerier mit anderem Nachnamen vor und Mahood B. (26) gab an, Jordanier zu sein. „Die Hauptverhandlung wird zeigen, dass die Anklage erhebliche Mängel hat“, sagte Verteidiger Daniel Sprafke.

Die Aussagen des Hauptangeklagten seien aufwendig überprüft worden, entgegnete Staatsanwalt Tobias Engelstätter. Die Terror-Absicht sei auch durch sichergestellte Facebook-Messenger-Chats belegt, über die die Angeklagten kommuniziert hätten.

Allen drei Angeklagten wird die IS-Mitgliedschaft und die Verabredung zu einem Verbrechen vorgeworfen. Das Gericht hat einen psychiatrischen Gutachter hinzu gezogen, der die Schuldfähigkeit von zwei der drei Angeklagten prüfen soll. Ein vierter Verdächtiger wird gesondert verfolgt und sitzt nicht auf der Anklagebank. Er sollte laut Ermittlern die Sprengstoffwesten herstellen.

Von RND/dpa

Der Artikel "Blutbad in der Düsseldorfer Altstadt geplant " stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.