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Panorama Bitte um höhere Spenden für Flutopfer
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09:43 20.08.2010
Von Margit Kautenburger
Die Menschan in Pakistan warten auf Hilfe.
Die Menschan in Pakistan warten auf Hilfe. Quelle: afp
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Drei Wochen nach Beginn der großen Flut in Pakistan weitet sich die Katastrophe weiter aus. Hunderttausende Opfer sind noch immer von jeglicher Hilfe abgeschnitten. Rund 4,6 Millionen Menschen, doppelt so viele wie ursprünglich angenommen, sind nach UN-Angaben obdachlos. Die Meteorologen können den Betroffenen keine Hoffnung auf eine rasche Besserung ihrer Lage machen. Das Hochwasser werde bis Ende August nicht vollständig zurückgehen, sagen Experten vorher. Doch immerhin kommt die internationale Hilfe nach schleppendem Beginn nun endlich in Gang. Die Bundesregierung erhöhte daher gestern ihre Hilfe für die Opfer auf 25 Millionen Euro. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sicherte dem pakistanischen Premierminister Yousouf Raza telefonisch auch langfristig deutsche Unterstützung beim Wiederaufbau zu. Bundespräsident Christian Wulff appellierte an die Deutschen, zu spenden.

Die Vereinten Nationen kamen am Donnerstag in New York zu einer Pakistan-Sondersitzung zusammen, um mehr Geld für die Flutopfer zu beschaffen. Die von den UN geforderten knapp 460 Millionen Dollar Nothilfe werden voraussichtlich nicht ausreichen.

Auch die Europäische Union hat ihre Nothilfe auf jetzt 70 statt bisher 40 Millionen Euro erhöht, wie EU-Kommissarin Kristalina Georgiewa berichtete.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte zu Beginn der Beratungen erneut zu schnellerer Hilfe für die Flutopfer in Pakistan aufgerufen. Die Katastrophe sei ein „wichtiger Prüfstein für die internationale Solidarität“, sagte er. Ban verglich die Überschwemmungen mit einem „Tsunami in Zeitlupe“, dessen „Kraft der Zerstörung sich mit der Zeit verstärkt“. Er würdigte, dass bereits die Hälfte der von den Vereinten Nationen erbetenen 460 Millionen Dollar an Hilfen bewilligt worden sein, forderte aber noch mehr Einsatz. „Wir brauchen die ganze Summe und wir brauchen sie jetzt“, sagte er vor den Vertretern der 192 UN-Mitgliedsländer.

Für die Flutkatastrophe, von der nach UN-Angaben mehr als 15 Millionen Menschen betroffen sind, ist nach Ansicht der Meteorologen vom Deutschen Wetterdienst (DWD) ein Wetterphänomen verantwortlich, das im Südpazifik seinen Ursprung hat: La Niña. Es tritt alle fünf bis sieben Jahre auf, hat aber diesmal eine besondere Eigenart: La Niñahat den ohnehin heftigen Monsunregen in Nordindien und Pakistan noch verstärkt. Gewaltige Monsunregenfälle sind in der Region von Mai bis August üblich und bestimmen das Leben. Während dieser Zeit kann es in Indien an einem Tag so viel regnen wie in Deutschland im ganzen Jahr. So werden Jahr für Jahr weite Landstriche überschwemmt, Felder verwüstet. Aber dennoch gilt der feuchtwarme Monsun als Lebensspender. Ohne ihn gäbe es keine Ernten und keine Nahrung.

Aber dieses Jahr ist ungewöhnlich. Der Wind sei weiter nach Norden vorgedrungen als üblich, berichteten die Meteorologen vom Deutschen Wetterdienst. Normalerweise verliere der Monsun auf seinem Weg entlang dem Himalajarand an Stärke und erreiche Pakistan bereits abgeschwächt. Verheerende Überschwemmungen sind dort daher selten.

In diesem Juli aber prasselten bis zu 280 Liter Wasser pro Quadratmeter an nur einem Tag auf die Erde. Das entspricht etwa zwei gefüllten Badewannen, die sich auf ein Strandtuch ergießen. Im gesamten Monat Juli fielen drei- bis zehnmal so hohe Niederschläge wie in einem typischen Juli in Pakistan.

Die Flüsse konnten das Regenwasser nicht mehr aufnehmen, mit schlimmen Folgen. Die Ufer sind zu dicht besiedelt, ganze Dörfer wurden hinweggeschwemmt.

Während das Klimaphänomen El Niño die weltweite Wetterzirkulation durcheinanderbringt, ist La Niña dafür bekannt, dass es die bestehende Zirkulation verstärkt. Die Menschen in Südamerika haben das auch bereits zu spüren bekommen. Dort, wo La Niña seinen Ursprung hat, litten die Bewohner unter einem extrem kalten Winter, 180 Menschen erfroren innerhalb weniger Tage.

La Niña sorgt für starke Gegensätze zwischen kalten und warmen Meeresströmen, die hohe Luftdruckgegensätze zwischen Indonesien und Südamerika hervorrufen. Dies verstärkt die Passatwinde, die dorthin wehen, wo der niedrigste Druck herrscht. Nach Überqueren des Äquators heißen diese Winde dann Monsun, und dieser tritt in einem La-Niña-Jahr ebenfalls feuchter und gewaltiger auf als normalerweise.

afp

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