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Panorama Bischof Zollitsch bittet Missbrauchsopfer um Vergebung
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22:36 22.02.2010
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz: Erzbischof Robert Zollitsch. Quelle: dpa

Lange hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz gewartet – am Montag zu Beginn der viertägigen Konferenz trat Erzbischof Robert Zollitsch dann aber doch vor die Presse und entschuldigte sich im Namen der Kirche bei den Opfern des sexuellen Missbrauchs an katholischen Einrichtungen. „Sexueller Missbrauch an Minderjährigen ist immer ein abscheuliches Verbrechen“, sagte der Bischof und fügte hinzu: „Es darf keinen Missbrauch geben – schon gar nicht im Raum der Kirche.“ In Hildesheim erhärtet sich unterdessen der Verdacht gegen einen frühereren Domkapitular.

Bei der Konferenz in Freiburg wollen die Bischöfe darüber beraten, was im Umgang mit sexuellem Missbrauch anders werden muss. Anlass ist eine Lawine von weit mehr als hundert jetzt erst bekannt gewordenen Fällen, die sich vor allem in den siebziger Jahren an Schulen des Jesuitenordens zutrugen. Zollitsch betonte, sexueller Missbrauch habe nichts mit dem Zölibat und nichts mit der Sexuallehre zu tun. Er wies zugleich den oft erhobenen Vorwurf der Vertuschung zurück. „Wir wünschen, dass die staatlichen Behörden in Missbrauchsfällen so schnell wie möglich eingeschaltet werden und die Staatsanwaltschaften alle möglichen Einblicke erhalten.“ Die entsprechenden Leitlinien der Bischofskonferenz aus dem Jahr 2002 hätten sich „bewährt“.

Das Netzwerk „Kirche von unten“ hatte am Morgen unabhängige Ombudsstellen und finanzielle Entschädigungen für die Opfer gefordert. Hierauf ging Zollitsch aber nur vage ein. Die Bischöfe wollten zumindest überlegen, ob eine unabhängige zentrale Anlaufstelle geschaffen wird. Es gebe allerdings bereits jetzt Ansprechpersonen in allen Diözesen, so Zollitsch. Im Bistum Hildesheim ist neben Domkapitular Heinz-Günter Bongartz auch eine Psychotherapeutin für Missbrauchsopfer ansprechbar. Wenn sie demnächst turnusgemäß aus dem Beraterstab ausscheidet, soll sie erneut durch eine Therapeutin ersetzt werden, die nicht beim Bistum angestellt ist.

Derweil hat sich der Verdacht gegen den früheren Hildesheimer Domkapitular Herbert H. erhärtet. Der Priester aus Celle, Träger des Bundesverdienstkreuzes, soll sich um das Jahr 1960 in Celle sexueller Übergriffe an Kindern schuldig gemacht haben. Damit ist erstmals ein ranghoher Geistlicher des Bistums ins Zwielicht geraten. Die Vorwürfe gegen den 1991 verstorbenen Domkapitular Herbert H. hält das Bistum für glaubhaft.

Bereits vor zwei Jahren hatte sich ein Opfer in Hildesheim gemeldet, doch eine von ihm benannte Zeugin hatte die Angaben des 58-Jährigen, der heute in Hannover lebt, nicht bestätigt. Nach einem Aufruf des Bistums haben sich jetzt unabhängig voneinander drei weitere Personen gemeldet, die Herbert H. belasten. „Es tut mir sehr leid, dass wir diese Klarheit bei den Befragungen vor zwei Jahren noch nicht erbringen konnten“, sagt Domkapitular Bongartz.

Christian Rath und Simon Benne

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