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Panorama Berufsschulen fühlen sich als Schulen zweiter Klasse
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09:00 28.02.2013
Von Saskia Döhner
Lernen, wie ein Unternehmen funktioniert: Berufsschüler in Hameln. Quelle: Udo Heuer
Hannover

Ob es um Reformen in der Lehrerfortbildung, den gemeinsamen Unterricht von Schülern mit und ohne Behinderungen oder sogar um neue Projekte zur Berufsorientierung geht, die berufsbildenden Schulen in Niedersachsen werden von der Politik bei den Planungen oft einfach vergessen. Das zumindest meinen die Vorsitzenden der entsprechenden Lehrerverbände. Sie fordern deshalb von Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD), so schnell wie möglich einen Runden Tisch zur beruflichen Bildung mit allen Akteuren einzuberufen.

Vertreter der Schulen, des Ministeriums, der ausbildenden Betriebe, Handwerkskammern, Arbeitsagentur sowie der Industrie- und Handelskammern, Gewerkschaften, Landeseltern- und Landesschülerrat sollten bei diesem Gipfel unter anderem über die künftige Ausrichtung des Übergangs zwischen Schule und Beruf diskutieren, sagt Jürgen Brehmeier, Vorsitzender des Verbandes der Lehrer an Wirtschaftsschulen. Daneben sollte es um die Zukunft der Berufsfachschulen und der Berufseinstiegsklassen gehen. „Statt übereinander sollte man miteinander sprechen“, fordert Brehmeier. Die Berufsschulen mit ihren landesweit rund 260.000 Schülern wollen nicht länger als „Schule zweiter Klasse“ gelten. Die neue Kultusministerin müsste sich klar zur Gleichwertigkeit von allgemeiner und beruflicher Bildung bekennen.

Am Primat der dualen Ausbildung werde nicht gerüttelt, sagt Heinz Ameskamp, Vorsitzender des Berufsschullehrerverbandes. Aber es sei unfair, die Zeit in Berufsschulen pauschal als „Warteschleifen“ abzuqualifizieren. Es seien vielmehr „Qualifizierungsschleifen“. Manche Jugendliche seien noch gar nicht ausbildungsreif, andere würden erstmal einen Schulabschluss nachholen. Angesichts der steigenden Abbrecherquoten müssten auch die Betriebe umdenken und ihre Ausbildungen verändern. „Man muss die jungen Leute da abholden, wo sie sind“, sagt Ameskamp, „sie sind nicht schlechter, nur anders.“ Viele hätten beispielsweise gute EDV- und Internetkenntnisse. Die enge Begleitung durch die Arbeitsagentur könne Auszubildenden helfen durchzuhalten.

Angesichts zurückgehender Schülerzahlen müssten Ausbildungsgänge möglicherweise zusammengelegt werden, meint Ameskamp. „Warum soll man nicht erst eine zweijährige Maurerlehre machen und sich dann speziell zum Fliesenleger qualifizieren?“ In einer Region könnten sich auch mehrere Betriebe eine gemeinsame Ausbildung anbieten. So könne ein angehender Tischler in einem Unternehmen den Umgang mit Kunststofffenstern, in einem anderen den mit Holz lernen. Eine Branche mit schlechten Zukunftsperspektiven sei für den Nachwuchs nicht gerade verlockend, mahnen die Berufsschullehrer. Wenn die meisten Verkäuferinnen in Bäckereien auf Minijobbasis arbeiteten, sei es auch kein Wunder, dass kaum jemand eine entsprechende Ausbildung anstrebe.

Nicht nur in den Gymnasien, auch in den Berufsschulen fehlen die Fachlehrer. Für Metall- und Elektrotechnik, aber auch für Informatik und Sozialpädagogik. Letztere werden nur an vier Hochschulen bundesweit ausgebildet, eine davon ist Lüneburg. Aber von den jährlich 25 Absolventen würden die meisten nach Hamburg gehen, sagt Brehmeier. Nach Niedersachsen käme nur ein Fünftel - viel zu wenig, um die vielen Erzieher auszubilden, die in den neuen Krippen gebraucht würden.

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