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Panorama Jeder achte junge Ausländer ohne Schulabschluss
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20:57 01.03.2017
Von Heiko Randermann
Laut einer Bertelsmann-Studie verlässt jeder achte ausländische Jugendliche in Niedersachsen die Schule ohne Abschluss. Quelle: Symbolbild
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Hannover

Die Datenbasis ist von 2014 - also noch vor dem großen Flüchtlingsstrom.

Die Abbrecherquote ist damit bei jungen Ausländern höher als beim Durchschnitt aller Schüler. Hier liegt die Quote nur bei 4,9 Prozent - jeder zwanzigste Schüler ist Abbrecher. Bundesweit verlassen insgesamt 12,9 Prozent aller Ausländer und 5,8 Prozent aller Jugendlichen die Schule ohne Abschluss.

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Dem Chancenspiegel zufolge hat Niedersachsen deutlich aufgeholt: Noch 2002 lag die Abbrecherquote bei 9,9 Prozent eines Jahrgangs. Für Kultusministerin Frauke Heiligenstadt ist das zunächst ein positiver Befund: „Wir haben in Niedersachsen eine sehr geringe Schulabbrecherquote.“ Doch man müsse natürlich genau hinschauen, welche Kinder Probleme haben.

Das Problem seien oft mangelnde Sprachkenntnisse, meint CDU-Bildungsexperte Kai Seefried. Hier bedürfe es besonderer Förderung. „Integrationsarbeit und Sprachförderung sind Langstreckenaufgaben.“ Der bildungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Björn Försterling, forderte, den Blick auch über die Schulzeit hinaus zu werfen. „Wir müssen allen abschlussgefährdeten Schülern Perspektiven für die Ausbildung schaffen. Wer eine Perspektive hat, der bemüht sich auch um einen Abschluss.“

Ministerin Heiligenstadt verwies darauf, dass Niedersachsen in diesem Bereich viel Arbeit geleistet habe. „Wir haben über 2300 Lehrkräfte allein für den Bereich der Sprachförderung im System.“ Die letzten Zahlen der Studie seien von 2014, seither habe das Land in diesem Bereich viel aufgebaut. Wichtig sei auch der vorangetriebene Ausbau des Nachmittagsunterrichts. „In Ganztagsschulen kann Deutsch besser auch außerhalb des Unterrichts vermittelt werden.“

Neben dem Erwerb der Sprache sei es auch wichtig, bei Migranten frühzeitig den Förderbedarf festzustellen und ihnen im deutschen Schulsystem mehr Orientierung zu geben, meinte die schulpolitische Sprecherin der Grünen, Julia Hamburg: „Das ist noch ausbaufähig.“

In weiteren Bereichen des „Chancenspiegels“, mit dem die Bertelsmann-Stiftung seit 2012 das deutsche Schulsystem bundesweit untersucht, landete Niedersachsen im Mittelfeld. Nachholbedarf gibt es hier bei der Inklusion: Nur 31,4 Prozent aller Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf sind in einer Regelschule untergebracht, bundesweit sind es 34,1 Prozent. Als problematisch sehen die Autoren der Studie die mangelnde Durchlässigkeit der niedersächsischen Schulen: Für jeden, der den Wechsel zu einer höheren Schulform schafft, werden 8,8 Schüler herabgestuft. Der Bundesschnitt liegt bei eins zu sechs.

Heiko Randermann 01.03.2017
Michael B. Berger 01.03.2017
01.03.2017