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Panorama 12.000 Euro für ein Jahr Nichtstun
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12:34 29.07.2014
Der Berliner Michael Bohmeyer hat die Initiative „Mein Grundeinkommen“ gegründet.  Quelle: Britta Pedersen
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Berlin

Barfuß und mit einem abgewetzten Jutebeutel über der Schulter tritt der Berliner Michael Bohmeyer auf, um seine politischen Ideen zu verteidigen. Es geht um viel Geld: Was würde passieren, wenn alle Menschen vom Staat plötzlich ein Grundeinkommen ohne Bedingungen bekämen? „Probieren wir es aus!“, sagt Bohmeyer keck.

Der 29-Jährige hat die Initiative „Mein Grundeinkommen“ gegründet. Per Crowdfunding hat der Verein aus Kreuzberg bereits 12.000 Euro gesammelt. Anschließend soll das Geld verlost werden: Ein Mann oder eine Frau soll ein Jahr lang das Grundeinkommen im echten Leben ausprobieren – mit monatlich 1000 Euro. Eine Gegenleistung muss nicht erbracht werden.

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Derzeit sammelt der Verein bereits für ein zweites Grundkommen. 

Über 790 Unterstützer haben Geld gespendet, teils mit Kleinstbeträgen. 1000 Euro zusätzlich im Monat scheinen verlockend: „Ich würde meine Doktorarbeit fertig schreiben und einen Bonbonladen aufmachen“, schwärmt ein Unterstützer. „Ich würde Karl Marx lesen, Flüchtlingen helfen und jeden Tag Yoga machen“, meint ein anderer.

Das bedingungslose Grundeinkommen gilt als revolutionäre Idee vor allem linker Politiker und Intellektueller. Die Piratenpartei, aber auch Teile der Grünen und der Linken fordern ein solches Bürgergeld. Ein prominenter Vorkämpfer ist auch Götz Werner, Gründer der Drogeriemarkt-Kette dm. Kern des Konzepts: Arbeit und Einkommen werden entkoppelt. Wer sich mehr leisten will, soll sich die entsprechende Arbeit aussuchen, ohne den Anspruch auf das Grundeinkommen zu verlieren.

Er selbst lebe preiswert, sagt Bohmeyer. Zeit zu haben sei ihm wichtiger als Geld. Mit Frau und Tochter lebt der 29-Jährige in einer kleinen Mietwohnung, mittags speist er in einer Sozialküche. Bohmeyer ist Webentwickler, gründete mit Erfolg ein Internet-Startup. Als Inhaber verdient er nun monatlich knapp 1000 Euro, ohne selbst noch mitarbeiten zu müssen.

Dieses „Schmalspur-Grundeinkommen“ habe sein Leben radikal verändert, sagt der junge Mann. Nach seiner Ansicht ist es ein Irrglaube, dass Menschen mit einem Grundeinkommen nur noch die Füße hochlegen würden. Vielmehr würden Freiräume geschaffen, Platz für Kreativität und Schaffensdrang. „Im bedingungslosen Grundeinkommen schlummert eines der größten Potenziale, unsere Gesellschaft einen Schritt nach vorne zu bringen.“

Alexander Spermann würde dem nicht einmal widersprechen. Die Quote der Langzeitarbeitslosen sei seit Jahren konstant hoch, viele Menschen ohne Berufs- und Schulabschlüsse perspektivlos - „unser gegenwärtiges soziales Sicherungssystem muss sicherlich weiterentwickelt werden“, sagt der Experte vom Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn.

Spermann beschäftigt sich seit Jahren mit dem bedingungslosen Grundeinkommen und ist nicht abgeneigt. Entsprechende Versuche in Namibia etwa hätten gezeigt, dass Menschen keineswegs in Lethargie verfielen, sobald sie sich nicht mehr um das Einkommen kümmern müssten. „Im Gegenteil: Sie nehmen plötzlich Dinge in die Hand, die man ihnen gar nicht zugetraut hätte.“

Die Berliner Idee, das Grundeinkommen zu verlosen, lehnt der Forscher dennoch ab. Vor allem sei es nicht repräsentativ, nur das Verhalten einer Einzelperson zu untersuchen. Für eine ernsthafte Untersuchung müssten größere Bevölkerungsgruppen über einen längeren Zeitraum einbezogen werden.

Michael Bohmeyer will seinen Versuch trotzdem wagen. Das Wichtigste sei, dass die gesellschaftliche Debatte dazu wieder in Gang komme, sagt er. 

dpa/mhu

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