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Panorama Berlin ist die Hauptstadt der Brandstifter
Mehr Welt Panorama Berlin ist die Hauptstadt der Brandstifter
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19:40 18.09.2009
Von Alexander Dahl
Nirgendwo sonst in Deutschland brennen so viele Autos wie in Berlin. Quelle: ddp (Archivbild)
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Dicht an dicht stecken die feuerroten Reiter auf der virtuellen Berlin-Karte, auf der Uwe Frers seit zwei Jahren jeden Brandanschlag auf Autos markiert. Mehr als 100.000 Menschen haben seine Homepage www.brennende-autos.de schon angeklickt; 390 Brandanschläge hat der Inhaber eines Internetreiseführers und einer Luxushotelvermittlung kartiert. „Die Karte zeigt, dass die Straftaten nicht dort verübt werden, wo die Gutsituierten wohnen, sondern dort, wo die Täter leben“, sagt Frers. Sein Auto wurde bisher von den Feuerteufeln verschont; auf die Idee mit der Seite kam er, als er im Mai 2007 auf dem Weg in die Mittagspause mit ansah, wie die Feuerwehr ein brennendes Auto löschte.

Mittlerweile ist Berlin die Hauptstadt der Autobrandstifter. Im vergangenen Jahr wurden nach Angaben des Berliner Landeskriminalamtes (LKA) deutschlandweit 113 Fahrzeuge angezündet, davon allein 73 in Berlin. In diesem Jahr sind es schon mehr als 150 – „davon 60 Nobelkarrossen“, sagt LKA-Direktor Peter Michael Haeberer. In Frers Statistik führt die Marke Mercedes mit 81 verkohlten Wracks vor VW (51) und BMW (43). Ob immer politische Motive hinter den Straftaten stehen, ist zweifelhaft. Angezündet wurden auch billige japanische Gebrauchtwagen, mehrere Smarts und sogar Lieferwagen, die Altenheime und Kindergärten mit Essen beliefern. Bekennerschreiben gibt es dennoch viele, etwa von einer „Bewegung für militanten Widerstand (BMW)“ Man wolle gegen die „Umstrukturierung ärmerer Bezirke“ protestieren, wo alteingesessene Mieter durch Luxussanierungen vertrieben werden, heißt es. Tatsächlich konzentrieren sich die Straftaten auf die Stadtteile Kreuzberg, Friedrichhain, Mitte und Prenzlauer Berg, die schick und teuer werden – und damit für etliche Menschen unerschwinglich.

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Die Fahndung der Polizei blieb bisher ohne echte Erfolge. Eine junge Frau, die versucht hatte, im Stadtteil Friedrichshain einen Geländewagen mit Grillanzündern anzustecken, sitzt seit Mai in Untersuchungshaft. Ebenso ein Niederländer, der in Kreuzberg erwischt wurde. Die Brandserie selbst riss dadurch nicht ab. Die oppositionelle CDU warf dem rot-roten Senat daher vor, „auf dem linken Auge blind zu sein“.

Auch in Hamburg weiten sich die Brandanschläge auf Autos aus. In diesem Jahr wurden Fahrzeuge im Wert von mehr als 400.000 Euro angezündet. Die Hansestadt setzt daher einen Hubschrauber mit Wärmebildkamera ein, mit dem man flüchtende Täter aus der Luft verfolgen kann.