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Panorama Bergmann stirbt nach Gasaustritt unter Tage
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17:10 05.04.2012
Foto: In diesem Kali-Bergwerk in Wunstorf ereignete sich ein schwerer Unfall.
In diesem Kali-Bergwerk in Wunstorf ereignete sich ein schwerer Unfall. Quelle: Elsner
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Wunstorf-Bekeloh

Bei einem Grubenunfall in einem Kaliwerk bei Hannover ist ein 34 Jahre alter Bergmann durch giftige Gase getötet worden. Drei Kumpel wurden verletzt. Der Unfall im Werk Sigmundshall in Wunstorf ereignete sich in der Nacht zum Donnerstag bei Arbeiten in etwa 1200 Meter Tiefe.

Vermutlich hatten die Bergleute eine Gasblase im Salz angebohrt und die giftigen Stoffe eingeatmet. Dabei trat Schwefelwasserstoff aus, was nach Expertenangaben noch nie in einem norddeutschen Bergwerk vorkam. Weitere 23 Arbeiter wurden nach dem Gasaustritt vorsorglich ins Krankenhaus gebracht. „Die ersten wurden wieder entlassen, weitere folgen", sagte ein Sprecher des Werks.

Wegen des Lungen schädigenden Gases konnte am Donnerstag zunächst niemand die Grube betreten. Nur die Einsatzkräfte der Grubenwehr fuhren mit Atemschutzmasken unter Tage, um Messungen zu machen. Die Verletzten seien außer Lebensgefahr, teilte das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) in Hannover mit.

Die Behörde hatte noch in der Nacht die Untersuchungen eingeleitet. Am Schacht wurden keine erhöhten Werte gemessen. Es bestehe keine Gefahr für die Bevölkerung in der Nähe des Werks.

Das Unglück kommt für die Experten völlig überraschend. In Norddeutschland sei es noch nie in einem Bergwerk zu einem Austritt von Schwefelwasserstoff gekommen, sagte der Leiter des Untersuchungsteams vom LBEG, Wolfgang Lampe.

Das giftige Gas hat einen typischen Geruch nach faulen Eiern. Wann die Grube der K+S Kali GmbH wieder freigegeben werden kann, ist noch nicht absehbar. „Wir müssen abwarten, bis dort unten stabile Verhältnisse herrschen", sagte Lampe.

In der 114-jährigen Geschichte des Werks habe es noch nie einen Unfall dieser Art mit Gasaustritt gegeben, sagte Werkssprecher Florian Schoene. Das Kaliwerk Sigmundshall hat nach eigenen Angaben rund 850 Beschäftigte, davon etwa 500 Bergleute. Der Getötete war seit sechs Jahren hier beschäftigt. Die Grube erstreckt sich von 400 Meter bis 1300 Meter Tiefe auf einer Fläche von 16 Quadratkilometern.

Das unter Tage geförderte Salz wird in der dazugehörenden Fabrik zu Kali - also Düngemittel - verarbeitet. Es ist das einzige aktive Kaliwerk in Niedersachsen. Bundesweit gibt es Schoene zufolge insgesamt noch vier aktive Kaliwerke und drei Salzwerke.

Erst vergangenen Monat war ein Bergmann bei einem Arbeitsunfall in der Grube in Wunstorf getötet worden. Damals hatten sich Gesteinsbrocken von der Seite gelöst und den Kumpel verschüttet. Er habe nur noch tot geborgen werden können, sagte der Werkssprecher.
„Der Bergbau ist in den letzten drei Jahrzehnten aber bedeutend sicherer geworden", sagte Lampe. "Auf einer Baustelle zu arbeiten ist gefährlicher."

dpa/r.

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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