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Panorama Bei der Polizei beginnt das Tablet-Zeitalter
Mehr Welt Panorama Bei der Polizei beginnt das Tablet-Zeitalter
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16:18 19.11.2015
Daten von unterwegs: Ein Polizist mit dem neuen Dienstgerät. Quelle: dpa
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Oldenburg

Für Niedersachsens Polizisten könnten Tablets und internetfähige Dienst-Smartphones bald zum Einsatzalltag gehören. 60 der kleinen Mobil-Computer und 50 Handys sollen im Einsatz- und Streifendienst erprobt werden. Bei dem Pilotprojekt geht es vor allem darum, dass die Polizisten vor Ort schneller Daten abfragen und eingeben können.

„Ich verspreche mir sehr viel von den Möglichkeiten der Geräte, übrigens auch was das immer noch mühevolle Nacharbeiten von den erfassten Daten am Schreibtisch angeht, sagte Innenminister Boris Pistorius (SPD) am Donnerstag in Oldenburg. Ab sofort würden die Daten direkt vor Ort ins System eingegeben, damit werde die Polizei auf der Straße deutlich effizienter arbeiten können.

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Die neue Technik wird in der Erprobungsphase zunächst in den Polizeidirektionen Osnabrück, Oldenburg und Lüneburg getestet. Bis Ende Februar 2016 soll festgestellt werden, wie und ob sich die Geräte für polizeiliche Zwecke eignen, ob es genügend Netzleistung gibt und der Zugriff auf Polizeidaten und Abfragesysteme im Dienstalltag ausreichend funktioniert.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sieht durch die technische Aufrüstung Chancen für eine Arbeitsentlastung. „Wir finden das gut“, sagte Dietmar Schilff, GdP-Landesvorsitzender in Niedersachsen. Er sieht auch Vorteile für die Bürger, wenn Abfragen etwa bei Kontrollen schneller gingen und sie nicht so lange warten müssen. Für die Kollegen sieht Schilff eine große Erleichterung. Nach einem Unfall könnten sie die Daten direkt eingeben und müssten nicht in die nächste Dienststelle fahren. Schilff warnte aber, dass die Neuerungen nicht zu Personalabbau führen: „Es dürfen keine Stellen gestrichen werden.“

Die Geräte sind mit der IT-Struktur der Polizei vernetzt und mit einem speziell gesicherten Betriebssystem ausgestattet. Dadurch soll insbesondere die Informationssicherheit gewährleistet und personenbezogene Daten geschützt werden.
Das Projekt könnte Nachahmer im Norden finden. In Bremen gibt es zwar noch kein derartiges Vorhaben. Aber: „Wir stehen im Gespräch mit Niedersachsen. Wir warten die ersten Erfahrungsberichte ab“, hieß es bei der Polizei.

Ganz neu ist der digitale Vorstoß nicht. In Bayern gibt es seit über zehn Jahren mobile Computer für Fahnder und Autobahnpolizei. Und in Sachsen gibt es laut GdP seit 2014 bei der Polizei „interaktive Funkwagen“, die mit mobilem Computer und Drucker ausgestattet sind. Ziel sei es, alle Streifenwagen damit auszurüsten.

Von Helen Hoffmann und Helmut Reuter/dpa