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Panorama Bambi für Bösewicht Bushido spaltet
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15:22 11.11.2011
Viele empfinden Bushidos (frühere) Texte als diskriminierend, sexistisch oder Gewalt verherrlichend. Quelle: dpa
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Wiesbaden

Zwar war der Preisträger seit Tagen bekannt, doch erst kurz vor und nach der Verleihung des Integrations-Bambis an den Rapper Bushido (33) hat sich der Protest so richtig geregt. „Wer Frauen- und Schwulenverachtung propagiert, hat keinen Preis für gelungene Integration verdient“, kritisierte am Freitag in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen im Bundestag, Volker Beck. Ihm sei kein Dokument bekannt, in dem sich der Rapper von seinen „menschenverachtenden Texten“ distanziert habe.

Vor der Gala am Donnerstagabend in Wiesbaden hatte sich schon die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth kritisch zum Bushido-Bambi geäußert. Viele empfinden Bushidos (frühere) Texte als diskriminierend, sexistisch oder gewaltverherrlichend. Der Burda-Verlag nannte dagegen Bushidos Einsatz zum Beispiel gegen Gewalt an Schulen eine „ehrbare Leistung“.

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„Die negative Hysterie hat mich überrascht“

Der Rapper selbst wies die Kritik an ihm nach der Preisverleihung zurück. „Die negative Hysterie hat mich überrascht“, sagte der Musiker. „Ich dachte, die Zeit ist vorbei.“ Er rief seine Kritiker dazu auf, sachlich mit ihm umzugehen. „Lasst uns nach vorne blicken.“

Vor den rund 800 Gala-Gästen in Wiesbaden und mehreren Millionen Fernsehzuschauern distanzierte er sich allerdings auch von seinen früheren Songtexten: „Ich werde heute sicherlich nicht mehr das sagen, was ich vor zehn Jahren gesagt habe.“ Er habe gelernt, „dass das, was ich gesagt habe, falsch war.“ Die Bambi-Jury hatte Bushido den Preis als „Vorbild für Integration“ zuerkannt.

Das Publikum reagierte zurückhaltend, als Bushido auf die Bühne kam und die Trophäe entgegennahm. Zuvor hatte Peter Plate, Songschreiber der ebenfalls ausgezeichneten Band Rosenstolz, den Preis für Bushido offen kritisiert. Es sei nicht korrekt, jemanden zu ehren, der frauenfeindliche und menschenverachtende Texte schreibe.

Die Piratenpartei teilte mit, Bushido werte Lesben, Schwule Transsexuelle, Frauen und Juden in seinen Texten ab, das sei „eine Gefahr“ für das Zusammenleben in Deutschland. „Wir bieten dem Burda-Verlag gerne einen Integrationskurs zur Vermittlung grundlegender Werte an“, sagte Bernd Schlömer, der stellvertretende Vorsitzende der Piratenpartei. „Offensichtlich gibt es da Defizite im Verständnis.“

Hubert Burda Media, Ausrichter der Bambi-Verleihung, verteidigte dagegen seine Entscheidung: „Musik ist eine Kunstform, der bewusste Tabubruch ein Stilmittel des Raps - ob es einem gefällt oder nicht“, hieß es in einer Mitteilung des Unternehmens. Der Rapper werde für seinen Beitrag zur Integration von Menschen aus benachteiligten sozialen Milieus geehrt. „Bushido leiht seine Stimme jungen Menschen, die im medialen Diskurs häufig überhört wurden.“

Im Fernsehen war der Bambi 2011 die quotenstärkste Verleihung dieses Medienpreises seit fünf Jahren, wie Media Control am Freitag mitteilte.

dpa/kas

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