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Panorama Bahn verspricht "möglichst jeder" soll Reiseziel erreichen
Mehr Welt Panorama Bahn verspricht "möglichst jeder" soll Reiseziel erreichen
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08:57 22.12.2010
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Die Deutsche Bahn hat nach den witterungsbedingten Problemen der vergangenen Tage zu Weihnachten ein Höchstmaß an Anstrengungen versprochen. Alle verfügbaren Züge würden fahren und „möglichst jeder“ solle sein Reiseziel zu Weihnachten erreichen, sagte Personenverkehr-Vorstand Ulrich Homburg der „Bild“-Zeitung vom Dienstag. Verkehrsexperten von FDP und Grünen hielten dem Konzern massive Fehler vor.

In den vergangenen Tagen hatten Schnee und Eis immer wieder zu Verspätungen und Zugausfällen der Bahn geführt, am Wochenende riet die Bahn sogar von nicht unbedingt notwendigen Fahrten ab. Bahn-Vorstand Homburg sagte, er könne verstehen, dass Kunden genervt sind. Aber trotz der extrem widrigen Umstände leisteten die Bahn-Mitarbeiter „immer noch Unglaubliches“ und brächten 7,3 Millionen Fahrgäste in Bus und Bahn sicher an ihr Ziel. „Ich entschuldige mich bei all denjenigen, bei denen dies nicht der Fall ist.“

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Zum besonders stark frequentierten Weihnachtsverkehr sagte Homburg, „wir werden alle verfügbaren Züge fahren und sicherstellen, dass die Hauptreiserouten im Fernverkehr mit der nötigen Kapazität befahren werden. Auf den Nebenstrecken wird unsere Regionalzug- und Busflotte dafür sorgen, dass möglichst jeder sein Reiseziel zu Weihnachten erreicht.“ Die Probleme führte Homburg auf den strengen Winter zurück, im Vergleich zum Auto- und Luftverkehr schlage sich die Bahn aber gut.

Homburg sagte, sein Unternehmen habe sich so intensiv wie seit Jahren nicht auf den Winter vorbereitet, es seien fast viermal so viele Techniker im Einsatz und 10.000 Schneeräumkräfte. In der Nähe von Mülheim kam es bei den Schneeräumarbeiten zu einem tödlichen Unfall.

Der Grünen-Verkehrsexperte Winfried Hermann hielt der Bahn allerdings Versäumnisse vor. Der vom Konzern im Sommer vorgelegte Präventionsplan Winter 2011 sei „nicht mehr als Symptombekämpfung“ gewesen, sagte der Vorsitzende des Bundestags-Verkehrsausschusses der „Passauer Neuen Presse“. Die eigentlichen Probleme lägen woanders: „Es fehlt an Zügen und Wagen für den Betrieb.“ Große Teile des Bestandes seien in der Wartung.

Viele Weichen seien immer noch nicht mit einer Heizung ausgestattet und müssten per Hand freigeschaufelt und enteist werden, doch verfüge die Bahn dafür nicht über „ausreichend eigenes Personal“, kritisierte Hermann weiter. „Hier rächen sich das übertriebene Spardenken vergangener Tage und die absurden Börsenträume der Bahn.“

Auch der FDP-Verkehrsexperte Patrick Döring kritisierte den zu kleinen Wagenpark der Bahn. Dieser sei „auf Kante genäht“, sagte er der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“. Wegen des umfangreichen Wartungsprogramms aufgrund der Probleme mit Achsen bei ICE-Zügen gebe es keine Reserven mehr.

Angesichts der schneebedingten Störungen im Bahn- und Luftverkehr rief EU-Verkehrskommissar Siim Kallas Unternehmen und Passagiere zu Besonnenheit auf. Er fordere Fluggesellschaften und Bahnunternehmen auf, „ihre Verantwortung nach dem geltenden EU-Recht sehr ernst zu nehmen“, die Passagiere rechtzeitig zu informieren und sie ausreichend zu versorgen, sagte Kallas der Zeitung „Die Welt“. Es sei aber auch wichtig, dass die Passagiere „mit Umsicht und Verständnis“ reagierten.

Bahnfahrer müssen sich im Fernverkehr wegen des Winterwetters zunächst wohl weiterhin auf Verspätungen einstellen. Am Dienstag habe es aber keine Zugausfälle mehr gegeben, berichtete ein Bahnsprecher am Vormittag in Berlin. „Die Züge sind gut gefüllt, aber nicht an der Kapazitätsgrenze“, sagte er. Es sei aber zu früh, von einer Entspannung der Lage zu sprechen. „Wir haben immer noch eine Extremsituation.“ Weiterhin gelte für die ICE das Tempolimit 200. Die Hochgeschwindigkeitszüge fahren sonst auf Schnellstrecken 230 bis 300 Kilometer pro Stunde.

In Süddeutschland hat sich das Wetter am Dienstag etwas beruhigt, Schnee ging in Regen über. Im Norden blieb es eisig, es fiel aber kaum neuer Schnee.

afp/dpa