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Panorama BP scheitert mit Verschluss des Öllecks
Mehr Welt Panorama BP scheitert mit Verschluss des Öllecks
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18:16 19.07.2010
Die Discoverer Enterprise auf ölverschmiertem Wasser: Möglicherweise muss das Schiff bald wieder Öl aus dem erneut leckenden Bohrloch abpumpen.
Die Discoverer Enterprise auf ölverschmiertem Wasser: Möglicherweise muss das Schiff bald wieder Öl aus dem erneut leckenden Bohrloch abpumpen. Quelle: dpa
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Auch nach drei Monaten Ölkatastrophe am Golf von Mexiko reißt die Pannenserie nicht ab. Die Einsatzleitung der Regierung teilte mit, dass in der Nähe des verschlossenen Bohrlochs Erdöl aus dem Meeresboden entweicht. Außerdem sammele sich möglicherweise Methangas über dem Bohrloch. Die Einsatzleitung und BP-Experten hätten noch in der Nacht (Ortszeit) in einer Krisensitzung telefonisch über das weitere Vorgehen beraten. Nach dem erneuten Rückschlag herrscht Ratlosigkeit - BP sagte eine Pressekonferenz am Montagmorgen (Ortszeit) ab.

Erst am Sonntag hatte das Unternehmen einen entscheidenden Durchbruch verkündet: Seit gut drei Tagen fließe kein Öl mehr aus dem Bohrloch, der neue meterhohe Zylinder habe das Leck in 1500 Meter Tiefe geschlossen. Es war der erste echte Fortschritt nach diversen Fehlschlägen seit dem Unfall auf der Bohrinsel "Deepwater Horizon" am 20. April. Tag für Tag sprudeln bis zu 8200 Tonnen Rohöl ins Meer.

Zugleich werden Differenzen zwischen BP und der Einsatzleitung über den besten Weg im Kampf gegen die Ölpest deutlich: BP tendiert dazu, bis zu einer endgültigen Abdichtung der Ölquelle tief unter dem Meeresgrund im August das Bohrloch wenn möglich verschlossen zu halten. Dagegen fürchtet die Einsatzleitung, die Steigleitung könne der Belastung des Drucks nicht standhalten und befürwortet eher, die Ventile des Zylinders wieder zu öffnen und das ausströmende Öl wie zuvor auf bereitstehende Schiffe abzupumpen. Wie viel Rohöl aus dem Meeresgrund entweicht, war zunächst nicht bekannt. Auch über ein mögliches Entweichen von Methangas wurden zunächst keine Einzelheiten mitgeteilt. Auch BP sprach am Montag davon, dass möglicherweise wieder abgepumpt werden müsse. Die Regierung sagte, die Belastungstests sollten erst einmal für 24 Stunden weitergehen.

Trotz der schlimmsten Ölpest in der US-Geschichte sieht der Öl- und Gasfeld- Dienstleister und -Ausrüster Halliburton einen Boom bei Tiefseebohrungen. "Die Vorfälle im Golf von Mexiko haben unsere Begeisterung für vermehrte Tiefsee-Aktivitäten in den kommenden Jahren nicht gedämpft", sagte Konzernchef Dave Lesar am Montag. Halliburton hatte im Auftrag des britischen Energiekonzerns BP das Bohrloch zementiert.

Trotz der Tragödie machte Halliburton im zweiten Quartal glänzende Geschäfte. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um satte 26 Prozent auf 4,4 Milliarden Dollar (3,4 Mrd Euro). Der Gewinn verdoppelte sich beinahe auf unterm Strich 480 Millionen Dollar. Die Aktie machte daraufhin einen Satz nach vorne und stieg im frühen Handel um fünf Prozent. Halliburton rechnet zwar mit einer Verschärfung der Gesetze. Die Auswirkungen auf das Unternehmen halten sich nach Einschätzung des Managements aber in Grenzen. Pro Quartal rechnet der Konzern in diesem Jahr damit, dass der Gewinn je Aktie um 5 bis 8 Cents niedriger ausfällt. Im zweiten Quartal hatte Halliburton je Aktie 53 Cent verdient.

dpa