Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Panorama Atompolitik-Streit mündet in "Twitter"-Duell
Mehr Welt Panorama Atompolitik-Streit mündet in "Twitter"-Duell
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:31 24.03.2011
Grünen-Politiker Volker Beck hat sich über die Atompolitik via "Twitter" einen Schlagabtausch mit Regierungssprecher Steffen Seibert geliefert. Quelle: dpa (Archiv)
Anzeige

Regierungssprecher Steffen Seibert und der Grünen-Politiker Volker Beck haben sich per Internetdienst Twitter einen bislang einmaligen Schlagabtausch über die Atompolitik geliefert. Der Auslöser: Informationen der „Süddeutschen Zeitung“, nach denen Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) das Atom-Moratorium der Regierung vor dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) mit den anstehenden Landtagswahlen begründet hatte.

Seibert hatte während der Regierungserklärung von Kanzlerin Angela Merkel zum bevorstehenden EU-Gipfel in Brüssel im Bundestag am Donnerstag getwittert. Er schrieb: „Kanzlerin fordert im Bundestag: EU sollte heute in Brüssel beschließen, keinerlei Öl aus Libyen mehr zu importieren“. Kurz darauf antwortete der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Fraktion direkt aus der Sitzung: „Was sagen Sie eigentlich zu Brüderles atompolitischer Beichte? Alles nur Wahlkampf!“ Seibert konterte: „Falsch. Bundesregierung nimmt unvorhersehbare Katastrophe in Japan ernst, AKW-Überprüfung hat nichts mit Wahlkampf zu tun.“ Darauf Beck: „Lügt Brüderle oder hat er beim BDI gar nicht gesagt, dass die vorübergehende AKW-Stilllegung nur Wahlkampf ist?“

Anzeige

Seibert, der erst vor einigen Wochen als Regierungssprecher mit dem Twittern begonnen hatte, sagte der dpa zu dem ungewöhnlichen Austausch: „Ich fand die Behauptung, die Reaktion der Bundesregierung auf Japan sei reiner Wahlkampf, einfach falsch. Deshalb wollte ich das nicht so stehen lassen.“ Ein derartiger politischer Wortwechsel via Twitter wie mit Beck werde aber „sicherlich eher die Ausnahme bleiben“. Auch auf Becks letzte Antwort werde es keine Replik geben. Die Twitter-Beiträge von Seibert und Beck werden im Internet jeweils von mehr als 10 000 Interessierten abonniert.

dpa

Mehr zum Thema

Die ersten Atomkraftwerke sind in der Nacht zum Donnerstag nach dem Atom-Moratorium vom Netz gegangen. Neckarwestheim I sei um 22.41 Uhr vom Netz gegangen, Philippsburg I um 4.28 Uhr, sagte am Morgen ein Unternehmenssprecher in Karlsruhe. Atomkraftwerksbetreiber prüfen unterdessen nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ rechtliche Schritte.

17.03.2011

Stärkere Sicherheitsauflagen von Atomkraftwerken führen laut Kanzlerin Merkel zu höheren Strompreisen. Zwar solle es während des dreimonatigen Moratoriums noch keine "dramatischen Veränderungen" geben - doch langfristig bewirke die Abkehr von der Atomenergie eine Preissteigerung für den Verbraucher.

16.03.2011

Nach einer neuen Explosion im Atomkomplex Fukushima Eins ist erstmals eine innere Reaktor-Schutzhülle beschädigt. Auch in Tokio wird erhöhte Radioaktivität gemessen. In Berlin kündigt Kanzlerin Merkel an, sieben alte AKW vorübergehend vom Netz zu nehmen.

15.03.2011
Reinhard Urschel 24.03.2011