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Panorama Arzt entlastet Ernst August
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21:37 30.07.2009
Von Wiebke Ramm
Dr. Madhu Patel hat bei dem Opfer des Prinzen keine inneren Verletzungen festgestellt. Quelle: Rainer Dröse
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Dr. Madhu Patel schloss aus, dass der Prinz in der Nacht auf den 15. Januar 2000 auf der Insel Lamu mit einem Schlagring auf den Diskobesitzer Josef Brunlehner eingeprügelt hat. Die Verletzungen an Brunlehners Oberkörper „können eigentlich nur von einem Faustschlag kommen und nicht von so einem Objekt“, sagte Patel. Er habe nach gründlicher Untersuchung des Patienten keine inneren Verletzungen, keine Rippenbrüche und auch keine inneren Blutungen festgestellt. Ernst August soll Brunlehner aus Ärger über Diskolärm brutal verprügelt haben. Der Prinz spricht nur von zwei Ohrfeigen.

Der heute 57-jährige Patel leitete damals die Intensivstation des Krankenhauses, in das Brunlehner am Tag nach der Attacke mit einem Flugzeug gebracht worden war. Eine Stunde nach der Ankunft wurde das Prinzenopfer zur Beobachtung auf die Intensivstation verlegt, bestätigte Patel. Brunlehner hatte über starke Schmerzen in der linken Brust und über Atemnot geklagt. Tatsächlich hatte der Diskobesitzer einen Bluterguss unterhalb des linken Schlüsselbeins sowie Quetschungen an Brust und Unterbauch. Die naheliegende Frage, woher die Verletzungen stammten, will der Arzt seinem Patienten nie gestellt haben.

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Brunlehner erhielt starke Schmerzmittel, infolgedessen die Sauerstoffsättigung im Blut abgenommen habe, sodass er etwa drei Stunden lang Sauerstoff über eine Atemmaske zugeführt bekam. Auch eine Glucose-Infusion erhielt er. „Danach war sein Zustand stabil, und die Schmerzen wurden weniger“, sagte der Arzt. Nach zwei Tagen sei Brunlehner auf eine normale Station verlegt und am 20. Januar auf eigenen Wunsch aus dem Krankenhaus entlassen worden.

Die Frage des Vorsitzenden Richters, woher denn die Schmerzen rührten, über die Brunlehner so sehr klagte, beantwortete Patel fast salomonisch: „Schmerzen sind sehr subjektiv, und das Schmerzempfinden ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich.“ Allerdings könne ein Bluterguss durchaus schmerzhaft sein.

Patel hatte Brunlehner zusammen mit einem Chirurgen („ein sehr qualifizierter Arzt mit einem sehr guten Ruf“) und dem Allgemeinmediziner Joel Pinto („der berühmteste Arzt in unserer Gegend“) behandelt. Konfrontiert mit einem Bericht des Chirurgen, kam Patel in Erklärungsnot. Hin- und hergerissen zwischen Loyalität und Professionalität musste er einräumen, dass er sich nicht erklären kann, wieso im Bericht schwere Brustverletzungen vermerkt sind: „Also, als ich ihn gesehen habe, war es nicht so.“ Der Chirurg selbst hatte abgelehnt, vor Gericht auszusagen.

Der Richter bedankt sich per Handschlag bei Patel. „Sie haben uns so manche weitere Beweisaufnahme erspart.“ Der Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung wird schwer aufrechtzuerhalten sein. Dieser Tatbestand setzt den Einsatz einer Waffe oder die Beteiligung vom Komplizen voraus. Beides ist von Zeugen bisher nicht geschildert worden.

Am Freitag wird der Prozess in Hildesheim fortgesetzt.