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Panorama Anzeige wegen
 Kindesmisshandlung 
in Moscheen
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 Kindesmisshandlung 
in Moscheen
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20:12 16.12.2009
Quelle: ddp (Symbolbild)
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In 49 derartigen Fällen hat die Stadtverwaltung von Den Haag am Dienstag nun Anzeige erstattet.

Die Misshandlungen sollen den Angaben zufolge im Zeitraum zwischen Dezember 2008 und November 2009 in verschiedenen Moscheen Den Haags erfolgt sein. Die entdeckten Fälle seien „so gravierend“, heißt es in dem Untersuchungsbericht, „dass eine Strafanzeige unerlässlich wurde“. Die Spuren körperlicher Züchtigungen seien bei routinemäßigen Untersuchungen von Zehnjährigen durch den staatlichen Gesundheitsdienst offenbar geworden.

Mehr als die Hälfte der Fälle von Kindesmisshandlung sollen sich in der marokkanischen El-Islam-Moschee im südlichen Stadtviertel Schilderswijk von Den Haag ereignet haben. Man habe dort Kinder im Alter von zehn Jahren angetroffen, die überall am Körper blaue Flecken und Blutergüsse hatten. Viele hätten auch Striemen auf ihrer Haut gehabt.

Die Kinder hätten angegeben, dass sie in der Moschee während des Koranunterrichts oder während der Arabischstunden von ihren Lehrern körperlich misshandelt worden seien. Auch viele Eltern sollen von der Misshandlung ihrer Kinder gewusst haben. Einige Eltern hätten ihre Kinder daraufhin nicht mehr zum Unterricht in die Moschee geschickt. Doch Strafanzeige habe von ihnen niemand stellen wollen. Andere Eltern wiesen die Vorwürfe der körperlichen Züchtigung der Schüler zurück. Das Gesundheitsamt prüft nun, ob auch gegen Eltern, die von den Schlägen wussten, ihre Kinder aber weiter zum Unterricht in die Moschee schickten, wegen unterlassener Hilfeleistung Strafanzeige erstattet werden kann.

Der Sprecher der El-Islam-Moschee, Ali Belhaij, kündigte eine interne Untersuchung an. Für ihn seien die Vorwürfe „mehr als ein Schock“. Nach seinen Informationen basiere die Untersuchung „auf anonymen Briefen und Telefonaten“. „Wir haben von den Eltern der Kinder keine Klagen gehört“, sagte er. Auch der Imam der Moschee, El-Bakkali, wies alle Vorwürfe zurück und verlangte die Vorlage eindeutiger Beweise.

Bevor die Haager Stadtverwaltung am Dienstag jetzt Strafanzeige gegen die El- Islam-Moschee und weitere Gotteshäuser erstattete, hatten Bürgermeister Jozias van Aartsen und der Dezernent für Erziehung und Jugend, Sander Dekker, das Gespräch mit der Gemeinde gesucht. Man habe in „eindringlichen Gesprächen klargemacht, dass das Prügeln der Kinder unverzüglich aufzuhören habe“, sagt ein Sprecher. Viermal habe man unter anderem mit dem Vorstand der El-Islam-Moschee gesprochen, heißt es. Zuletzt im Oktober.

Kindesmisshandlungen in Moscheen gibt es nicht nur in den Niederlanden, sondern auch in Belgien. Ein Gericht in Antwerpen verurteilte in diesem Jahr zwei Koranlehrer zu Gefängnisstrafen. Sie hatten 17 Schüler im Alter von acht und elf Jahren regelmäßig mit Gartenschläuchen geschlagen. Die Kinder sagten vor Gericht gegen ihre Koranlehrer aus. Diese leugneten noch nach ihrer Verurteilung, dass sie ihre Schüler verprügelt haben.

von Helmut Hetzel