Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Panorama Psychiatriepatient hat Sex-Chat mit Zwölfjähriger
Mehr Welt Panorama Psychiatriepatient hat Sex-Chat mit Zwölfjähriger
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 09.01.2016
Hier werden psychisch kranke Straftäter untergebracht: Das Maßregelvollzugszentrum in Moringen.  Foto: dpa
Hier werden psychisch kranke Straftäter untergebracht: Das Maßregelvollzugszentrum in Moringen. Foto: dpa Quelle: Peter Steffen
Anzeige
Göttingen/Moringen

Der 46-jährige Angeklagte soll sich im Frühjahr 2013 mithilfe eines in das Maßregelvollzugszentrum Moringen eingeschmuggelten USB-Sticks Zugang zum Internet verschafft haben. Dann soll er in einem Skype-Chat Kontakt zu einem zwölfjährigen Mädchen aufgenommen haben. Laut Anklage soll er die Zwölfjährige dazu gedrängt haben, sexuelle Handlungen an sich vorzunehmen und davon Fotos anzufertigen, die sie ihm dann zuschicken sollte.

Der 46-Jährige ist seit 1994 wegen verschiedener Sexualdelikte im Maßregelvollzug untergebracht. Zu Beginn seines neuen Prozesses räumte er die Vorwürfe weitgehend ein. Er habe sich den USB-Stick über die Adresse eines früheren Mitpatienten besorgt. Ein Freigänger habe ihm den Stick nach Moringen mitgebracht. Die Monatsgebühren für die Internetnutzung habe er über ein Konto bezahlt, das er noch bei der Sparkasse in Northeim gehabt habe.

Der Angeklagte hatte sich damit über die Regeln der Klinik für psychisch kranke Straftäter hinweggesetzt. Die Patienten dürften zwar einen Rechner haben, sagt der Ärztliche Direktor der Klinik, Dirk Hesse - allerdings nur ohne Internetzugang. Die Patienten dürften auch kein Smartphone und keine USB-Sticks nutzen. Die Rechner verfügten über eine Prüfvorrichtung, mit der sich eine unzulässige Nutzung feststellen lasse.

Der Angeklagte wollte sich seinen Angaben zufolge zunächst nur ein Computerspiel mit einem Landwirtschaftssimulator herunterladen. Später habe er sich Nacktbilder von Frauen und jungen Mädchen verschafft, die er anderen Patienten verkauft oder für Tauschgeschäfte genutzt habe. Via Skype baute er Kontakt zu der Zwölfjährigen aus dem Raum Aachen auf, der er vorgaukelte, ein 16-jähriger Junge aus Hannover zu sein. Nachdem er sie dazu gebracht hatte, ihm ein Nacktfoto zu schicken, forderte er weitere Fotos, die sie in möglichst obszönen Stellungen zeigen sollten. Anderenfalls werde er das ihm bereits zugesandte Foto im Internet veröffentlichen.

Die Zwölfjährige hatte sich daraufhin über ein spezielles Online-Portal an die Polizei gewandt. Den Fahndern gelang es, die Identität ihres Chat-Partners zu ermitteln. Dieser war inzwischen in ein psychiatrisches Krankenhaus in Hildesheim verlegt worden. Dort stellten die Ermittler ein Handy sicher, auf dem kinderpornografische Aufnahmen gespeichert waren. Das Gericht hat für den Prozess vier Verhandlungstage angesetzt.

Thorsten Fuchs 09.01.2016