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Panorama Alarmstufe Rot vor MPK: „Ein rabenschwarzer Tag für die Veranstaltungsbranche“
Mehr Welt Panorama Alarmstufe Rot vor MPK: „Ein rabenschwarzer Tag für die Veranstaltungsbranche“
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15:08 22.03.2021
Auf Initiative von Alarmstufe Rot leuchteten zahlreiche Spielstätten, hier das Theater Dortmund, im Dezember rot. Damit sollte auf die Notlage in der Kultur- und Veranstaltungsbranche hingewiesen werden.
Auf Initiative von Alarmstufe Rot leuchteten zahlreiche Spielstätten, hier das Theater Dortmund, im Dezember rot. Damit sollte auf die Notlage in der Kultur- und Veranstaltungsbranche hingewiesen werden. Quelle: imago images/Friedrich Stark
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Volle Theater, volle Messen, volle Konzerthallen: Für Tom Koperek, Vorstandsvorsitzender von Alarmstufe Rot, ist das keine wehmütige Erinnerung an vergangene, coronafreie Zeiten, sondern ein Szenario, das für ihn trotz steigender Infektionszahlen und grassierender Virusmutanten durchaus im Rahmen der Möglichkeiten liegt. Alarmstufe Rot repräsentiert als Aktionsbündnis die Veranstaltungsbranche während der Corona-Pandemie.

Dass die Ministerpräsidentenkonferenz (MPK), die am Montagnachmittag über neue Corona-Beschlüsse berät, sich für Lockerungen in der Veranstaltungsbranche ausspricht, glaubt Koperek nicht. „Das wird heute ein rabenschwarzer Tag für uns“, so der Vorstandsvorsitzende gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) im Vorfeld der Beratungen. Der Frust nach einem Jahr Lockdown ist ihm beim Telefonat deutlich anzuhören. „Es gibt bei der MPK und unserer Bundesregierung keinen Mut, neue Wege zu beschreiten.“

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„Es gibt Möglichkeiten abseits von Verbotspolitik“

Wie solche neuen Wege aussehen könnten, würden das Modellprojekt in Tübingen oder das Konzert der Berliner Philharmoniker vom Wochenende zeigen. In beiden Beispielen darf eine Großveranstaltung als Versuchsanordnung unter strengen Hygienemaßnahmen und vor allem mit negativen Corona-Testnachweisen als Zugangsvoraussetzungen stattfinden. „Es gibt Möglichkeiten abseits von Verbotspolitik“, meint Koperek. In Tübingen und Berlin gehe es derzeit in die richtige Richtung. Doch auch bei den Genehmigungen von solchen Modellversuchen gibt es noch keinen einheitlichen Weg. „Wenn ein Veranstalter einen Modellversuch plant, muss dieser von der Landesregierung im Rahmen der Corona-Verordnung genehmigt werden. Doch gibt es noch keine einzige Verordnung, in der Modellversuche mit einem Wort erwähnt werden.“

Der Ton ist schärfer geworden – auch in der Kommunikation von Alarmstufe Rot. Während die Initiative in der Vergangenheit beispielsweise mit rot beleuchteten Spielstätten auf die Notsituation in der Kultur- und Veranstaltungsbranche aufmerksam gemacht hat, werden nun konkret Entscheidungen der Regierungen kritisiert und Fehler aufgezeigt. Auch Tom Koperek hält sich mit Urteilen über die Entscheidungen der Bundesregierung nicht mehr zurück – vor allem, wenn der in der letzten MPK beschlossene Stufenplan zur Sprache kommt: „Für uns ist der Stufenplan nur ein Ablenkungsmanöver, um vom Versagen und von den falschen Entscheidungen der Bundesregierung im gesamten letzten Jahr abzulenken.“ Dazu kritisiert er die oft unverständlichen Umsetzungen der Beschlüsse in der Praxis. „Wir sehen uns in Deutschland gerne als Organisationsweltmeister. Aber wir verstricken uns hier in Bürokratie.“

Keine Sorgen um steigende Inzidenzzahlen

Die derzeit steigenden Inzidenzwerte machen dem Unternehmer, der Gründer eines Anbieters für Live- und Markenkommunikation ist, keine Sorgen. „Wenn ich jetzt massenhaft teste, finde ich natürlich auch massenhaft symptomlose Virusträger. Da habe ich auch schnell mal eine Inzidenz von 200 oder 300.“ Doch betont er auch: „Verstehen Sie mich nicht falsch: Jeder, der im Krankenhaus landet, ist einer zu viel.“

Die Initiative Alarmstufe Rot, die sich 2020 im Zuge des Corona-Lockdowns gegründet hat, repräsentiert Unternehmen aus der Kultur- und Live-Entertainment-Branche sowie Firmen für Sportevents, Messe- und Kongressunternehmen, Cateringfirmen, Schausteller, Veranstaltungstechniker und Organisatoren privater Feiern. Laut eigener Aussage besteht die Branche aus etwa einer Million Beschäftigten bei einem durchschnittlichen Jahresumsatz von 130 Milliarden Euro – das Corona-Jahr 2020 nicht mit eingerechnet. Zu den Forderungen der Initiative zählt, Veranstaltungsunternehmen eine langfristige Planungsperspektive unabhängig vom Inzidenzwert zu bieten, da durch Hygienekonzepte, Teststrategien und Nachverfolgungs-Apps auch coronasichere Events durchgeführt werden könnten.

„Wenn es zu Lockerungen kommt, wären wir überrascht“

In der aktuellen Beschlussvorlage des Kanzleramts für die heutige MPK heißt es in Bezug auf Kultureinrichtungen: „Im Rahmen von zeitlich befristeten Modell­projekten können die Länder in je einer Region mit niedriger Inzidenz, strengen Schutzmaßnahmen und einem Testkonzept einzelne Bereiche des öffentlichen Lebens öffnen, um die Umsetzbarkeit von Öffnungsschritten unter Nutzung eines konsequenten Testregimes zu untersuchen.“

„Ich habe meine Zweifel, dass es für die Veranstaltungsbranche zu Lockerungen kommt, wenn nun Ausgangsbeschränkungen im Gespräch sind. Das ist doch das Mittel, das die Grundrechte am stärksten einschränkt“, fügt Tom Koperek an. „Wenn, dann wären wir überrascht.“

Von Geraldine Oetken/RND

Der Artikel "Alarmstufe Rot vor MPK: „Ein rabenschwarzer Tag für die Veranstaltungsbranche“" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.