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Panorama Während OP: Ärztin lästert über Patienten
Mehr Welt Panorama Während OP: Ärztin lästert über Patienten
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10:40 25.06.2015
"Ich hätte Dir am liebsten ein paar Ohrfeigen gegeben": Eine Ärztin lästerte während eines Eingriffs (Symbolbild) über ihren Patienten. Deshalb muss sie ihm jetzt 500.000 Dollar zahlen. Quelle: dpa
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"Ich hätte dir am liebsten schon vorhin beim Beratungsgespräch ein paar Ohrfeigen gegeben", sagte die 42-jährige Ärztin während der Behandlung. Einer Assistentin empfahl sie, den Patienten besser nicht anzufassen, "sonst bekommst du noch Syphilis“. Sie lästerte auch über den Ausschlag, den der Mann im Genitalbereich hatte ("Sieht aus wie Ebola oder Tuberkulose"). Außerdem sei er bestimmt "schwul", meinte sie - und fügte hinzu: "Aber ich habe schon Schwule gesehen, die mehr Männlichkeit besitzen, als der hier."

Der Mann verklagte die Ärztin daraufhin und erhielt Schadenersatz zugesprochen. "Da war nicht viel Gegenwehr, schließlich war alles auf Band", zitierte die "Washington Post" einen der Geschworenen. Denn alle Beleidigungen, Sprüche und Lästereinen, die im Gerichtssaal zur Sprache kamen, befanden sich auf dem Smartphone des Patienten. Der Mann hatte das Gerät auf Aufnahme gestellt, um die Ausführungen und Anweisungen der Ärztin beim Vorgespräch später noch einmal in Ruhe anhören zu können. Er war für eine Darmspiegelung zu ihr gekommen.

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Smartphone lag unterm OP-Tisch

Dann, als es in den OP-Saal ging, vergaß er, das Handy wieder auszuschalten. Es steckte in seiner Hose, sie während des Eingriffs direkt unter den Operationstisch gelegt worden sei, berichtete die "Washington Post". Später, als der Mann aus der Narkose aufwachte, hörte er sich alles noch einmal an.

Allein das „Syphilis- und Tuberkulose“-Zitat bewertete der Richter als so niederträchtig, dass er dafür einen Schadensersatzanspruch von 100.000 Dollar ansetzte. Alle übrigen Zitate summierte er auf weitere 400.000 Dollar. Die Ärztin hat inzwischen ihren Dienst in der Klinik quittiert.

Der Anwalt des Patienten hatte 1,75 Millionen Dollar verlangt, schrieb die "Washington Post". Die 500.000 Dollar sollen ein Kompromiss gewesen sein. Die Geschworenen hätten intensiv über den Fall diskutiert. "Wir kamen schließlich zu dem Schluss, dass wir ihm etwas geben müssen. Einfach um sicherzustellen, dass so etwas nicht wieder passiert", sagte einer der Geschworenen der Zeitung.

Dierk Sindermann / wer

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