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Panorama Ärzte vergessen 16 Zentimeter lange Metall-Klemme im Bauch
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18:59 24.03.2011
Von Marina Kormbaki
Neun Monate nach einer Operation musste einer Patientin eine vergessene Aterienklemme aus dem Bauch entfernt werden. Quelle: dpa
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Es ist der Albtraum jedes Patienten: Ein Arzt des Evangelischen Krankenhauses Holzminden hat eine 16 Zentimeter lange OP-Klemme im Bauch einer Patientin vergessen. Nach der gynäkologischen Operation im Mai 2010 litt die 49-jährige Angelika H. aus Höxter in Nordrhein-Westfalen neun Monate lang unter starken Schmerzen. Erst bei einer Röntgenuntersuchung im vergangenen Monat wurde die OP-Klemme entdeckt. Der Geschäftsführer der Klinik, Marco Ellerhoff, bestätigte gestern entsprechende Medienberichte: „Es hat sich ein schlimmer, schrecklicher Fehler ereignet, der nicht passieren darf.“

Schon kurz nach der Operation habe sie starke Beschwerden und Wundheilungsstörungen gehabt, sagte Angelika H. dem „Westfalen-Blatt“. Sie habe unter ihrer Bauchdecke etwas Hartes fühlen können. Der operierende Arzt habe Angelika H. gesagt, dass es sich dabei um einen Wundschlauch handele, der kurz darauf entfernt wurde – die Schmerzen aber blieben. Ihrem niedergelassenen Gynäkologen sei das merkwürdig vorgekommen, er führte eine Ultraschalluntersuchung durch und stellte dabei fest, dass in H.s Bauch ein Fremdkörper war. Im Krankenhaus habe man ihr anschließend gesagt, dass es sich dabei wohl um ein Stück Drainageschlauch handele, das beim Ziehen des Schlauchs zurückgeblieben sei und später entfernt werde.

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Als aber die nicht verheilen wollenden OP-Narben zu Fehlbildungen im Bauchbereich führten, schaltete sich im vergangenen Monat der Chefarzt der Klinik ein und bot eine ästhetische Korrektur des Bauchbereichs an. Bei einer neuerlichen Untersuchung wurde Angelika H. geröntgt – da wurde die Klemme schließlich entdeckt. Die Holzmindener Klinik bot der Patientin an, die Klemme umgehend zu entfernen. Angelika H. zog jedoch eine Operation in einer Göttinger Klinik vor. Anfang März wurde die Klemme entfernt.

Das Evangelische Krankenhaus Holzminden ist nun eifrig um Schadensbegrenzung bemüht. „Wir stehen in engem Kontakt zu der Patientin“, sagte Geschäftsführer Ellerhoff. Gestern habe er gemeinsam mit dem Chefarzt der Gynäkologie die Frau zu Hause besucht. „Wir streben eine für die Patientin zufriedenstellende Einigung an, deswegen haben wir unsere Versicherung angewiesen, sich um eine schnelle Einigung zu bemühen.“ Zur Höhe einer eventuellen Zahlung von Schmerzensgeld machte Ellerhoff keine Angaben. Der Anwalt der Patientin habe Mitte Februar Akteneinsicht verlangt – ob es zu einem Gerichtsverfahren kommt, ist noch offen.

Der behandelnde Chirurg wird die Klinik demnächst verlassen. Allerdings stehe sein Fortgang nicht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Panne im OP, sagte Ellerhoff: „Sein Arbeitsvertrag läuft ohnehin zum Ende dieses Monats aus.“

Die Holzmindener Klinik will sich nun höheren Sicherheitsstandards bei Operationen verpflichten und an ihrem „Risikomanagement“ arbeiten. „Dazu holen wir uns personelle Verstärkung ins Haus“, sagte Geschäftsführer Ellerhoff, „Im April fängt bei uns eine neue Mitarbeiterin im Qualitäts- und Risikomanagement an.“