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Panorama Adoptiv-Dackel Monster von Auto überfahren
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07:44 22.05.2009
Dackel "Monster" ist tot. Er war für das Tigerbaby im Tierpark Ströhen der Adoptivvater. Quelle: Philipp Guelland/ddp
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Am Mittwochmorgen ist Monster noch der strahlende, kuschelige Held. Zeitungen aus dem ganzen Bundesgebiet berichten über den neunjährigen Dackelrüden aus dem niedersächsischen Ströhen, der zur Überraschung der Nation ein verstoßenes und deutlich größeres Tigerbaby adoptiert hatte. Noch am selben Tag jedoch wird bekannt, dass der Dackel gar nicht mehr lebt. Ein Briefträger hatte das Tier am späten Dienstagnachmittag mit seinem Auto erfasst - und so die kurze Liebesgeschichte vom Dackel, der sich anschickte, einen Tiger aufzuziehen, beendet.

Monster hatte erst vor wenigen Tagen in Ströhen (Landkreis Diepholz) die Vaterrolle für ein Tigerbaby aus dem örtlichen Tierpark übernommen. Die eigene Mutter hatte die kleine Wildkatze kurz nach der Geburt verstoßen und sich lediglich um ein früher geborenes Geschwistertier gekümmert. Ein Pfleger fand das stark unterkühlte und geschwächte Tigermädchen gerade noch rechtzeitig im Gehege.

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Almuth Ismer, die Mutter des Tierpark-Leiters und Besitzerin von Monster, nahm das Tier daraufhin zur Pflege zu sich. Ihr Hund habe sie dabei tatkräftig unterstützt, indem er das Tigerbaby regelmäßig zärtlich abgeleckt und mit ihm geschmust habe, erzählte sie.

Am Mittwoch nun musste Monsters sichtlich mitgenommenes Frauchen mitteilen, dass ihr Hund gestorben war. „Er wollte nur mal kurz raus, um sein Geschäft zu verrichten und ist dabei wohl auf die Straße gelaufen, sagte Ismer traurig. Den Unfallfahrer, der vermutlich der Postbote war, treffe keine Schuld. Er habe einfach nicht mehr rechtzeitig bremsen können.

So traurig die Nachricht vom Tod des Dackels auch sein mag, für seine erst neu gewonnene Tiger-Adoptivtochter geht das Leben an der Seite eines Hundes weiter. Glücklicherweise habe sich seine Tochter Bessi als würdige Nachfolgerin für die Pflege der Raubkatze erwiesen, sagte Ismer. Die einjährige Dackeldame habe sich sofort in das Tigermädchen verliebt, ergänzte ihre Besitzerin Mareike Seifart, Tierpflegerin im Tierpark Ströhen. Sie sei überrascht gewesen, dass ihre kleine Bessi schon so früh Muttergefühle entwickelt habe.

Offenbar haben die Dackel aus dem Hause Ismer den Umgang mit und ihre Gefühle für Raubkatzen im Blut. Denn bereits damals, als der spätere Vater des Tigermädchens geboren wurde, nahm laut Ismer der Dackel der Familie das von der Mutter verstoßene Jungtier auf. Die Mutter von Monster habe sich damals fürsorglich um den Tiger gekümmert.

Der Leiter des Tierparks Ströhen, Nils Ismer, sagte, es sei zwar selten, dass ein Dackel die Pflege andersartiger Jungtiere übernehme, es könne aber durchaus vorkommen. Im Fall des zweimal auf tragische Weise verwaisten Tigermädchens sei insbesondere der Größenunterschied zwischen Kind und Adoptiv-Mama bemerkenswert. Eines jedoch haben die beiden gemeinsam: Sie werden sicherlich noch einige Zeit um Monster trauern. ddp/ame/wsd

ddp