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Panorama Acht Jahre Haft für Mutter des verhungerten Robin
Mehr Welt Panorama Acht Jahre Haft für Mutter des verhungerten Robin
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15:55 12.08.2009
Die Mutter des verhungerten Kindes vor Gericht. Quelle: ddp
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Die Richter sahen es als erwiesen an, dass die Mutter von drei Kindern den Tod des Jungen zu verantworten hat. Sie habe den kränkelnden Robin am 22. Dezember 2007 mit ein paar Keksen und einer Trinkflasche allein zurückgelassen, um einen Bekannten in Hagenow zu besuchen. Als die Frau in der Weihnachtsnacht zurückkehrte, sei der Junge so geschwächt gewesen, dass er nicht mehr allein trinken konnte. Am 26. Dezember verstarb Robin infolge schwerer Unterernährung.

Die Frau habe erheblich gegen ihre Fürsorgepflicht verstoßen, sagte die Richterin in der Urteilsbegründung am Mittwoch. Der Wunsch nach einem neuen Partner sei stärker als die Verantwortung um das Kind gewesen. Besonders schwer wiege die Dauer des Misshandelns und Tötens über mehrere Tage. Die Beweisaufnahme habe ergeben, dass die Angeklagte den Zustand Robins bei der Abreise erkannt habe. Wenn sie Hilfe geholt hätte, wäre Robins Leben zu diesem Zeitpunkt noch zu retten gewesen.

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Die Entscheidung der Angeklagten gegen Robin könne auch als niedriger Beweggrund und damit Mord angesehen werden, sagte die Richterin. Da die Angeklagte laut einem Gutachter in ihrer Steuerungsfähigkeit erheblich beeinträchtigt war, sei ihr dies nicht zur Last gelegt worden. Zugunsten der Angeklagten hätten auch ihr Geständnis und die Bereitschaft, zur Aufklärung beizutragen, gesprochen.

Staatsanwalt und Verteidiger hatten zuvor in ihren Plädoyers jeweils achteinhalb Jahre Haft gefordert. Dabei berücksichtigten sie eine verminderte Schuldfähigkeit der Angeklagten aufgrund einer schweren Persönlichkeitsstörung. Nach Einschätzung eines Gutachters leidet sie an der sogenannten Borderline-Störung. Dies zeige sich bei ihr insbesondere in hochgradig instabilen zwischenmenschlichen Beziehungen, Angst vor Verlusten und dem Verdrängen unangenehmer Tatsachen. Die Angeklagte habe Robins Zustand wahrgenommen, aber nichts unternommen, um ihrem Kind zu helfen.

Der im Alter von zwei Jahren und drei Monaten gestorbene Junge hatte zuletzt mit 8,7 Kilogramm noch zwei Drittel des Normalgewichts von Kindern seines Alters und seiner Größe. Die kleine Trinkflasche, mit der ihn die Mutter allein gelassen hatte, habe gerade mal ein Zehntel des notwendigen Flüssigkeitsbedarfs enthalten.

Der Prozess war am Landgericht Chemnitz neu aufgerollt worden, nachdem der Bundesgerichtshof das Urteil des Landgerichts Zwickau von fünfeinhalb Jahren Freiheitsstrafe wegen Kindesaussetzung aufgehoben hatte.

Ob die Mutter ihre älteren Kinder Lisa und Lukas zurückbekommen wird, könne jetzt nicht beurteilt werden, sagte ihr Anwalt. Notwendig sei, dass sich seine Mandantin einer Behandlung ihrer Borderline-Störung unterziehe. Dies sei im Strafvollzug nicht möglich.

ddp