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Panorama Abitur in Niedersachsen: G 8 gegen G 9
Mehr Welt Panorama Abitur in Niedersachsen: G 8 gegen G 9
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09:32 09.02.2013
Von Saskia Döhner
Der Weg zum x: Mathematiklehrer Matthias Christel von der Elsa-Brändström-Schule. Quelle: Kleinschmidt
Hannover/Hildesheim

Mathematik heißt für die Sechstklässler in der Robert-Bosch-Gesamtschule in Hildesheim auch immer wieder ausprobieren. Mit dem Somawürfel bauen sie Quader und Türme, lernen geometrische Körper aus eigener Anschauung kennen. Aber seitdem die Zeit am Gymnasium in Niedersachsen um ein Jahr verkürzt worden ist, fehlt an vielen Schulen diese Zeit fürs praktische, einprägsame Lernen.

Zeit, die den Gesamtschulen jetzt doch bleibt. Denn - anders als von der CDU/FDP-Koalition geplant - sollen Integrierte Gesamtschulen nicht zum Abitur nach zwölf Jahren (G8) gezwungen werden, sondern dürfen am längeren Weg der 13 Jahre (G9) festhalten. Der Philologenverband findet dies ungerecht. „Wenn schon zurück zu G9, dann für alle“, meint Verbandsvorsitzender Horst Audritz. Besser sei es allerdings, den Gymnasien nach dem überhasteten Einstieg in das G8 ohne Lehrbücher und Lehrpläne jetzt erst einmal Ruhe zu gönnen. Andere Gymnasialleiter haben jedoch kein Problem mit dem Abitur der zwei Geschwindigkeiten an zwei unterschiedlichen Schulformen: „Wahlfreiheit ist doch gut“, sagt Johannes Brockmann, Direktor der Bismarckschule in Hannover. Es gebe eben Schüler, die etwas mehr Zeit brauchten, und andere, die es schneller schafften. „Kinder lassen sich nicht gleichschalten“, betont Brigitte Naber, Vorsitzende des Schulleitungsverbandes.

Um das gestrichene Jahr trauern auch heute noch viele Pädagogen. „Es bleibt weniger Zeit für die Persönlichkeitsbildung“, findet Brockmann: „Da geht ein Stück Kindheit verloren.“ Und auch ein Stück Niveau in den geisteswissenschaftlichen Fächern. Mit 19-Jährigen könne man anders über Themen wie Liebe diskutieren als mit knapp 16-Jährigen. Auch in Mathematik, Physik und Chemie müssen sich immer jüngere Kinder mit immer abstrakteren Inhalten befassen. Negative Zahlen, proportionale und antiproportionale Zuordnung - das klingt für einen Elfjährigen noch sehr fern.

„Was wir früher in Klasse 7 unterrichtet haben, kommt jetzt schon in der 6. Klasse dran“, berichtet Andreas Praetsch, Lehrer an der Tellkampfschule in der hannoverschen Südstadt. Natürlich versuchen auch die Lehrer an den Gymnasien, ihren Stoff so anschaulich wie möglich rüberzubringen. Wie Praetsch, der seine Schüler mit der Frage „Wie viele Zahnärzte gibt es in Deutschland?“ irritiert. Kann man das überhaupt ausrechnen? Steht das nicht sowieso im Internet? Praetsch will seinen Schülern zeigen, dass Rechnen nicht nur Addieren und Einmaleins ist, sondern dass es um Kombinieren und die richtigen Fragen geht. „Wie oft gehe ich zum Zahnarzt? Wie viel Zeit nimmt der sich für mich? Wie viele Menschen leben in Deutschland?"

Auch Matthias Christel, der Mathematik an der hannoverschen Elsa-Brändström-Schule in Hannover unterrichtet, bemüht sich, dass der Weg zur X-Gleichung für seine Siebtklässler nicht zu trocken wird. Auch wenn die Zeit knapp und der Lehrplan voll ist. 32 Pflichtstunden in Klasse 7, 33 in Klasse 8 und 9, 34 Stunden im 10. Jahrgang. Das heißt, schon Zwölfjährige haben an zwei Nachmittagen in der Woche bis 15.30 Uhr oder länger Unterricht. Für Arbeitsgemeinschaften, Musik oder Sport bleibt kein Raum - und oft auch keine Lust mehr. „Es ist anstrengender geworden für die Kinder und Lehrer“, sagt Helma Kaienburg, Leiterin der Tellkampfschule. Als besonders hart erlebt sie den Bruch von der 10. zur 11. Klasse: „Erst sagen wir den Schülern, wo es lang geht, und dann kommt das böse Erwachen. In der 11. sollen die Schüler auf einmal selbstständig entscheiden."

Thomas Seidel-Becker war einmal Anhänger des verkürzten Abiturs. „Ich dachte, die jungen Leute gewinnen ein Jahr“, sagt der Direktor der Elsa-Brändström-Schule. Doch dann habe er gemerkt, dass die Hochschulen und andere Institutionen gar nicht auf die minderjährigen 17-Jährigen vorbereitet waren. Wenn Abiturienten erst einmal ein Jahr jobben, um älter zu werden, sei nichts gewonnen.

Viele Gymnasiallehrer hätten das gestohlene Jahr gern zurück. An den Gesamtschulen ist man froh, es nicht hergeben zu müssen. „G8 passt nicht zu unserem integrativen pädagogischen Konzept“, sagt Henning Rosahl, stellvertretender Leiter der Robert-Bosch-Gesamtschule. So blieben leistungsstärkere und -schwächere Schüler länger im Klassenverband zusammen. Die Atmosphäre sei entspannter. Es bleibt mehr Zeit für außerschulische Projekte - und Experimente mit dem Somawürfel.

G 8 oder doch lieber G 9?

2011 hat der erste Jahrgang in Niedersachsen am Gymnasium das verkürzte Abitur abgelegt. Gesamtschulen hätten sieben Jahre später folgen sollen. So hatte es zumindest die schwarz-gelbe Landesregierung beschlossen und damit einen Sturm der Entrüstung bei den Gesamtschulen ausgelöst. „Schule und Lernen sind mehr als Stoffvermittlung in möglichst kurzer Zeit, mehr als Büffeln für die nächste Klassenarbeit“, sagt Susanne Pavlidis, Vorsitzende des Gesamtschulverbandes und Leiterin der IGS Peine-Vöhrum. Niedersachsen wäre das einzige Bundesland gewesen, das G 8 an Gesamtschulen zur Pflicht gemacht hätte. Mit dem Beschluss der neuen rot-grünen Regierung, dies rückgängig zu machen, zieht Niedersachsen mit den anderen Bundesländern gleich. Auch für die Gymnasien fordern viele Eltern die Rückkehr zu G 9. In vielen Ländern wie Hessen oder Schleswig-Holstein gibt es bereits Wahlmodelle, für die auch niedersächsische Grüne plädieren. Allein in Rheinland-Pfalz ist G 8 bis heute die Ausnahme.

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