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Panorama 9 Monate alter Junge an Cholera gestorben
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15:01 24.09.2010
Der Erste Kreisbeigeordnete Wolfgang Müsse spricht im Landesamt in Bad Homburg auf einer Pressekonferenz über den Cholerafall.
Der Erste Kreisbeigeordnete Wolfgang Müsse spricht im Landesamt in Bad Homburg auf einer Pressekonferenz über den Cholerafall. Quelle: dpa
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Erstmals ist in der Bundesrepublik ein Mensch höchstwahrscheinlich an Cholera gestorben. Es handelt sich um einen einjährigen Jungen aus Hessen, dessen drei Geschwister ebenfalls erkrankt sind. Stuhlproben der Kinder aus Oberursel hätten den Anfangsverdacht bestätigt, teilte das Klinikum Frankfurt Höchst am Freitag mit. Weitere Tests sollen aber folgen. Die Kinder waren erst am Mittwoch mit ihren Eltern aus Pakistan zurückgekehrt und mit starken Beschwerden in das Frankfurter Krankenhaus gebracht worden.

Das jüngste Kind war bereits in der Nacht zum Donnerstag in Frankfurt-Höchst gestorben, den Zustand der anderen drei Kinder bezeichneten die Ärzte als „ausreichend stabil“. Die Geschwister - zwei Jungen und ein Mädchen - sind zwischen zwei und vier Jahren alt.

Falls alle Tests die Diagnose bestätigten, handele es sich um die bislang größte Gruppenerkrankung an Cholera in der Bundesrepublik, sagte Prof. Klaus Stark vom Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin der Nachrichtenagentur dpa. Die Cholera wird nur selten nach Deutschland eingeschleppt. So waren dem RKI seit 2002 - vor den jüngsten Fällen - bundesweit nur zehn Erkrankungen nach Reisen gemeldet worden. Eine weitere Infektion im Jahr 2001 ist vermutlich auf importierte Lebensmittel zurückzuführen. Einen Todesfall hat es seit Einführung der Meldepflicht in Deutschland bislang nicht gegeben.

Die Kinder in Höchst werden nach Angaben der Ärzte unter anderem mit viel Flüssigkeit und Elektrolyten behandelt. „Zur endgültigen Klärung der Todesursache bei dem jüngsten Kind müssen aber die Ergebnisse der Obduktion und weitere mikrobiologische Untersuchungen abgewartet werden“, heißt es in einer Mitteilung des Krankenhauses.

Cholera-Erreger finden sich in verunreinigtem Trinkwasser und lösen starkes Erbrechen sowie reiswasserartigen Durchfall aus. Der Körper verliert unter Umständen bis zu 20 Liter Wasser am Tag. Im Extremfall kann dies innerhalb von kurzer Zeit tödlich enden.

In Niedersachsen wurde in den vergangenen 10 Jahren ein Fall gemeldet (März 2010). Das teilte der Sprecher des Niedersächsischen Gesundheitsministeriums Thomas Spieker am Freitag mit. Es handelte sich um einen 70-jährigen Mann, der aus Indien zurückgekommen war. Dieser sei nach Kenntnisstand des Ministeriums aber nicht an der Ekrankung verstorben. Bundesweit wurden seit 2001 elf Fälle gemeldet.

dpa