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Panorama 78-Jähriger wegen Tötung auf Verlangen verurteilt
Mehr Welt Panorama 78-Jähriger wegen Tötung auf Verlangen verurteilt
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00:15 19.05.2013
Nur selten gelingt es dem Angeklagten (rechts), ein Wort ohne Schluchzen herauszubringen. Verteidiger Matthias Koch spricht von anhaltenden Weinkrämpfen vor Prozessbeginn. Quelle: Pöls
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Stade

Den Ehering trägt der Angeklagte noch immer am Finger. Der 78-Jährige knetet seine Hände, während er auf den Richter wartet. Vor dem Landgericht Stade muss sich der Rentner seit gestern erneut wegen der Tötung seiner damals 53 Jahre alten Frau verantworten. Über dem Verfahren schwebt die Frage: Sehnte die Frau den Tod herbei oder war es Mord? Das Urteil des Landgerichts Verden - zwei Jahre und sechs Monate Haft - hatte der Bundesgerichtshof aufgehoben.

Es geschah im Juni 2009 im Oytener Haus des Ehepaars. Seine Frau schlief entspannt auf dem Sofa - bekleidet, geschminkt und mit angelegtem Schmuck. Der Ehemann setzte ihr den Revolver an den Kopf und drückte ab. Anschließend tötete der Rentner den gemeinsamen Hund und versuchte sich selbst das Leben zu nehmen. So habe er es seiner Frau doch versprochen. Nur der Selbstmordversuch scheiterte. Der Mann verfehlte sein Herz, schoss sich stattdessen in die Milz und überlebte schwer verletzt.

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23 Jahre waren die beiden verheiratet. Wenige Tage vor der Tat habe ihm seine Frau eröffnet, dass sie von starken Unterleibsschmerzen geplagt sei, erklärte der Angeklagte im ersten Verfahren: Erst an jenem Junimorgen sagte ihm die 53-Jährige, dass sie an einem Tumor leide. Im Lauf der Jahre war ein Zwei-Kilogramm-Myom in ihrem Bauch gewachsen. Es war bereits von außen zu ertasten. „Sie wollte aus dem Leben scheiden, die Schmerzen waren nicht mehr zu ertragen“, sagte der 78-Jährige. Es habe sich daraufhin eine längere Diskussion zwischen den beiden entwickelt. Schließlich habe er eingewilligt, ihr den „letzten Wunsch“ zu erfüllen.

Ein Rechtsmediziner stellte bei der Obduktion der Frau den riesigen Gebärmutter-Tumor fest. Offenbar hatte die Frau aber keinen Arzt konsultiert. Wie der Rechtsmediziner ausführte, war der Tumor gutartig und hätte operativ entfernt werden können.

„Dass er für den Tod seiner geliebten Frau verantwortlich ist, bestreitet mein Mandant auch diesmal nicht“, erklärt Verteidiger Matthias Koch. Nur war der Angeklagte am Donnerstag nicht in der Lage selbst zu sprechen. Richter Stefan Tomaczak fragte ihn zu Beginn der Verhandlung: „Familienstand?“ Die Antwort blieb fast im Hals des Mannes stecken. „Verwitwet“, schluchzte er. „In 25 Jahren war es in meiner Berufstätigkeit noch nie so schwierig, jemanden zu einer Einlassung zu bekommen“, meinte der Verteidiger. Der Mann habe immer häufiger Weinkrämpfe bekommen, je näher der Beginn des Prozesses rückte.

Die Staatsanwaltschaft klagt ihn nun erneut wegen Mordes an, den er jedoch im Zustand erheblich verminderter Schuldfähigkeit begangen haben soll. Der 78-Jährige habe damals unter einer hirnorganischen Persönlichkeitsstörung gelitten und sei verzweifelt über seine finanzielle Situation gewesen. Gegen den Wunsch der Frau zu sterben, hätten bereits im ersten Verfahren einige Gründe gesprochen. So habe das Ehepaar an jenem Junitag Handwerker zur Renovierung des Hauses erwartet. Die 53-Jährige surfte in der Nacht zuvor lange im Internet und bearbeitete Bilder von ihrem Garten. Auch war eine gemeinsame Urlaubsreise geplant.

Die Tochter nimmt am Verfahren als Nebenklägerin teil. Anwesend ist sie am Donnerstag nicht. Sie hat Revision gegen das letzte Urteil eingelegt und strebt ebenfalls einen Schuldspruch wegen Mordes an. Tötung auf Verlangen hatte das Landgericht Verden entschieden. Der Bundesgerichtshof kassierte diese Entscheidung. Es seien nicht alle Lebensumstände geprüft worden. Zudem stütze sich der Schuldspruch allein auf die Aussage des Angeklagten.

Ein Urteil wird erst Mitte Juni erwartet. Bis dahin sind insgesamt elf Verhandlungstage angesetzt. Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.

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