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Panorama 45 Tote bei Angriff auf Hochzeitsfest in der Türkei
Mehr Welt Panorama 45 Tote bei Angriff auf Hochzeitsfest in der Türkei
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10:17 05.05.2009
Ein verletztes Kind wird behandelt – bei dem Anschlag auf das Hochzeitsfest im türkischen Dorf Bilge starben mindestens 45 Menschen. Quelle: afp
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Das sagte der türkische Innenminister Besir Atalay in Ankara. Er schloss einen Terrorangriff aus; die Hintergründe der Tat waren zunächst unklar.

Augenzeugen des Massakers berichteten der Nachrichtenagentur AFP, dass vier maskierte Männer das Feuer auf die Hochzeitsgesellschaft eröffnet hätten. Sie seien mit Handgranaten bewaffnet aus unterschiedlichen Richtungen auf den Dorfplatz gestürmt, auf dem eine religiöse Zeremonie für das Hochzeitspaar abgehalten worden sei. Anschließend seien die Angreifer in einige Häuser eingedrungen und hätten dort weiter geschossen.

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Ein örtlicher Beamte sagte unter Berufung auf die Aussage einer 19-jährigen Überlebenden, dass die Männer dann vor allem Frauen und Kinder in einen Raum gedrängt und diese dort mit einem Kugelhagel überzogen hätten. Nach Angaben von Sicherheitskräften sind hauptsächlich Frauen und Kinder unter den Todesopfern. Dorfbewohner vermuteten einen Streit zwischen Familien oder eine Blutfehde als Hintergrund der Tat.

Soldaten sperrten Bilge ab und fahndeten nach den Angreifern, die nach dem Blutbad entkommen konnten. In Krankenwagen wurden die Leichen und Verletzten in die nahegelegene Provinzhauptstadt Mardin gebracht. Fernsehbilder zeigten vor dem dortigen Krankenhaus verzweifelte Angehörige. Nach Angaben von Innenminister Besir Atalay wollte Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan am Dienstag an den Unglücksort reisen.

Zunächst war unklar, wer hinter der Bluttat stand. In der Gegend sind kurdische Rebellengruppen aktiv, außerdem kommt es immer wieder zu Blutfehden zwischen verfeindeten Familien. Zahlreiche Männer in Bilge gehören einer Miliz an, die von der Regierung im Kampf gegen die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) unterstützt wird. Nach Angaben der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu gehören alle Einwohner des Dorfes demselben Clan an. Die PKK kämpft seit rund 24 Jahren gegen den türkischen Staat und hat in der Vergangenheit auch Angriffe auf nicht-kooperationsbereite Zivilisten verübt.

afp