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Panorama 176 Menschen sterben bei Gewaltwelle in Sao Paulo
Mehr Welt Panorama 176 Menschen sterben bei Gewaltwelle in Sao Paulo
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13:24 23.11.2012
Innerhalb des letzten Monats sind in Sao Paulo 176 Menschen getötet worden. Quelle: dpa
São Paulo

Die Täter sind meist zu zweit und kommen auf dem Motorrad. Ihre Opfer stehen feiernd in kleinen Eck-Bars mit eiskaltem Bier in der Hand oder gesellig auf dem Bürgersteig vor einem qualmenden selbst gebastelten Grill. Es fallen Schüsse aus Pistolen oder Schrotflinten. Zurück bleiben Tote und Verletzte. Die Täter rasen unerkannt davon. 176 Menschen wurden vorigen Monat in São Paulo ermordet - mehr als doppelt so viele wie im Oktober 2011.

Die brasilianische Stadt, die am Wochenende das letzte Formel-1-Saisonrennen ausrichtet und in rund anderthalb Jahren die Fußball-WM 2014 eröffnet, kämpft seit Monaten gegen die ausufernde Gewalt. In dieser Woche trat der Sicherheitsminister zurück. Selbst ein Pakt zwischen Bundesstaat und Zentralregierung konnte den Attentaten bislang keinen Einhalt gebieten, denen 2012 schon über 90 Polizisten zum Opfer fielen.

Die Ursachenforschung ist komplex. Bei den Opfern handelt es sich nach Medienberichten oft um Kriminelle, die ihre Rechnung bei den Drogengangs nicht bezahlten. Die Täter stehen vielfach ebenfalls in der Schuld der Drogenbosse und werden mitunter zu den Anschlägen gedrängt.

Viele Beobachter sehen einen Krieg zwischen der Kriminellen-Bande „Primeiro Comando da Capital“ (PCC) und der Polizei im Gange, der am 28. Mai begann. Damals erschoss die Elitetruppe «Rota» der Militarisierten Polizei (PM) in einer Favela im Osten der Stadt sechs Verdächtige.

„Diese Aktion der Rota war die Zündschnur für diese Gewaltwelle“, vermutet Staatsanwalt Marcelo Alexandre Oliveira. Im Juni wurden elf Polizisten erschossen. „Selbst unsere Großväter wissen: Gewalt erzeugt Gewalt. Diese Aktionen der PM, bei denen Banditen sterben, tragen dazu bei, dass diese Banden Rache befehlen“, sagte der in Guarulhos im Großraum São Paulos tätige Jurist kürzlich in einem Interview. Polizei und Regierung orten die Drahtzieher in den Gefängnissen, von wo aus die Order zum Töten komme. „Zwei für einen“ lautet die brutale Devise der Banden: ein totes Mitglied - zwei tote Polizisten.

Wie die Stadt, die mit Randbezirken rund 20 Millionen Einwohner und damit mehr als ganz Nordrhein-Westfalen zählt, die Gewalt in den Griff bekommen will, ist ungewiss. Der Formel-1-Zirkus dürfte eher wenig von der angespannten Lage mitbekommen. „Sicherheitsmaßnahmen für São Paulo? Wir haben das Rennen in Texas (Großer Preis von Austin am vergangenen Sonntag) genutzt und Gewehre und Munition gekauft, deshalb sind wir gelassen“, sagte der Pressesprecher vom Rennteam Lotus, Andy Stobart, im scherzhaften Ton auf Fragen brasilianischer Journalisten.

Allerdings sagte Stobart dann ernsthaft, dass für Lotus die üblichen Sicherheitsvorschriften gelten. Die McLaren-Fahrer Jenson Button und Lewis Hamilton fahren ohnedies nur in gepanzerten Wagen und mit Polizeieskorte zur Rennstrecke.

dpa

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