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Panorama 15-jähriger gesteht versuchten Mord an Kassandra
Mehr Welt Panorama 15-jähriger gesteht versuchten Mord an Kassandra
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15:05 07.04.2010
Der Prozess gegen den 15-jährigen Förderschüler wegen versuchten Mordes hat am Mittwoch streng abgeschirmt von der Öffentlichkeit im Wuppertaler Landgericht begonnen.
Der Prozess gegen den 15-jährigen Förderschüler wegen versuchten Mordes hat am Mittwoch streng abgeschirmt von der Öffentlichkeit im Wuppertaler Landgericht begonnen. Quelle: dpa
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Er soll die kleine Kassandra mit einem Stein halbtot geschlagen und zum Sterben in einen Kanalschacht geworfen haben: Der Prozess gegen den 15-jährigen Förderschüler wegen versuchten Mordes hat am Mittwoch streng abgeschirmt von der Öffentlichkeit im Wuppertaler Landgericht begonnen. Der Angeklagte legte dabei nach Aussagen seiner Anwältin ein Geständnis ab und ersparte dem Opfer die Aussage. "Ich denke, er ist erleichtert, dass er ein Geständnis abgelegt hat“, sagte Anwältin Astrid Denecke.

Dem Jungen wird vorgeworfen, im September 2009 der neunjährigen Kassandra in Velbert bei Essen zweimal mit einem Stein ins Gesicht geschlagen zu haben. Anschließend soll er das lebensgefährlich verletzte Mädchen in Tötungsabsicht in einen Kanalschacht gestoßen und den rund 30 Kilogramm schweren Deckel über das Loch gezogen haben. Nach einem siebenstündigen Martyrium war das durchnässte und unterkühlte Kind in der Nacht von einem Spürhund gefunden worden. Das Mädchen lag anschließend tagelang in einem künstlichen Koma.

Der Angeklagte und seine Eltern wurden bei ihrer Ankunft am Landgericht hinter Sichtschutzplanen versteckt. Die Öffentlichkeit ist von dem Verfahren komplett ausgeschlossen, weil der Angeklagte noch minderjährig ist. Zum Auftakt verlas der Vorsitzende Richter Ralph von Bargen nach Angaben der Staatsanwaltschaft die Anklageschrift. Anschließend sollten erste Zeugen gehört werden.

Das Motiv der Tat ist völlig unklar. Spuren eines Sexualverbrechens fanden sich den Ermittlern zufolge nicht. Obwohl es keine direkten Zeugen der Tat gegeben habe, sei aber die Beweislage „sehr gut“, sagte Staatsanwalt Ihl vor Beginn des Prozesses. Ermittler hätten DNA- und Faserspuren gefunden und es gebe Zeugenaussagen „rund um das Tatgeschehen“. „Es gibt objektive Spuren, die die Täterschaft belegen können“, sagte der Ankläger. Der angeklagte Junge habe sich bislang zur Tat selbst nicht geäußert.

Der damals 14-Jährige war rund drei Wochen nach dem Angriff auf das Mädchen festgenommen worden. Was genau Kassandra erleiden musste, ist noch unklar. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll der Junge Kassandra innerhalb einer halben Stunde zweimal attackiert haben.

Die Grundschülerin hatte am 14. September 2009 wie immer in Velbert-Neviges in einem betreuten Spieltreff in der Nähe ihres Elternhauses gespielt. Als der Hort am Abend schloss, traf Kassandra dort auf ihren Peiniger. Nach Angaben Ihls schlug der Täter dem Kind zunächst einen Stein ins Gesicht. Dann ließ er das verletzte Mädchen am Boden liegen und entfernte sich vermutlich vom Tatort. Nach einer halben Stunde sei er wieder zurückgekehrt, habe Kassandra noch einmal mit dem Stein geschlagen und dann in den Kanalschacht gestopft.

Der angeklagte Jugendliche kannte Kassandra. Er hatte nach Polizeiangaben Hausverbot in dem Spieltreff, weil er schon früher kleinere Kinder tyrannisiert und sich oft geprügelt haben soll.

dpa