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Panorama 13-Jährige schildert tödliche S-Bahn-Attacke auf Geschäftsmann
Mehr Welt Panorama 13-Jährige schildert tödliche S-Bahn-Attacke auf Geschäftsmann
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17:48 19.09.2009
Am S-Bahnhof gedenkt eine Frau dem durch Jugendliche totgeprügelten Dominik Brunnner gedenkt. Quelle: ddp (Archiv)
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Die Täter seien „mit geballten Fäusten auf unseren Beschützer losgegangen“, sagte die 13 Jahre alte Sarah der Münchner „Abendzeitung“. „Er rief uns noch zu: ’Haltet Euch raus!’“ Als er einen der Jugendlichen dann mit einem Schlag empfangen habe, sei dieser „total ausgetickt“.

Einer der beiden Angreifer habe mit einem Schlüsselbund in der Hand auf Brunner eingeschlagen. Als der 50-Jährige am Boden gelegen habe, habe der Haupttäter mehrfach mit voller Wucht gegen dessen Kopf getreten.

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„Wir haben ’Helft uns!’ geschrien, aber die Leute sind vorbeigegangen“, schilderte Sarah weiter. „Nur am anderen Bahnsteig haben welche ’Aufhören!’ rübergeschrien.“ Nachdem die Jugendlichen endlich geflüchtet seien, sei Brunner noch einmal aufgestanden und habe etwas gemurmelt, was sie aber nicht verstanden habe. Dann sei er zusammengebrochen. „Er hat für uns sein Leben gegeben. Ich danke ihm so sehr, dass er uns alle vier beschützt hat“, sagte die Realschülerin.

Die schrecklichen Bilder vom S-Bahnhof Solln verfolgen die 13-Jährige bis in den Schlaf: „Ich wache dauernd auf, ich höre Stimmen. In meinem Zimmer schleicht ein Mann rum.“

Sarah war das jüngste der vier Kinder, die von den beiden jungen Männern in der S-Bahn bedroht worden waren. Das Mädchen war mit einer 14-jährigen Freundin und zwei 14 und 15 Jahre alten Buben, die sie im Internet kennengelernt hatten, auf dem Weg zum Bowlen. Als die Angreifer versuchten, die Kinder auszurauben, mischte sich Brunner ein. „Er bot uns an, mit ihm weiter bis nach Solln zu fahren und dort mit ihm auszusteigen, damit uns nichts passiert“, sagte Sarah. Die Schläger verfolgten die Gruppe und griffen den 50-Jährigen an. Er wurde mit 22 Fußtritten und Faustschlägen auf Kopf und Oberkörper malträtiert. Wenig später erlag er im Krankenhaus seinen Verletzungen.

Die Polizei fasste die beiden 18 und 17 Jahre alten Schläger in unmittelbarer Nähe des Tatorts. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Mordes.

Entgegen der Darstellung der 13-Jährigen hat die Münchner Staatsanwaltschaft bisher offenbar keine Hinweise auf unterlassene Hilfeleistung durch Zeugen. Staatsanwalt Laurent Lafleur bezeichnete die Darstellung, 15 Passanten hätten tatenlos zugesehen, als „schlichtweg falsch“.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft haben offenbar alle Menschen, die auf dem Bahnsteig Zeugen der Attacke wurden, in irgendeiner Form reagiert. Innerhalb von Sekunden seien mehrere Notrufe bei der Polizei eingegangen. Ein junger Mann sei vom gegenüberliegenden Bahnsteig sogar auf die Gleise gesprungen, um bei der Schlägerei einzugreifen. Wegen einer einfahrenden S-Bahn habe er jedoch zurück gemusst. Ein älterer Herr und eine Arzthelferin hätten ebenso Erste Hilfe geleistet wie ein Gymnasiast. Andere Zeugen hätten die Täter immer wieder aufgefordert, von Brunner abzulassen.

Laut einem „Focus“-Bericht hatte einer der beiden Jugendlichen etwa zwei Monate vor der tödlichen Prügel-Attacke im Internet gedroht, eine Polizeiwache in die Luft zu jagen: Er wolle „ein Bullenrevier“ sprengen, „natürlich voll besetzt“, um sich für die Festnahme seines Bruders zu rächen. Dieser sitzt den Angaben zufolge wegen Drogenhandels in Haft.

ddp

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