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Panorama 1,54 Promille am Steuer: 
Käßmann gerät unter Druck
Mehr Welt Panorama 1,54 Promille am Steuer: 
Käßmann gerät unter Druck
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23:28 23.02.2010
„Ich bin über mich selbst erschrocken“: Margot Käßmann. Quelle: ap
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Die Vorsitzende der EKD-Synode, Karin Göring-Eckhardt, sagte, die Kirche brauche Käßmann. Sie persönlich schätze wie viele andere auch die Arbeit Käßmanns „außerordentlich“. Konservative Protestanten legten der Bischöfin indes den Rücktritt als EKD-Ratsvorsitzende nahe.

Käßmann war am Steuer ihres Dienstwagens, einem VW Phaeton, am Sonnabendabend gegen 23 Uhr nach dem Überfahren einer roten Ampel an der Kreuzung Friedrichswall und Willy-Brandt-Allee in Hannover von zwei Polizeibeamten gestoppt worden. Eine spätere Blutkontrolle ergab einen Wert von 1,54 Promille Alkohol. Nach Informationen dieser Zeitung saß sie nicht alleine im Auto.

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Sie bedauere die Fahrt zutiefst, erklärte Käßmann, die nach Informationen aus ihrem Umfeld privat in Hannovers Innenstadt unterwegs war und ein Kino besucht haben soll. „Ich bin über mich selbst erschrocken, dass ich einen so schlimmen Fehler gemacht habe“, ließ die 51-Jährige über die EKD mitteilen. „Mir ist bewusst, wie gefährlich und unverantwortlich Alkohol am Steuer ist. Den rechtlichen Konsequenzen werde ich mich selbstverständlich stellen.“ Im Strafverfahren muss sich die Bischöfin auf einen einjährigen Führerscheinentzug und eine Geldstrafe von einem Monatsgehalt einstellen.

Erste Stellungnahmen von Bischöfen waren sehr verhalten. Braunschweigs Landesbischof Friedrich Weber sagte dieser Zeitung, die Lage sei sowohl für die hannoversche Landeskirche als auch für die EKD schwierig. „Aber für die Bischöfin Käßmann sollten die gleichen Maßstäbe gelten wie für jeden anderen auch: Weder Häme noch Beschönigung sind am Platz, was jetzt nottut, sind Fairness der Öffentlichkeit und Offenheit in der Sache. Wir Protestanten haben gelernt, zwischen der Person und der Tat zu unterscheiden“, sagte Weber, der Vorsitzende der Konföderation Evangelischer Kirchen in Niedersachsen. Auf die Frage, ob Käßmann jetzt den Vorsitz im Rat der EKD abgeben müsste, antwortete Weber: „Das muss der Rat der EKD mit ihr diskutieren, die Situation ist singulär.“

Der Vorsitzende der konservativen protestantischen Konferenz Bekennender Gemeinschaften, Ulrich Rüß, legte Käßmann einen Rücktritt nahe. Käßmann sei „sensibel genug“, die entsprechenden Konsequenzen selbst zu ziehen, sagte Rüß der „Leipziger Volkszeitung“. Demgegenüber wies Bayerns früherer Ministerpräsident und Vizevorsitzender der EKD-Synode, Günther Beckstein (CSU), Rücktrittsforderungen zurück. „Bischöfin Käßmann hat sicher einen Fehler begangen, sie hätte einen Chauffeur oder ein Taxi nehmen sollen.“

Käßmann war Ende Oktober als erste Frau an die Spitze der EKD gewählt worden. Käßmanns bisherige Amtszeit war bestimmt von einer heftigen Kontroverse um ihre Kritik am Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr.

Michael B. Berger
Tobias Morchner