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Welt Pflege-TÜV – Die Richtung stimmt schon einmal
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04:44 20.11.2018
Es ist nicht leicht, ein gutes Pflegeheim zu finden. 2019 soll ein neuer „Pflege-TÜV“ die untauglichen Pflegenoten ablösen Quelle: dpa
Berlin

Die Idee war vernünftig, die Umsetzung nicht. Mit wenigen Klicks im Internet herausfinden, ob ein Pflegeheim oder ein ambulanter Pflegedienst seine Arbeit gut macht – das war der Plan, als vor zehn Jahren die damalige große Koalition ein Bewertungsverfahren einführte. Doch die neuen Pflegenoten erwiesen sich schnell als untauglich. Während der Medizinische Dienst der Krankenkassen regelmäßig Missstände in der Pflege anprangerte, zeigten die Pflegenoten eine heile Welt. Der bundesweite Durchschnitt pendelte sich bei einem unrealistisch guten Wert von 1,2 ein.

Bereits kurz nach der Einführung des Pflege-TÜVs war zu erkennen, dass das Bewertungssystem nicht funktioniert. Den Verbänden der Pflegeheime und der ambulanten Dienste, die über die Gestaltung der Noten mit entscheiden durften, war es gelungen, allzu forsche Forderungen nach Transparenz abzuwehren. Unabhängige Wissenschaftler und die Krankenkassen wunderten sich nicht. Bei der Trockenlegung der Sümpfe dürfe man schließlich nicht die Frösche fragen, so wurde damals gespottet. Doch es wurde nichts getan, um den Prozess irgendwie in die richtige Bahn zu lenken.

Abwarten und aussitzen

In dem bisherigen System können Pflegeeinrichtungen auch dann eine gute Gesamtnote bekommen, wenn sie in Kernbereichen der Pflege schlechte Qualität bieten, etwa bei der Versorgung der Pflegebedürftigen mit Flüssigkeit und Nahrung oder bei der Verhinderung des Wundliegens. Das ist möglich, weil die schlechten Einzelnoten durch gute Bewertungen in weniger wichtigen Bereichen („Gibt es im Pflegeheim jahreszeitliche Feste?“) ausgeglichen werden können.

Es passierte – nichts. Erst 2014 redete der Pflegebeauftragte der Regierung, Karl Josef Laumann (CDU), Klartext und machte sich für einen sofortigen Stopp des Systems und eine Reform stark. Doch er lief gegen eine Wand. Die Devise aller Beteiligten hieß: abwarten, aussitzen, handeln erst, wenn es gar nicht anders geht. Ein übliches Verhalten in der Pflege.

So geschehen auch bei der Einführung eines neuen Pflegebegriffs, der Rücksicht auf die Bedürfnisse von Demenzkranken nimmt. Drei Regierungen verschleppten die Reform, ehe sie erst 2017 in Kraft gesetzt wurde. Seit Jahren wird auch über die Notwendigkeit diskutiert, die Bezahlung der Pflegekräfte zu verbessern, auch um den Personalmangel in der Pflege zu mildern. Bis heute – keine Lösung.

Und seit Jahren weisen Experten daraufhin, dass internationale Großkonzerne und Finanz- und Immobilieninvestoren den deutschen Pflegemarkt für sich entdeckt haben. Sie trimmen übernommene Einrichtungen auf Rendite und verkaufen sie wenig später mit satten Gewinnen – zu Lasten der Pflegebedürftigen und der Mitarbeiter. Rezepte? Keine.

Gravierende Fehler

Beim Pflege-TÜV liegt nun wenigstens eine wissenschaftliche Expertise vor. Die Richtung stimmt, denn das neue Bewertungssystem konzentriert sich auf wesentlichen Indikatoren, die zeigen, wie ein Mensch tatsächlich betreut und gepflegt wird. Auf die Vergabe einer einzigen Note wird zu Recht verzichtet, schließlich wird eine derartig knappe Darstellung dem komplexen Thema Pflegequalität nicht gerecht.

Ein gravierender Fehler ist allerdings, dass eine anschauliche Aufbereitung und klare Zusammenfassung der Informationen fehlt. Wer ein geeignetes Pflegeheim sucht, soll sich künftig durch einen 26-seitigen (!) Bericht wühlen. Doch für viele Menschen dürften die ausgewählten Pflege-Aspekte nur schwer verständlich sein. Sie benötigen einige wenige empfehlende oder warnende Aussagen, wie sie längst bei Bewertungsportalen im Internet üblich sind: Daumen hoch, Daumen runter. Dabei sollten bestimmte Punkte als K.O.-Kriterien ausgewählt werden: Wenn die Wundversorgung nicht klappt oder die Ernährung mangelhaft ist, darf der Daumen nur nach unten zeigen.

Das Gutachten soll nun Grundlage für die geplante Reform sein, die für 2019 vorgesehen ist. Doch im zuständigen Gremium sitzen erneut auch die Frösche mit am Tisch. Nach zehnjähriger Diskussion ist es an der Zeit, dass der Gesetzgeber die Sache in die Hand nimmt und klare Vorgaben macht.

Von Timot Szent-Ivanyi/RND

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