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Welt Kritik an Bundeswehr wächst
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20:43 20.09.2018
Meppen: Der Qualm des Moorbrandes zieht über ein Feld. Quelle: Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa
Hannover

Der durch Raketentests der Bundeswehr ausgelöste großflächige Moorbrand in Niedersachsen beschäftigt nun auch die Justiz. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück hat ein Ermittlungsverfahren gegen unbekannt eingeleitet. „Da kommen Branddelikte in Betracht, insbesondere die Brandstiftung, und möglicherweise auch Umweltdelikte, wenn besonders geschützte Gebiete wie Naturschutzgebiete betroffen sind“, sagte Sprecher Alexander Retemeyer. Auch mehrere Strafanzeigen sind derweil bei der Staatsanwaltschaft eingegangen. Unterdessen warnten Lungenärzte vor einer erheblichen Belastung durch Feinstaubpartikel, die vor allem für Asthmatiker ein „echtes Problem“ darstellen könnten.

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) beschwerte sich massiv über die Informationspolitik der Bundeswehr, die das Land über den Brand auf dem Schießgelände zunächst überhaupt nicht informiert hatte: „Die Informationspolitik der Bundeswehr ist nicht nachvollziehbar“, sagte Pistorius, der sich am Donnerstag wie der aus Berlin eingeflogene Verteidigungs-Staatssekretär Gerd Hoofe über die Lage vor Ort informierte. Hoofe entschuldigte sich bei der Bevölkerung für die Belastungen, die der Brand und die Löscharbeiten mit sich brächten.

Bundeswehr will Vorfall aufarbeiten

Auf dem für die Öffentlichkeit gesperrten Gebiet bei Meppen brennt es seit Anfang September, nachdem von einem Bundeswehr-Hubschrauber Raketen abgefeuert wurden. Eine Fläche mit der Größe von mehr als 1000 Fußballfeldern ist betroffen. In Teilen des Gebietes sei der Brand inzwischen eingedämmt, in anderen nicht, sagte ein Bundeswehrsprecher. Insgesamt sei das Feuer unter Kontrolle. „Der Brand kann sich nicht weiter ausbreiten.“

Die Rauchwolke hatte sich zwischenzeitlich über weite Teile Norddeutschlands ausgebreitet. Wie das Umweltministerium mitteilte, wurden vorübergehend höhere Feinstaubwerte an den Messstationen Südoldenburg und Oldenburg gemessen, Grenzwerte seien aber nicht überschritten worden.

„Nach den Messungen des ABC-Zuges Landkreis Leer ist derzeit keine annähernde Gesundheitsgefährdung der Bevölkerung vorhanden“, sagte Staatssekretär Hoofe der HAZ. Ärzte widersprachen dieser Aussage allerdings. „Die Rauchwolke führt zu einer massiven Feinstaubbelastung und ist eine Gefahr für die Gesundheit“, sagte der Sprecher des Bundesverbandes der Pneumologen, Schlaf- und Beatmungsmediziner der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

Hoofe kündigte an, dass man sehr genau aufarbeiten werde, wie es zu dem Unglück kam und wer verantwortlich sei. Auch die CDU-Fraktion im niedersächsischen Landtag verlangte umfassende Aufklärung. „Warum ist bei der extremen Trockenheit überhaupt mit Raketen geübt worden?“, fragte Fraktionschef Dirk Toepffer. Die Grünen haben Strafanzeigen eingereicht.

Am Donnerstag waren rund 1000 Kräfte der Bundeswehr, des Technischen Hilfswerkes, ziviler Feuerwehren und der Polizei im Einsatz. Jetzt sollen noch Pioniere dazukommen, die mit Hochleistungspumpen und Pipelines den Moorbrand ersticken sollen.

Von Michael B. Berger

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