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Medien kino.to-Chef kassierte 6,6 Millionen
Mehr Welt Medien kino.to-Chef kassierte 6,6 Millionen
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21:58 08.05.2012
Großes Medieninteresse vor Verhandlungsbeginn: kino.to-Erfinder Dirk B. vor Gericht. Quelle: dpa
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Leipzig

Er soll von allen kino.to-Machern am meisten profitiert und über Werbeanzeigen mehr als 6,6 Millionen Euro kassiert haben.

Der Angeklagte schwieg gestern zu den Vorwürfen. Der Angeklagte wirkte, als hätte er nur auf diesen Auftritt gewartet: Am Dienstag kurz nach neun Uhr öffnet sich eine Seitentür zum großen Verhandlungssaal am Landgericht Leipzig. Ein Vollzugsbeamter hält die Tür auf und Dirk B. betritt den Saal. Ein Schritt nur, dann bleibt er stehen und lächelt in die Runde – ganz unvermummt. So als wolle er sagen: Hier bin ich, der Inhaber von kino.to.

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Bereits im Jahr 2000 hatte er sich sein erstes Portal „Dirks Homepage – musst Du sehen“ gebastelt. Dort bot er Musik an – gratis. Zwei Jahre später ging seine „Saugstube“ ans Netz. Bereits damals offerierte er illegal internationale Kinofilme. Das Amtsgericht Leipzig bedachte ihn für Urheberrechtsverletzungen im Juni 2004 mit einer Geldstrafe von 3900 Euro. Dirk B. hätte kapieren können, dass er Illegales tut, doch wichtiger war für ihn wohl die Erkenntnis, dass seine Idee funktioniert. Sein Unternehmerehrgeiz war entfacht.

Schon 2006 erwarb er im für die deutsche Justiz fast unerreichbaren Inselparadies Tonga die Internetadresse kino.to. Sukzessive scharte er ein paar alte Bekannte um sich, die die neue Website entwickelten. Offiziell hat der gelernte Bodenleger das Portal dann laut Anklage 2008 gegründet und professionell betrieben. Im Jahr 2011 sperrten die Behörden die Webseite, über die mehr als 13. 000 illegale Kopien von Kinofilmen, Serien und Dokumentationen erreichbar waren. Mit einem „parasitären Geschäftsmodell“ habe der Leipziger mit Kino.to ein völlig neues Medium neben Fernsehen und Kino geschaffen, sagte Staatsanwalt Dieter Blum.

Laut Anklage soll er zusammen mit weiteren Drahtziehern täglich bis zu 3000 neue Links zu illegal kopierten Filmen und Serien in das Portal eingestellt haben. Auf diese Weise machten sie Kino.to zu einer der meistgeklickten Webseiten mit bis zu vier Millionen Besuchern am Tag. Als der Druck der Behörden auf das illegale Portal zunahm, verlegte die Gruppe den Standort der Server von den Niederlanden nach Russland. Um einer dortigen Strafverfolgung vorzubeugen, untersagte der Kino.to-Chef jedoch, russische Filme zu verlinken.

Geld verdiente die Gruppe über Werbeanzeigen, die auf der Seite geschaltet wurden. Mehr als 6,6 Millionen Euro sollen zwischen März 2008 und Juni 2011 zusammengekommen sein. Rund 1,6 Millionen Euro zahlte der Angeklagte laut Generalstaatsanwaltschaft an seine Mitarbeiter. Was mit dem übrigen Geld geschehen ist, konnte demnach noch nicht vollständig ermittelt werden. Der Anwalt des Angeklagten sagte, der Leipziger habe sich unter anderem ein Leben auf Mallorca finanziert. Über ein spanisches Konto verwaltete er auch die Einnahmen.

Andreas Friedrich mit dpa

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