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Medien „Zurück ans Meer“: Wenn die Vergangenheit einen einholt
Mehr Welt Medien „Zurück ans Meer“: Wenn die Vergangenheit einen einholt
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16:24 30.09.2021
Charlotte (Hannelore Hoger, l.) spricht mit Rechtsanwalt Johansen (Morten Sasse Suurballe), dahinter sieht ihre Tochter Mara (Nina Hoger) zu.
Charlotte (Hannelore Hoger, l.) spricht mit Rechtsanwalt Johansen (Morten Sasse Suurballe), dahinter sieht ihre Tochter Mara (Nina Hoger) zu. Quelle: Marion von Der Mehden/ZDF/dpa
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Unglaubliche 24 Jahre lang ist sie Hamburger Kommissarin Bella Block gewesen. Nun nach vier Jahren Pause ermittelt sie wieder: die große Schauspielerin Hannelore Hoger. In dem ZDF-Fernsehfilm „Zurück ans Meer“, dessen Drehbuch von dem langjährigem Bella-Block-Autor Fabian Thaesler stammt, spielt sie die Buchhändlerin Charlotte Breuer. Ihre Tochter Mara, gespielt von Hannelore Hogers wirklicher Tochter Nina Hoger, ist vor 22 Jahren während eines Dänemark-Urlaubs entführt worden und leidet immer noch unter den Folgen dieses Verbrechens. Sie ist völlig verschlossen, offenbar schwer depressiv, hat regelmäßig Panikattacken und die Umstände dieser Tat völlig verdrängt. Nun versuchen es Mutter und Tochter noch einmal mit einer Therapie in einem Sanatorium an der Ostsee. Aber auch die Therapieversuche der dort für Mara zuständigen Ärztin, Dr. Sahling (Christina Große), drohen wieder einmal zu scheitern, da sie nicht über das Verbrechen sprechen will.

Doch ein großer Zufall, den es so wohl nur in Filmen gibt, ändert schlagartig alles. Bei einem Ausflug läuft Charlotte ein dänischer Bauunternehmer über den Weg und sie hört ihn sprechen – mit einer Stimme, die sie seit 22 Jahren einfach nicht vergessen kann. Es ist die Stimme von Maras Entführer, der sie damals dreimal angerufen hat, um Lösegeld zu erpressen. Und sie ist sich da absolut sicher, kann aber juristisch nichts unternehmen. Nach über 20 Jahren ist die Tat verjährt. Aber damit gibt sich eine Frau wie Charlotte nicht zufrieden.

Ermittlungen werden zum Kampf gegen Windmühlen

Sie reist kurz entschlossen mit ihrem putzigen Kleinwagen – nein, nicht Bellas alter VW-Käfer – nach Kopenhagen, wo der millionenschwere Bauunternehmer lebt. Und beginnt auf eigene Faust zu ermitteln. Gewohnt stur, manchmal etwas störrisch und notfalls außerhalb der Legalität. Eben genauso wie man es einst auch von Bella Block gewohnt gewesen ist. Das könnte natürlich kaum eine Frau besser spielen als Hannelore Hoger und unter der bewährten Regie von Markus Imboden, mit dem sie schon mehrfach zusammengearbeitet hat.

Doch ihre Ermittlungen, ihr verzweifelter Kampf um Gerechtigkeit für ihre Tochter werden zu einem Kampf gegen Windmühlen, da der Polizei und dem von ihr eingeschalteten dänischen Anwalt wegen der Verjährung die Hände gebunden sind. Außerdem spricht tatsächlich fast alles gegen eine Schuld des Unternehmers. Aber Charlotte lässt einfach nicht locker, stellt dabei die unglaublichsten Dinge an, landet sogar zwischendurch deswegen im polizeilichen Gewahrsam. Und gefährdet sogar durch ihre sture Hartnäckigkeit, die manchmal an Altersstarrsinn grenzt, die Beziehung zu ihrer Tochter. Denn Mara will die an die damaligen Geschehnisse nicht erinnert werden. Und durch das Vorgehen ihrer Mutter verschlechtert sich dann auch ihr gesundheit­licher Zustand.

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Kein spannender Krimi, aber aufregendes Drama

So entwickelt sich zwar kein spannender Krimi, aber ein umso aufregenderes (und gleich im doppelten Sinne) Mutter-Tochter-Drama, das von den beiden Hauptdarstellerinnen überzeugend gespielt wird. Sehr gut ergänzt werden sie von zwei bekannten Dänen, die man aus Krimiserien ihres Landes („Der Adler – Die Spur des Verbrechens“, „Kommissarin Lund“, „Die Brücke“) kennt: Jens Albinus, der den scheinbar unangreifbaren Unternehmer spielt. Und Morten Sasse Suurballe, der den schlaksigen und stets ein wenig ironischen Anwalt von Charlotte verkörpert.

Dabei bleibt die Geschichte unterhaltsam und zeigt gleichzeitig eindrucksvoll: Eine starke Frau wie Charlotte lässt sich – zumindest im Fernsehen – halt nicht unterkriegen.

„Zurück zum Meer“ läuft am 4. Oktober um 20.15 Uhr im ZDF und ist bereits in der ZDF-Mediathek abrufbar.

Von Ernst Corinth/RND

Der Artikel "„Zurück ans Meer“: Wenn die Vergangenheit einen einholt" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.