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Medien ZDF sucht Nachwuchspolitiker per Casting
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10:44 18.06.2009
Von Dirk Schmaler

Die Sendeverantwortlichen des ZDF mussten in den vergangenen Monaten eine neue Erfahrung machen. Als der Sender im Berliner Politikbetrieb rundfragen ließ, ob Spitzenpolitiker bereit wären, zur besten Sendezeit in einer großen ZDF-Fernsehshow, in der es um Politik und junge Leute geht, neben Sympathieträger Günther Jauch aufzutreten, war die Ablehnung erstaunlich groß: „Kennen wir nicht, mögen wir nicht, wollen wir nicht“, sei die häufigste Antwort gewesen, ließ Jauch empört wissen.

Die Show, die auf so viel politische Skepsis stößt, ist ein Experiment, der einem kalkulierten Stilbruch nachkommt. Schon der Titel macht das deutlich: „Ich kann Kanzler“. Unter 1800 Bewerbern will das öffentlich-rechtliche Fernsehen am Freitag einen neuen, jungen Politstar finden. Nicht per Wahl, sondern per Telefonabstimmung. Das eher unpolitische Konzept ist der TV-Suche nach Superstars, Topmodels und Supertalenten nachempfunden - nur dass diesmal geredet nur wird.

Zuvor musste eine Jury aus Schauspielerin Anke Engelke, Altpolitiker Henning Scherf und Moderator Günther Jauch im ehemaligen Plenarsaal des Bundestags in Bonn schon eine Vorauswahl getroffen. Sie machen den Bohlen. 45 Sekunden Zeit hatten die Politikanwärter, um ihnen ihre Idee für Deutschland darzulegen. Es geht um Rhetorik, schlaue Sprüche und originelle Ideen. Engelke zeigte sich beeindruckt: „Zehn Prozent werden wir auf einem Plakat wiedersehen.“ Dabei sind die meisten Anwärter bereits in Parteien aktiv. Von Jungliberalen bis zu jungen Grünen oder CSU-Anhängern und Parteilosen ist das gesamte politische Spektrum vertreten. Diese Vorauswahl ist an diesem Donnerstag in einem Zusammenschnitt zu sehen.

Am Freitagabend dann entscheidet sich in einer von ZDF-Journalist Steffen Seibert moderierten Livesendung, welcher der sechs Finalisten der ZDF-„Kanzler“ wird. Nach Prüfungen in Rhetorik und Entscheidungsstärke können die Zuschauer abstimmen, wer ein Praktikum bei der Bundesregierung gewinnen wird.

Die Idee stammt aus dem kanadischen Fernsehen. Dort hat man bereits viermal „Canadas Next Great Prime Minister“ gekürt. Das ZDF hat es den heimischen Verhältnissen angepasst - und legt Wert darauf, dass der Anspruch weit über Unterhaltung hinausgeht. „Man wird ziemlich schnell merken, dass es um Inhalte geht, um politische Visionen für Deutschland“, hat ZDF-Innenpolitik-Chefin Bettina Schausten versprochen. Außerdem solle die Talentshow im Superwahljahr vor allem junge Erwachsene für Politik begeistern. Genau davon sind viele Kritiker aber nicht überzeugt. Vielmehr darf man eine Banalisierung des Politikbetriebes befürchten. Die Logik der Sendung basiert schließlich auf dem Vorurteil vieler Politikverdrossenen, dass politischen Akteuren ein schillernder Auftritt im Fernsehen, gepaart mit einem populären Thema wichtiger sei als Überzeugungen. „Ich kann Kanzler“ degradiert Politik gewissermaßen vom Anliegen zur Talentfrage.

Medienberater Michael Spreng, der 2002 den Kanzlerwahlkampf für Edmund Stoiber (CSU) organisiert hat, findet schon den Titel irreführend. „Sich bei einer solchen Sendung zu bewerben ist geradezu anmaßend.“ Das Leben eines Politikers bestehe schließlich nicht nur aus TV-Auftritten. „Es geht darum, den Parteiapparat zu beherrschen.“ Auch das entspricht wohl kaum dem Ideal.

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