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Medien Wolfgang Bahro: „Nicht auch das noch“
Mehr Welt Medien Wolfgang Bahro: „Nicht auch das noch“
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14:20 04.02.2013
 Was er vom Serienaustieg seines „GZSZ-Sohnes“ Patrick hält und ob er sich weitere 20 Jahre als Jo Gerner vorstellen kann verrät Wolfgang Bahro im Interview. Quelle: dpa
Berlin

Herr Bahro, seit 20 Jahren sind Sie bei „GZSZ“ der Jo Gerner. Hat sich das für Sie immer richtig angefühlt?

Immer richtig ist es nicht und war es auch nie. Es gab immer Phasen, in denen man dachte: „Nicht das jetzt auch noch.“ Da dachte dann Wolfgang, dass er Jo Gerner bestimmte Situationen einfach ersparen wollte. Aber meistens war nach einem Gespräch mit den Produzenten klar: Das wird alles besser, das bekommen wir hin. Aber manche Phasen hätte Gerner auslassen können.

Zum Beispiel?

Vor einer ganzen Weile saß Gerner im Rollstuhl. Er wollte so dringend raus, dass er sich auf einen Wunderheiler einließ. Der hatte ihm eingeredet, er müsse bei Vollmond in den Wannsee fahren und einen Trunk zu sich nehmen. Das hat Gerner gemacht, er wäre fast ersoffen. Sein Halbbruder rettete ihn. Da habe ich die Produzenten ernsthaft gescholten: „Für wie blöd haltet ihr Gerner bloß? Der ist Jurist, der macht so einen Blödsinn nicht.“ (lacht)

Sie spielen in Berlin auch Theater. Was ist Ihre Leidenschaft – Bühne oder Fernsehen?

Beides. Im Theater kann ich Sachen machen, die im Fernsehen als Jo Gerner nicht gehen. In erster Linie humoristische. Damit habe ich auch angefangen, ich kam vom literarischen zum politischen Kabarett. Bei „GZSZ“ fehlt mir in meiner Rolle dann auch mal die Comedy, der Humor.

Sie haben auf der Bühne mal Hitler gespielt. Das passt wohl nicht zu „GZSZ“.

Es würde den Rahmen der Serie sprengen, ja. Obwohl es auch dort kleine Highlights gibt. In einem Traum einer Figur, die einen Haschkeks gegessen und den Soundtrack von „Hair“ gehört hat, waren alle damaligen Schauspieler in einer Sechziger-Jahre-Vision zu sehen. Ich war ein zarter Hippie, der in der Fußgängerzone Blumen verteilt.

Ein „GZSZ“-Vorurteil lautet, das man gar nicht schauspielern können muss, sondern nur gut aussehen soll. Ist da etwas dran?

Das stimmt definitiv nicht. Am Anfang spielten viele Models mit, die nicht unbedingt Erfahrung hatten. Das ist lange vorbei. Viele kamen und kommen auch aus dem Muscialbereich. Aber es waren keine Laien – wie bei „Berlin – Tag & Nacht“ oder ähnlichen Formaten. Es hat sich aber auch noch einiges gebessert, es ist seit vielen Jahren sehr professionell.

Erkennen Sie inzwischen sofort, welche Darsteller lange bleiben werden und welche schnell wieder weg sind?

Zumindest welche Kollegen schnell wieder gehen werden, kriege ich sehr schnell mit. Der Betrieb hier funktioniert in erster Linie mit Zusammenarbeit und Disziplin. Hier kann man sich Diventum nicht erlauben, das würde den Produktionsablauf erheblich stören. Wenn Leute reinkommen, die glauben, sie hätten das Talent mit Löffeln gefressen, sind sie auch ganz schnell wieder raus. Andersherum kommen manchmal wirklich gute Leute, vom Theater zum Beispiel, die erstaunt sind, wie professionell das hier abläuft. Deswegen werden Schauspieler täglicher Serien auch gern für andere Serien und Filme ausgewählt. Weil sie in kürzester Zeit alles umsetzen, funktionieren und diszipliniert sind.

Ihr Kollege Jörn Schlönvoigt wünscht Deutschland 20 weitere Jahre Gerner. Können Sie ihm das versprechen?

Das kann ich nicht. Wenn ich körperlich noch fit bin, warum nicht? Mit 70 ist das ja nicht unrealistisch. Aber ich kann es nicht sagen. Das kommt auch darauf an, ob die Geschichten gut bleiben. Und wenn Tarantino anruft und mich für seinen nächsten Film an der Seite von Christoph Waltz sehen will, müsste ich wohl zumindest mal pausieren.

Manche Kollegen von Ihnen steigen aus, um die ganz große Karriere zu machen. Manchen gelingt es, manche kehren zurück, manche werden vergessen. Überschätzen ein paar ihr Talent?

Ich kann es ja durchaus nachvollziehen. Gerade ist mein Seriensohn Patrick gestorben. Schauspieler Björn Harras ist Ende 20, der möchte auch mal etwas anderes machen. Ich hatte vor „GZSZ“ genug Zeit, habe Theater gespielt, Serien gedreht. Jeder junge Schauspieler sollte viele Sättel ausprobieren. Björn halte ich für einen hervorragenden Schauspieler, ich wünsche ihm Erfolg. An sich sind die Voraussetzungen ja gut. Millionen gucken täglich zu, auf der Straße wird man angesprochen, hofiert. Die, die ausgestiegen sind und bei denen es trotzdem nicht weiterging, haben vielleicht einfach nicht die Fähigkeiten gehabt.

Apropos auf der Straße ansprechen: Hält man Sie gelegentlich für Jo Gerner?

Die meisten können das trennen. Eine schöne Geschichte war, als mich mal die Polizei angehalten hat und mein Auto untersuchte. Ein Licht war kaputt. Ein Polizist kam ans Fenster, „Hören Sie mal, Herr Doktor Gerner, das müssten sie als Jurist doch besser wissen mit dem Licht“.

War das sein Ernst?

Das war sein voller Ernst.

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