Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Medien „Wo ist Kyra?“: Michelle Pfeiffer ist zurück – und berührt in einem düsterem Drama
Mehr Welt Medien „Wo ist Kyra?“: Michelle Pfeiffer ist zurück – und berührt in einem düsterem Drama
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:21 24.06.2019
Michelle Pfeiffer als Kyra in einer Szene des Films "Wo ist Kyra?“. Der Film kommt am 27.06.2019 in die deutschen Kinos. Quelle: -/Kinostar/dpa
Berlin

Michelle Pfeiffer ist zurück – großartig, rau und ergreifend, aber in einem dunklen, dunklen Film. „Wo ist Kyra?“, 2017 bereits auf dem Sundance Festival für Pfeiffers Darstellung gefeiert und nun in deutschen Kinos, macht schon in der ersten Szene klar: Das wird kein Film zum Wohlfühlen. An einer Bushaltestelle in einer bitterarmen Ecke von Brooklyn zieht ein grauer, verregneter Morgen herauf. Und damit ein weiterer Tag im Kampf um Würde und Überleben für Kyra, die Mann und Job verloren und bei ihrer alten Mutter (Suzanne Shepherd) Unterschlupf gefunden hat.

Michelle Pfeiffer kümmert sich im Film um kranke Mutter

Der nigerianisch-stämmige Regisseur Andrew Dosunmu hat diesen Kampf um den Erhalt selbstbestimmten Lebens in einer der härteren US-Realitäten als Kammerspiel in Szene gesetzt, in dem es nie wirklich hell wird. Beige, braune, dunkelgrüne Farben dominieren die Welt, in der Kyra sich um ihre kranke Mutter kümmert, sie badet, pflegt und nebenher verzweifelt nach einem neuen Job sucht. Anrührend die Szenen, in denen sich die längst nicht mehr junge Kyra (Pfeiffer war beim Dreh Ende 50) sorgfältig schminkt, föhnt, in einen viel zu engen Rock zwängt - um den dringend benötigen Job dann doch nicht zu kriegen, weil ein Teenager ihn ihr wegschnappt.

Ein Neuanfang erscheint möglich – aber nur für kurze Zeit

Das auch finanziell wackelige Lebensgebilde stürzt zusammen, als die Mutter stirbt. Nach anfänglicher Scheu rutscht Kyra hinein ein Geflecht aus Lügen und Betrügereien, um mit der Rente der Mutter irgendwie zu überleben. Als sie in einer Bar Doug (Kiefer Sutherland in bewährter Rolle als sympathisch-kantiger good guy) kennenlernt, scheint für einen Moment ein Neuanfang möglich. Doch dann steht bei Kyra die Zwangsräumung an, auch Doug lässt sich wider Willen in die illegalen Machenschaften verstricken - und das Netz zieht sich zu.

Michelle Pfeiffers packender Auftritt reißt es heraus

Dies alles erzählt Dosunmu in extrem ruhigem Tempo, so gut wie ohne Musik und oft in langen, schweigsamen Szenen, die nur vom Ticken einer Uhr oder Autohupen untermalt werden. Man sucht den Helligkeitsregler, doch in diesem Film gibt es ihn nicht. Das extrem sparsam eingesetzte Personal verhindert zudem, dass sich neue Perspektiven oder Aktionsräume öffnen, die der Geschichte noch den ein oder anderen Dreh verschaffen könnten. Ohne größere Überraschungen driftet das Drama deshalb einem durchaus absehbaren Ende entgegen. Dennoch: Pfeiffers packender Auftritt dürfte es rausreißen für all jene, die keine Angst vor der Dunkelheit haben.         

Lesen Sie auch:
Kritik zu „Wenn Fliegen träumen“ – Zwei Halbschwestern und eine schräge Norwegenreise

Von RND/dpa