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14:28 16.01.2013
Berlin

Das weltgrößte Online-Netzwerk Facebook macht es einfacher, die vielen Informationen seiner mehr als eine Milliarde Nutzer zu durchstöbern. Gründer Mark Zuckerberg stellte am Dienstag im kalifornischen Menlo Park die neue Suchfunktion Graph Search vor. Anstelle der regulären Internetsuche solle diese Funktion Antworten auf spezielle Fragen liefern, sagte der Facebook-Chef. Damit greift Facebook verstärkt den Konkurrenten Google auf dessen Territorium an.

Nutzer können künftig zum Beispiel nach Leuten mit bestimmten Interessen fahnden oder Restaurants suchen, die ihre Freunde mögen. Die Anfragen lassen sich auch kombinieren, so findet die Funktion zum Beispiel alle Menschen aus der eigenen Stadt, die Fan eines bestimmten Fußballvereins sind. Allerdings könnte die neue Funktion sich auch als attraktive Informationsquelle für Unternehmen und Werber erweisen, warnen Verbraucherschützer.

Bei den Ergebnissen sollen die Privatsphären-Einstellungen der Nutzer berücksichtigt werden. Es würden nur Ergebnisse angezeigt, die entweder als „öffentlich“ markiert oder mit dem jeweils Suchenden geteilt wurden, betonte Facebook. Somit sollen Nutzer nur die Ergebnisse sehen, die sie bereits an anderer Stelle in ihrem Facebook-Netzwerk auffinden könnten. Zunächst können Informationen über Kontakte, Fotos, Orte und Interessen durchsucht werden, weitere Kategorien sollen später folgen.

Bisher ist Graph Search noch in der sogenannten Beta-Phase und steht nur einigen wenigen Nutzern in den USA zur Verfügung. Bis die neue Suche auch nach Deutschland kommt, könnte noch einige Zeit vergehen: Facebook hat bereits angekündigt, die Funktion nur langsam auszurollen und während des Starts immer weiter zu verbessern. Neugierige können Graph Search mit ein paar vorgefertigten Suchanfragen ausprobieren.

Bei Suchanfragen außerhalb der Facebook-Welt (zum Beispiel „das neue Album von Rihanna“) springt die Microsoft-Suchmaschine Bing ein. Microsoft arbeitet seit einem strategischen Investment im Oktober 2007 in Höhe von 240 Millionen Dollar mit Facebook zusammen. An der Funktion werde noch herumgeschraubt, sagte Zuckerberg.

Kritik von Datenschützern

Im Netz stieß die neue Facebook-Suche auf ein gemischtes Echo: Mike Isaac, Journalist beim US-Technologieblog „All Things D“, schrieb auf Twitter: „Google hat erst die Suche gebaut, dann sein soziales Netzwerk obendrauf gepappt. Facebook geht den umgekehrten Weg.“ Der Analyst Nate Elliott von Forrester kritisierte nicht Funktion, sondern den Zeitpunkt der Veröffentlichung: „Die Facebook-Suche ist wichtig, aber langweilig. Die wirkliche Nachricht ist nicht, dass Facebook seine Suchfunktion verbessert hat, sondern, dass es das nicht schon längst getan hat.“

Auch mit Blick auf mögliche Konflikte mit dem Datenschutz wurden kritische Stimmen laut: „Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, die Privatsphäreneinstellungen zu überprüfen. Es ist immer wichtiger, sich genau zu überlegen, was man auf Facebook mitteilt und wie“, schrieb Sharon Vaknin auf  „Cnet“. Der Datenschutzbeauftragte von Schleswig-Holstein, Thilo Weichert, warnte vor der neuen Suchfunktion. "Ich finde das überhaupt nicht toll", sagte er am Mittwoch. Die erweiterte Suche führe dazu, "dass völlig unkalkulierbar auf einmal Daten ausgewertet werden".

Facebook verspricht zwar, bei der neuen Suche die Privatsphäre-Einstellungen seiner Nutzer zu respektieren – jeder Suchende soll also nur das sehen können, was andere mit ihm geteilt haben. Ähnlich wie bei der Einführung der Chronik ist es aber möglich, dass vergessene Posts oder Fotos wieder ans Licht kommen. Deshalb lohnt sich ein Blick ins eigene Facebook-Archiv, das in der Chronik unter „Aktivitätenprotokoll“ zu finden ist. Über die „Privatsphäre-Verknüpfungen“ in der oberen Menüleiste lässt sich schnell ermitteln, wer was wie sehen kann.

Anonyme Alternativen

Dass das notwendig ist, zeigt auch die jüngste Vergangenheit. „Für Unternehmen sind solche Datensätze natürlich unglaublich interessant“, sagt Carola Elbrecht vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). „Gerade Facebook hat sich bei der Einführung neuer Dienste nicht immer vorbildlich verhalten.“

Facebook war im Mai vergangenen Jahres an die Börse gegangen und sucht seitdem verstärkt nach Wegen, mit seinem beliebten Netzwerk Geld zu verdienen. Suchmöglichkeiten nach Filmen oder Restaurants, die die eigenen Kontakte empfehlen, könnten auch für Werbekunden interessant sein. Zuckerberg stellte allerdings keine schnellen Einnahmen in Aussicht, sondern sagte nur, die Suche könne ein zukünftiges Geschäftsfeld sein.

Fakt ist: Wer im Internet etwas sucht, bezahlt für die Ergebnisse meistens mit persönlichen Informationen. Da machen Google und Bing keine Asunahme. Es gibt aber auch anonyme Alternativen: Suchmaschinen wie Ixquick und Duckduckgo sammeln zum Beispiel ausdrücklich keine Daten. Über die von den Ixquick-Machern programmierte Maschine Startpage können Nutzer unerkannt auf Google zugreifen. Ganz vermeiden lässt sich die Datenspur im Internet aber trotzdem nicht.

frs/dpad/dpa

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