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Mehr Welt Medien Whatsapp soll unabhängig von Facebook bleiben
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07:04 03.03.2015
Quelle: Patrick Pleul
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Menlo Park

Es war ein Riesengeschäft – doch Whatsapp-Mitgründer Jan Koum wollte die Dimension des gigantischen Kaufangebots für den Kurzmitteilungsdienst herunterspielen. „Letzte Woche habe ich eine Facebook-Freundschaftsanfrage angenommen“, sagte der Ukrainer vor einem Jahr. Es war die Untertreibung schlechthin.

Das Geschäft, das knapp 22 Milliarden Dollar auf die Waage brachte, sicherte Facebook die Dominanz bei Messaging-Diensten – und dem aus ärmlichen Verhältnissen stammenden Koum ein gewaltiges Vermögen. Die inzwischen 700 Millionen Nutzer bei Whatsapp merkten bisher kaum etwas vom Eigentümerwechsel – bis vielleicht darauf, dass der Dienst seit dem Umzug auf die Facebook-Infrastruktur stabiler läuft.

Die Frage steht aber weiter im Raum: Wie lange gilt das Versprechen von Koum und Facebook-Chef Mark Zuckerberg, dass die Kundendaten von Whatsapp und Facebook unter dem gemeinsamen Konzerndach nicht zusammengelegt werden? Erst im Januar wiederholte der für Facebooks hauseigenen Kurzmitteilungsdienst Messenger zuständige Manager David Marcus: „Wir haben keine Pläne, die beiden Dienste zusammenzuführen.“

Das Versprechen der getrennten Datensilos schaffte es aber nicht in die gerade eben aktualisierten Datenschutzregeln von Facebook. Dort heißt es generell, dass Daten zwischen verschiedenen Angeboten aus dem Haus Facebook fließen können. Prompt äußerte der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar die Befürchtung, dass Daten künftig „in großem Maßstab“ auch zwischen Facebook und Whatsapp ausgetauscht werden könnten. Whats-app betont weiterhin, möglichst wenig Daten über seine Nutzer zu sammeln, während Facebook davon lebt, Werbepartnern gezielten Zugang zu gewünschten Nutzergruppen zu gewähren.

Die Nutzer scheinen sich für das Thema nicht besonders zu interessieren. Die erste Fluchtwelle, die konkurrierende Apps wie Threema an die Spitze der Downloadcharts spülte, ebbte schnell ab. Das Wachstumstempo bei Whatsapp nahm laut Koum keinen Schaden: 500 Millionen Nutzer im April, 600 Millionen im August, 700 Millionen im Januar 2015. Das hat Tradition, denn schon in den ersten Jahren schreckten die regelmäßigen Warnungen vor Sicherheitslücken die Kunden nicht ab. Inzwischen setzt Whatsapp sogar eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung um.

Laut Facebook-Manager Marcus können Whatsapp und der Messenger ganz gut voneinander profitieren, auch ohne Nutzerdaten zu verschmelzen. Man tausche sich etwa regelmäßig über die Strategie aus. „Außerdem ist vereinbart, dass einige neue Funktionen, die wir testen, mit der Zeit bei Whatsapp integriert werden könnten.“ Das solle auch bei anstehenden Projekten zum Geldverdienen der Fall sein.

Der Plan sei generell, beim Facebook-Messenger stärker auf Multimedia-Funktionen zu setzen, während Whatsapp seine schlanke Struktur behalten solle.

Was aussteht, ist die von Koum angekündigte Sprachtelefonie über Whatsapp. Im Internet tauchten nun Berichte von Nutzern auf, die eine solche Funktion in ihren Apps in der Android-Version vorgefunden hätten. Bisher greift die Anruf-Funktion aber auf das Telefonbuch des Nutzers zu und stellt die Gesprächsverbindung über das Mobilfunknetz her – und nicht übers Internet.

Das aber wäre der nächste Schritt in einer Entwicklung, in der die Macht von den Netzbetreibern zu Internetdiensten übergeht. Nachdem der SMS-Nachfolger Joyn der Netzbetreiber von Whatsapp und Co. in die Bedeutungslosigkeit verbannt wurde, könnte das auch die Abwanderung des klassischen Telefongesprächs beschleunigen. Und das, während sich die Mobilfunkkonzerne darüber beschweren, dass Internetfirmen Geld in ihren Netzen verdienen, ohne sich an den Kosten für den Aufbau zu beteiligen. Facebook kontert, die Onlinedienste machten einen mobilen Datenvertrag erst attraktiv.

Von Andrej Sokolow

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