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Medien Vor dem Broadway auf den Bildschirm – „Diana: The Musical“ startet bei Netflix
Mehr Welt Medien Vor dem Broadway auf den Bildschirm – „Diana: The Musical“ startet bei Netflix
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16:08 01.10.2021
Spielt die Prinzessin der Herzen: Jeanna de Waal ist seit 1. Oktober bei Netflix in der Titelrolle von „Diana: The Musical“ zu sehen.
Spielt die Prinzessin der Herzen: Jeanna de Waal ist seit 1. Oktober bei Netflix in der Titelrolle von „Diana: The Musical“ zu sehen. Quelle: picture alliance / Greg Allen/Invision/AP
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Dass große, aktuelle Kinofilme wie „Black Widow“ oder „Dune“ mit dem Start auf der Leinwand zeitgleich auch auf Streaming-Plattformen verklappt werden – daran hat man sich in pandemischen Zeiten schon gewöhnen müssen. Aber dass nun mit „Diana: The Musical“ ein Musical auf Netflix zu sehen ist, noch bevor sich der Vorhang für die Produktion am Broadway gelüftet hat, ist eine neue Qualität im Kampf um die popkulturelle Vorherrschaft.

Ursprünglich sollte das Musikbühnenstück über die „Prinzessin der Herzen“ am 31. März letzten Jahres in New York seine Premiere feiern. Aber das Infektionsgeschehen in den USA und der Lockdown im Big Apple verhinderten die Aufführung.

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Hinter verschlossenen Türen und ohne Publikum wurde allerdings ein Durchlauf mit mehreren Kameras aufgenommen, der nun die Grundlage für die gefilmte Bühnenversion auf Netflix bietet, bevor das Musical im November am Broadway endlich live loslegen wird.

Es gibt schon viele Film- und TV-Adaptionen von Dianas Leben

An Dokumentationen über die Princess of Wales fehlte es nach ihrem Tod nicht. Aber was die fiktive Verarbeitung ihres Schicksalsweges anging, hielten Theater und Kino über lange Jahre diskret Abstand. Stephen Frears „The Queen“ (2006) spielte das Thema über Bande an, indem er seine Filmhandlung mit dem Tod Dianas beginnen ließ. Und Oliver Hirschbiegel forschte mit „Diana“ (2013) in den letzten beiden Lebensjahren seiner Titelheldin außerhalb des Buckingham Palace und ging damit nicht nur im Vereinigten Königreich an den Kinokassen baden.

Erst die 4. Staffel der Netflix-Serie „The Crown“ wagte sich weiter vor und widmete der jungen Diana zwei vollständige Episoden. Die 5. Staffel der Chronologie des britischen Königshauses wird das Thema sicherlich noch weiter vertiefen. Beim diesjährigen Filmfestival in Venedig feierte soeben Pablo Larraíns „Spencer“ Premiere, der die Geschehnisse um die scheiternde Ehe zwischen Diana und Charles mit Kristen Stewart als Prinzessin aus der Scheidungsperspektive betrachtet.

Dianas Leben – viel Stoff für ein Singspiel

Aber nun fächert Christopher Ashley die wendungsreiche Geschichte der Lady Di in zwei Musicalstunden in ganzer Breite auf und das ist eine Menge Stoff. Ähnlich wie andere fiktive Produktionen über die Royals nimmt er die Eckdaten aus dem Leben der realen Vorbilder und schmückt sie mit Fiktion aus. Als naive 19-Jährige gerät die Kindergärtnerin Diana Spencer (Jeanna de Waal) in die Klauen des englischen Königshauses. Prinz Charles (Roe Hartrampf) ist fasziniert von ihrem unschuldigen Charme. Noch faszinierter ist er jedoch von seiner langjährigen verheirateten Geliebten Camilla Parker Bowles (Erin Davie), die mithilft, die Hochzeit einzufädeln, um jenseits der öffentlichen Aufmerksamkeit die Affäre mit Charles weiter bestehen zu lassen.

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Die Presse stürzt sich auf Diana. In langen Trenchcoats wirbeln die Paparazzi über die Bühne und tauchen ihr Opfer in ein Blitzlichtgewitter. Aber schon bald zerplatzen Dianas rosarote Prinzessinnenträume, als ihr klar wird, dass sie von Charles nie mehr als halbherzige Zuneigung bekommen kann. Während das Volk sie als nahbare Vertreterin der Monarchie feiert, stürzt sie privat zunehmend in die Depression. Daran kann auch die Geburt der beiden Söhne wenig ändern.

Die Musik stammt von Bon-Jovi-Keyboarder David Bryan

Nach einem Selbstmordversuch beginnt sie jedoch ihre eigenen Wege zu gehen und engagiert sich für wohltätige Zwecke. Sie ist die erste Prominente, die eine Abteilung für HIV-Infizierte besucht, um der Stigmatisierung der Krankheit entgegenzuwirken. Und so fährt Ashley – unterstützt durch die Kompositionen von Bon-Jovi-Keyborder David Bryan – die Stationen einer zerrütteten, königlichen Ehe mit erstaunlicher Beflissenheit ab, worin man das Bemühen um eine differenzierte Darstellung des Falles Diana Spencer deutlich erkennen kann.

Auf der Strecke bleibt hier jedoch im durchaus pathetischen Singspielmodus die Faszinationskraft Dianas und der emotionale Zugang zu ihrer Geschichte – wofür dem Musical als plakativer Kunstform spürbar die notwendigen Instrumente zur Feinabstimmung fehlen.

„Diana: The Musical“, 117 Minuten, Regie: Christopher Ashley, mit Jeanna de Waal, Roe Hartrampf, Erin Davie (ab 1. Oktober bei Netflix)

Von Martin Schwickert/RND

Der Artikel "Vor dem Broadway auf den Bildschirm – „Diana: The Musical“ startet bei Netflix" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.