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Medien Verkehrsminister will den "7. Sinn" zurück
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18:34 25.03.2012
Von Imre Grimm
Der Radio-und Fernsehsprecher Egon Hoegen vor dem Logo des 7. Sinn.
Der Radio-und Fernsehsprecher Egon Hoegen vor dem Logo des 7. Sinn. Quelle: dpa
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Hannover

Vor sehr vielen Jahren, in der Steinzeit des Fernsehens, warnte ein Mann namens Egon Hoegen mit warmer Märchenerzählerstimme vor den Gefahren durch Frauen im Straßenverkehr. "Frauen sind auf besondere Nachsicht angewiesen", erläuterte er freundlich. "Denn jede Frau schmückt sich gern. Am Steuer aber können solche schweren Schmuckstücke sehr hinderlich sein." Männer mögen ihre Frauen der Übung halber deshalb öfter mal ans Steuer lassen - aber bitte "nicht zu Verkehrsspitzenzeiten".

So war das in Westdeutschland. Damals, als Quirinius Statthalter in Syrien war. Man fuhr mit fingerlosen Handschuhen Auto, stellte sich eine hübsch umpüschelte Klopapierrolle auf die Hutablage und ließ das geblümte Frauchen höchstens mal sonntagnachmittags ans Steuer des Opel Rekord C für 7380 D-Mark. Und im Ersten Programm lief "Der 7. Sinn". Kaum eine TV-Sendung verrät mehr über Ängste, Stolz und Attitüde der alten Bundesrepublik.

Fast 40 Jahre lang, von 1966 bis 2005, manövrierte Egon Hoegen die Bundesbürger mit mahnender Stimme durch die vielfältigen Gefahren des Straßenverkehrs. Er warnte vor lichtlosen Radfahrern, hilflosen Frauen, ausländischen "Reifenstechern" oder überforderten Ex-DDR-Bürgern ("Viele tauschen ihre alten Modelle gegen leistungsstärkere Fahrzeuge, mit denen sie nicht auf Anhieb zurechtkommen"). Die WDR-Redaktion motzte die seriösen Lehrbeiträge mit hölzernen Stuntszenen auf, bei denen reichlich Alfa Romeos oder Opel Kadetts über die Klippe flogen.

Nun sorgt sich Verkehrsminister Peter Ramsauer um die Sitten im Straßenverkehr. Er wünscht sich, meldet "Auto Bild", die Rückkehr des unvergessenen Verkehrserziehungsformates in die ARD. Der neue "7. Sinn", schlägt der CSU-Minister vor, könne sonntags nach der "Tagesschau" laufen. Rückkehr eines Klassikers? Hoegen lebt heute 83-jährig in Rösrath bei Köln. Zuletzt war er für Harald Schmidts ARD-Show im Einsatz. An ihm dürfte es nicht scheitern.

Stilprägend für den "7. Sinn" aber war nicht nur Hoegens Organ, das immer ein bisschen klang, als verlese ein Geografielehrer den Seewetterbericht für die Kieler Bucht. Stilprägend war nicht nur der lustig-bunte Ampel-Vorspann zur engagierten Titelmelodie von Regisseur Alfred Noell nach Motiven aus Kenny Clarkes Jazzklassiker "Jay Jay". Was den "7. Sinn" zum Kult machte - und bis heute zum Hit bei YouTube -, waren seine unerschütterliche Sachorientierung und absolute Humorlosigkeit. Mit größter Selbstverständlichkeit rät Egon Hoegen zum Beispiel: Frauen könnten bei Pannen "durch Öffnen der Motorhaube anzeigen, dass sie Hilfe brauchen." Denn: "Dieses Zeichen wird verstanden." Dazu zoomte die Kamera keck auf die Brüste einer Blondine, die hilfesuchend am Straßenrand stand. Unvergessen auch folgender wichtige Hinweis: "Viele Frauen scheuen das Anlegen des Sicherheitsgurtes, weil sie Angst um ihren Busen haben. Diese Sorge ist unnötig, sagen Mediziner." Und mit dieser guten Nachricht zurück in die angeschlossenen Parkhäuser.