Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Medien VZ-Netzwerke wehren sich mit Neustart gegen Facebook
Mehr Welt Medien VZ-Netzwerke wehren sich mit Neustart gegen Facebook
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:44 28.09.2011
Erinnert an Facebook: Mit neuer Optik wollen die VZ-Netzwerke ihre Mitglieder halten. Quelle: dpa
Anzeige

Für tot wurden sie bereits mehrfach erklärt, zuletzt ernteten sie von Bloggern und Web-2.0-Nutzern nur noch ein müdes Lächeln – zu groß erschien die Übermacht durch Facebook und das aufstrebende Google+, zu altbacken die Optik und das Konzept. Doch jetzt wehren sich die VZ-Netzwerke gegen den vollständigen Bedeutungsverlust. Mit einem Neustart will das Unternehmen seine drei Onlinenetzwerke, die vor wenigen Jahren noch die Platzhirsche in Deutschland waren, wieder auf die Erfolgsspur bringen.

Beim Neustart setzt das Unternehmen auf ein überarbeitetes Design und neue Funktionen. Beim Wandel sollen auch die Nutzer eine wichtige Rolle spielen: „Wir wollen weg von der Diktatur, dass die Betreiber sagen, wie die Plattform aussehen soll“, sagte VZ-Chef Clemens Riedl am Mittwoch in Berlin. Denn über das nicht mehr ganz zeitgemäße Design der Seiten hatte es in der Vergangenheit jede Menge Häme seitens der Nutzer gegeben. In einer SchülerVZ-Gruppe bekannten sich Hundertausende Mitglieder dazu, das Design nicht zu mögen.

Anzeige

Zunächst steht eine Testphase an, die sechs bis neun Monate dauern soll. In dieser Zeit können sich die Mitglieder über ein Bewertungssystem und Feedback-Optionen zu Wort melden. Dabei werden sie im Parallelbetrieb zwischen der alten und neuen Version hin und her springen können. „Das Ganze hat einen Werkstatt-Charakter“, sagte Riedl. Seit dem späten Mittwochnachmittag wurde die Testversion für die Nutzer nach und nach freigeschaltet.

Die VZ-Netzwerke sind nach Unternehmensangaben künftig auch technisch optimiert und stärker auf die Zielgruppen ausgerichtet. „Dabei war unsere intensive Marktforschung richtungsweisend“, sagte Produktmanager Sven Schoof. So war der Wunsch der VZ-Mitglieder ausschlaggebend, nicht auf das Modell der drei separaten Plattformen zu verzichten. Der Anbieter setzt weiterhin auf seine junge Zielgruppe: Schüler und Studenten. MeinVZ wird zudem in FreundeVZ umbenannt und richtet sich künftig vor allem an 18- bis 28-Jährige.

Wesentliche äußerliche Neuerungen: SchülerVZ bekommt eine neue Farbe, StudiVZ die Anwendung „Meine Lehrveranstaltungen“. Das Layout ist in drei Spalten aufgeteilt und dürfte die Seh- und Nutzungsgewohnheiten der meisten Facebook-Mitglieder ansprechen. Neu ist zudem, dass die VZ-Nutzer parallel chatten und sich Videos ansehen können – Funktionen, die die Konkurrenten Google+ und Facebook ebenfalls im Programm haben. Auch ein Gruppen-Chat werde demnächst eingeführt, so das Unternehmen. Insgesamt sollen die Seiten schneller laden. Dafür wurde die technische Basis verändert: Die VZ-Netzwerke arbeiten nicht mehr mit eigener Technologie, sondern mit dem Google Web Toolkit, einem Werkzeug zur Webseitengestaltung. Ob das reicht, die Mitglieder auch in Zukunft an die VZ-Netzwerke zu binden?

Derzeit sind nach eigenen Angaben mehr als 16 Millionen Nutzer registriert, aber nur 9,8 Millionen aktiv. Sie stünden im Fokus, doch auch die passiven Mitglieder sollen mittelfristig wieder aktiviert werden. Die zu Facebook abgewanderten Nutzer könne man nicht zurückholen, hatte der VZ-Chef dem Blog „Basic Thinking“ gesagt. Natürlich habe jedes VZ-Mitglied einen Facebook-Account. Riedl will bei seinen Leisten bleiben und setzt auf die Bedürfnisse seiner Zielgruppe: Schüler und Studenten. „Wir sind ein Parallelangebot zu Facebook.“

Noch bis zum Sommer dieses Jahres hatte die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck versucht, die bereits als Ladenhüter verschrienen VZ-Netzwerke zu verkaufen. Doch weder Medienunternehmen noch private Investoren wollten laut einem Bericht des „Handelsblatts“ akzeptable Gebote für die drei Onlineplattformen abgeben – und so zog der Konzern die Order an die Bank Goldman Sachs wieder zurück, nach einem Käufer zu suchen. Holtzbrinck selbst hatte 2007 rund 85 Millionen Euro für StudiVZ gezahlt, später wurde das Angebot dann durch MeinVZ und SchülerVZ erweitert.

Der Kampf der Netzwerke

Bei den Onlinenetzwerken ist Facebook weltweit die unangefochtene Nummer eins: Rund 800 Millionen Mitglieder aus aller Welt melden sich mindestens einmal im Monat an, viele von ihnen kommen sogar mehrmals täglich. In Deutschland sollen inzwischen über 20 Millionen Anwender Facebook regelmäßig nutzen. Allein in Europa ging im vergangenen Jahr 11,7 Prozent der gesamten Onlinezeit auf das Konto von Facebook, wie das Marktforschungsunternehmen Comscore berichtet. Das heißt: Wer zwei Stunden im Netz ist, verbringt knapp eine Viertelstunde davon bei dem Onlinenetzwerk. Weltweit summiert sich die Nutzung von Facebook laut Comscore auf über 70 Milliarden Online-Minuten. Google+ kommt zwei Monaten nach dem Start auf mehrere Dutzend Millionen Nutzer, in Deutschland sollen es weit über eine Million sein. Aktuelle Zahlen nennt das Unternehmen nicht.

Frerk Schenker und Özlem Yilmazer

28.09.2011
Medien Herausforderer erwartet - iPad bekommt Konkurrenz von Amazon
28.09.2011