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Medien „Schwäche zu zeigen ist tabu“
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00:20 27.10.2014
Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) hat bei ihrem 60. Fall mit sich selbst zu kämpfen. Quelle: SWR
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Hat Lena Odenthal die Krimi-Landschaft verändert?
Ulrike Folkerts: Ich finde, dass der SWR einen neuen Frauentyp im TV kreiert hat. Lena war schon immer ein bisschen ruppig, sperrig und streitbar, sie wurde ja sogar als weiblicher Schimanski bezeichnet.

Hat die Figur etwas zur Emanzipation beigetragen?
Da bin ich mir sicher. Allein die Tatsache, dass viele Schauspielerinnen inzwischen eine Kommissarinnenrolle ausfüllen, ist ein Beleg dafür.

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In der Jubiläumsfolge bekommt Lena eine junge Kollegin, die Rock statt Jeans trägt und Familie hat. Ist Lena 25 Jahre nach ihrem Debüt ein Auslaufmodell?
Da prallen zwei verschiedene Lebensmodelle und Denkweisen aufeinander, das finde ich reizvoll. Die beiden spiegeln eine Mutter-Tochter-Generation. Die eine denkt über das Älterwerden nach, die andere hat ihr Leben und ihre Karriere noch vor sich. Im besten Fall interessiert man sich für beide Frauen.

Ein Kritiker hat Lena Odenthal einmal die „Schmerzensfrau“ unter den TV-Kommissarinnen genannt ...
Mir gefällt an der Folge „Blackout“ gerade, dass Lena extreme Fehler macht, in eine echte Lebenskrise gerät. Das ist das Leben. Wir arbeiten alle bis zum Umfallen, Schwäche zu zeigen ist tabu. Man hält durch, teilt sich nicht mit, bis zum absoluten Zusammenbruch. Und erst dann fangen wir an nachzudenken: Was ist los in meinem Leben, benötige ich Hilfe? Lena hat die Chance, etwas zu verändern. Ich habe für die Zukunft gar nichts gegen Verlieben, Lachen, Spaßhaben mit Kollegen im tristen Polizeialltag.

Sie waren gerade mal 28 Jahre alt, als es mit Lena losging. Kannten Sie den „Tatort“ damals?
Ja, und mein Lieblingskommissar war Hansjörg Felmy als Heinz Haferkamp, der immer zu seiner geschiedenen Frau zum Essen ging und mit ihr über die Fälle redete - sie hatte echt gute Fragen an ihn.

Wie viel Ulrike Folkerts steckt in Lena Odenthal?
Bis auf die verschiedenen Frisuren im Laufe der Jahre und der Sportlichkeit gibt es keine wirklichen Parallelen. Mir würde ein Leben für den Job und das Zusammenwohnen mit Kollege und Katze nicht reichen in meinem Leben.

Sie haben die einsame Wölfin aus Ludwigshafen in 25 Jahren 60-mal gespielt. Wird das nicht irgendwann langweilig?
Langeweile? Nein. Zweimal im Jahr beschäftige ich mich für sechs bis acht Wochen mit der Rolle und dem Fall. Das ist sehr abwechslungsreich, weil wir unterschiedliche Autoren und Regisseuren haben. Die Arbeit bleibt spannend.

Wie sähe Ihr ideales Finale für Lena aus? Fährt sie mit ihrem Kollegen Kopper im Cabrio in den Sonnenuntergang - oder stirbt sie tragisch im Dienst?
Worauf wollen Sie hinaus? Ich habe mir da noch keine Gedanken gemacht, sage aber spontan: Lena wird leben, nicht sterben.

Apropos Kopper: Gehen Sie und Darsteller Andreas Hoppe nach Drehschluss auch mal in die Pizzeria?
Wir kennen uns jetzt 30 Jahre, wir sind wie Bruder und Schwester. Unsere Lieblingsitaliener in Mannheim und Ludwigshafen begleiten und bekochen uns schon über 20 Jahre lang bei den Dreharbeiten.

Wie gefällt Ihnen Ihr Einsatzort, die pfälzische Chemiestadt Ludwigshafen?
Ludwigshafen ist besonders und super zum Krimidrehen, mit Hafen, Industrie, einer Multikultigesellschaft und sehr vielen Menschen, die froh sind, dass es uns gibt.

Tod in der Musterwohnung

Ein Architekt wird tot in einer Musterwohnung aufgefunden. Die einzige Zeugin kann sich an nichts erinnern, weil auch sie in der Tatnacht unter dem Einfluss von K.O.-Tropfen stand. Die Ludwigshafener Kommissarin Lena Odenthal begibt sich in ihrem 60. Fall auf die Suche nach dem Täter – und einem möglichen Motiv. Wusste die Frau des Opfers von den zahlreichen Seitensprüngen ihres Mannes? Wollte der Bruder mit dem Mord seiner Entlassung aus der Firma zuvorkommen? Und was ist mit dem besten Freund und Angestellten des Ermordeten? Im Fokus der „Tatort“-Jubiläums-Folge „Blackout“ stehen aber weniger die Ermittlungen an dem Fall, als vielmehr die Person Odenthal und ihre emotionale Verfassung. Die Kommissarin stößt an ihre körperlichen und seelischen Grenzen – und muss persönlich viel wegstecken.Die Ermittlerin stürzt in eine tiefe Sinnkrise. Dann wird sie auch noch mit einer attraktiven neuen Kollegin konfrontiert.

Ulrike Folkerts (53), in Kassel geboren, studierte an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover. Privat setzt sich die in Berlin lebende Darstellerin für das Verbot von Landminen ein. 1989 gab sie in der Folge „Die Neue“ ihren „Tatort“-Einstand als burschikose Ermittlerin Lena Odenthal. Mittlerweile ist sie die dienstälteste Kommissarin.

„Blackout“ | ARD
Jubiläums-„Tatort“
Sonntag, 20.15 Uhr

Interview: Cornelia Wystrichowski

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