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Medien US-Wahlnacht ist Herausforderung für deutsche Fernsehsender
Mehr Welt Medien US-Wahlnacht ist Herausforderung für deutsche Fernsehsender
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22:11 06.11.2012
Von Imre Grimm
Die ARD berichtet während der US-Wahlnacht am Dienstag live aus Berlin. Quelle: dpa
Hannover

Sicher, das Fernsehen lag noch 150 Jahre in der Zukunft, als die Gründerväter der USA am 17. September 1787 die Verfassung unterzeichneten. Und doch könnte man meinen, Benjamin Franklin und Kollegen hätten vor allem die Bedürfnisse von CNN, Fox News und Co. im Kopf gehabt, als sie das Verfahren für amerikanische Präsidentschaftswahlen ausklamüserten. Was für ein Showdown. Was für eine fernsehtaugliche Dramaturgie: frische Zahlen den ganzen Abend über, kleine Bundestaaten mit großer Macht, „Breaking News“ bis zu Triumph oder Niederlage. Stück für Stück setzt sich das politische Puzzle zusammen wie beim Basketball. US-Wahlen gleichen Sportduellen, und am Ende hängt alles an Florida, Ohio und Virginia. Schon das Vokabular klingt nach Blut, Schweiß und Tränen: „Battleground States“, „Presidential Race“, „Running Mate“, „Campaign Machine“, dazu gibt’s finanzielles Doping für die „War Chest“ (Kriegskasse).

Dem Deutschen ist das fremd. Hier beginnen Wahlnächte um Punkt 18 Uhr mit einem Gongschlag. Und dann kommt Rainer Brüderle, und die Sache ist im Prinzip gelaufen. Der Rest besteht aus Variationen des Themas „Jetzt werden wir das Ergebnis in Ruhe analysieren“, nur unterbrochen vom stoischen ARD-Zahlenfuchs Jörg Schönenborn, der Prozentverschiebungen im Nachkommabereich herunterbetet wie Bemuskelung und Wollqualität bei einer Heidschnuckenauktion in Müden an der Örtze.

In der Dienstagnacht, wenn es ernst wird für Barack Obama und Mitt Romney, wenn CNN wieder grafiktechnisch kurz vor der Explosion stehen wird, schlägt für ARD und ZDF eine Bewährungsstunde. Denn die historische US-Wahlnacht von 2008 haben sie vergeigt. Während damals im Grand Park in Chicago Jesse Jackson weinte, während sich Hunderttausende Obama-Anhänger in den Armen lagen, während die Welt über die Selbsterneuerungskräfte der USA staunte, verlosten Andreas Cichowicz, Hanni Hüsch und Schönenborn in einem düsteren Studiokeller in Deutschland einen John McCain-Pappaufsteller und witzelten matt über’s „Oral Office“. Im ZDF berichtete Claus Kleber damals live „aus dem Internet“, und ein fremdelnder Peter Frey fragte: „Claus, wie fühlt es sich so an in den Tiefen des World Wide Web?“ Es war ein Drama. Immerhin: 2,06 Millionen Deutsche schlugen sich die Nacht um die Ohren. 

Das plant die ARD:
Diesmal soll alles besser werden. Sogar „Emotionen“ sind geplant. Schönenborn, Andreas Cichowicz, Sandra Maischberger und Neuzugang Matthias Opdenhövel senden von 22.45 bis 5.30 Uhr live aus dem Berliner E-Werk. Als „Experten“ stehen neben Guido Westerwelle, Frank-Walter Steinmeier, Henry Kissinger und dem Berliner US-Botschafter Philip D. Murphy allerdings auch Amerika-doof-Finder Jürgen Todenhöfer, Fußballer Arne Friedrich (weil er bei Chicago Fire spielt) und die unvermeidliche Komikerin Gayle Tufts bereit. Die Sendung ist auch als Livestream zu sehen (www.tagesschau.de/uswahl oder www.daserste.de/uswahl).

Das plant das ZDF:
„Wir sind das Original“, sagt ZDF-Chefredakteur Peter Frey keck. 2008 hatte sein Sender zur Obama-Wahl mehr Zuschauer als die ARD. Den Auftakt macht um 22.45 Uhr Markus Lanz mit seiner Talkrunde, ab 23.50 Uhr melden sich Bettina Schausten und Christian Sievers von der Wahlparty der US-Botschaft im Alten Telegrafenamt in Berlin. Gäste unter anderem: Obamas ältere Halbschwester Auma Obama und Basketballstar Dirk Nowitzki. Dunja Hajali erkundet derweil auf dem New Yorker Times Square die „Stimmung“. Claus Kleber twittert (@zdf) und meldet sich Dienstag und Mittwoch mit dem „heute-journal“ aus Washington. Das ZDF droht mit „Show Acts, intensiver Vernetzung, Twitter und Google Hangouts“, wofür die unvergessene Oliver-Kahn-EM-Twitterassistentin Jeannine Michaelsen die „Dynamik im Internet scannen“ soll (O-Ton ZDF). Auch Sascha Lobo darf etwas sagen.

Das planen RTL und n-tv:
RTL, der Schwestersender n-tv und CNN treffen sich zur gemeinsamen Wahlparty in der Bertelsmann-Vertretung in Berlin. n-tv sendet ab 22 Uhr, zu Gast ist unter anderem tatsächlich Bruce Darnell. RTL steigt um Mitternacht mit einem „Nachtjournal Spezial“ ein, und ab 1.00 Uhr moderieren Peter Klöppel und n-tv-Mann Christoph Teuner gemeinsam live aus Köln. Klöppel hofft auf eine lange Nacht: „Wenn das Ergebnis nicht schon um zwei Uhr feststeht, wäre das gut für die Zuschauer und für uns.“ Die Kooperation mit CNN sorgt für einen konstanten Zahlenfluss. Die sogenannten Vollprogramme SAT.1 und PRO7 dagegen verzichten dankend auf Polit-TV. Immerhin sendet N24 ausnahmsweise mal keine Kampfpanzer oder Hitler-Dokus, sondern von 1 bis 7 Uhr ein Spezial zur US-Wahl.

Das plant CNN:
Für CNN International beginnt der große Tag am Dienstag schon um 12 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Aus Atlanta melden sich Richard Quest, Isha Sesay, Hala Gorani und Jonathan Mann. Um 21 Uhr geht Christiane Amanpour mit einem einstündigen Spezial auf Sendung. Ab 22 Uhr liefern Wolf Blitzer und Anderson Cooper die neuesten Informationen aus dem Washingtoner Wahlstudio. 2008 ließ sich CNN-Reporterin Yessica Yellin noch per 3-D-Hologramm von Chicago ins New Yorker Studio beamen (Blitzer: „Danke Yessica, du warst ein großartiges Hologramm.“) Warum? Weil’s ging. Von derlei Techno-Imponiergehabe ist diesmal keine Rede.

Folgenswerte Twitter-Accounts:
Unter @MittRomney, @obama2012 oder @BarackObama gibt’s vor allem Parolen und Propaganda. Interessanter sind @140elect (Wahl-Tweets von Twitter-Experte Zach Green), @buzzfeedpol, @washingtonpost, @cnnpolitics, @nytimespolitics, @PoliticalTicker, @politico2012 oder @MotherJones – die Webseite, die das berühmte Video veröffentlichte, in dem Romney 47 Millionen Wähler düpierte.

Der Guardian hat zur US-Wahl eine Liste der Top-50-Follower zusammengestellt:

http://www.guardian.co.uk/world/richard-adams-blog/2012/jun/12/us-elections-twitter-top-50

Auch nach Guido Knopps TV-Vermächtnis „Weltenbrand" bleibt das ZDF am Dienstagabend beim Thema Geschichte. Jetzt sinbd „Die Geheimnisse des Zweiten Weltkriegs" an der Reihe.

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