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Medien Tim Bendzko gewinnt Bundesvision Song Contest
Mehr Welt Medien Tim Bendzko gewinnt Bundesvision Song Contest
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00:49 30.09.2011
Sieger aus Berlin: Tim Bendzko. Quelle: dpa
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Köln

Der "Eurovision Song Contest" (ESC) und Stefan Raabs "Bundesvision Song Contest" (BuViSoCo) haben mehr gemeinsam als krude Abkürzungen, Zuschauerabstimmungen und Fremdschämbeiträge. Beide Liederwettbewerbe sind nämlich genau dann am besten, wenn der Gewinnerbeitrag nicht aufgrund eines riesigen Fanklubs von Anfang an feststeht. Denn dann kann so ein Wettstreit so sein, wie gestern in der Kölner Lanxess-Arena: vielfältig, schrill, aufregend. Ein Spiel der Stile.

Am Ende gewann den musikalischen Wettstreit kommerzieller Popperlen und Szenehymnen aus 16 Bundesländern der Sänger Tim Bendzko aus Berlin (141 Punkte) – mit perfektem Matthias-Schweighöfer-Lächeln und dem Rückenwind seines Sommerhits "Nur noch kurz die Welt retten". Sein neues Liebeslied "Wenn Worte meine Sprache wären" setzte sich mit Zeilen wie "Mir fehlen die Worte ich / hab die Worte nicht / dir zu sagen, was ich fühl'" gegen den Funkrapper Flo Mega (111) aus Bremen und das niedersächsische Duett Bosse und Anna Loos (102 Punkte) durch. Favoriten wie Thees Uhlmann, die Indiepunks Kraftklub und die Elektro-Burlesque-Showband Frida Gold landeten nur im Mittelfeld.

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"Ohne Worte", beschrieb Bendzko seine Gefühle nach dem Gewinn für Berlin. Passte ja. Vor dem Siegertaumel galt es zunächst vier Stunden lang deutschsprachige Musik zu hören, was nicht immer leicht war. Der sogenannte Herzensangelegenheitenpop von Doreen aus Potsdam hinterließ bei aller Schmachtkompetenz gefährliche Aussetzer bei den Zuhörern, und Pierre Ferdinand et les Charmeurs versuchte es vergeblich mit Zeilen wie "Die gahnse Weld iest eine Gügel".

Vor allem Singer-Songwriter wie Andreas Bourani oder Alin Coen stellten den Erfolgen von Clueso nach. Ansonsten setzten die Teilnehmer eher auf Elektro, wie das Duo Muttersöhnchen, das die Gattung Hybridelektro vorstellte – ein Mix aus Orgeltechno und Lyrik wie "Wenn dich das Leben übel disst, ist 's egal, weil gleich Wochenende ist". Das wirkte so einfallsreich wie die Idee der Popband Juli, ihren Mitmusikern Baumkostüme anzuziehen.

Zur musikalischen Bandbreite von Kult bis Katastrophe passte die Qualität der Moderatoren. So meldete sich Lena Meyer-Landrut aus dem Bandbereich mit der Dauerfrage: "Wie fühlt ihr Euch?". Lieblingsdialog: Lena: "Ich bin bei Doreen, die ist ganz erleichtert. Wie geht es dir?" Doreen: "Ich bin ganz erleichtert." Lena: "Wow!" Und Johanna Klum versuchte möglichst zu Raab-Sprüchen wie "Die Verstärker brennen. Aber der Fußballspieler ist doch in U-Haft, oder?" seriös zu gucken.

Am Ende erlebte der Zuschauer eine perfekt durchchoreographierte Show, die zum Glück auf Teilnehmer verzichtete, die nicht die besten Beiträge, aber die treuesten Fans haben. So spielte Unheilig nur im Rahmenprogramm. Dafür findet die Idee, vor Ort nach guten Bands zu suchen, Nachahmer. So könnten die durchgefallenen Künstler nun beim "Berlinvision Song Contest" antreten. Dort wird auch nach der Lena aus Reinickendorf gesucht. Vielleicht brauchen die Kollegen auch noch eine Moderatorin.

Jan Sedelies

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