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Medien Thrillerserie „Box 21″: In den Fängen eines Menschenhändlerrings
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13:07 08.10.2021
Alina Lazariuc (Anda Sârbei) erzählt Ewert Grens (Leonard Terfelt) die Details über seinen Kollegen, welcher in den Mädchenhandel verstrickt ist.
Alina Lazariuc (Anda Sârbei) erzählt Ewert Grens (Leonard Terfelt) die Details über seinen Kollegen, welcher in den Mädchenhandel verstrickt ist. Quelle: ZDF und Benjam Orre
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Lidia (Ilinca Neacsu) arbeitet als Kellnerin in Bukarest. Schon seit mehreren Monaten ist sie in der Probezeit, ohne dass der Chef sie bezahlt. Als sie mit dem Küchenmesser in der Hand ihren Lohnforderungen Nachdruck verleiht, geht Lucian (Cristian Bota) dazwischen. Der gut aussehende Gast hatte schon zuvor mit Lidia geflirtet und weiß um seine Wirkung.

Er umgarnt die junge Frau, die ihren Job an den Nagel hängt, braust mit ihr im BMW-Cabrio durch die Sommerlandschaft, erzählt ihr von Schweden, wo er als Restaurantmanager gutes Geld verdiene und ihr eine Anstellung besorgen könne. Und so lässt Lidia ihr perspektivloses Leben in Rumänien hinter sich und fährt mit dem Geliebten davon. Auf der Fähre will Lucian sie dem neuen Boss vorstellen. Lidia solle allein in die Kabine gehen, er warte draußen auf sie. Die Tür geht zu, die Kamera bleibt draußen, aber die bedrohliche Musik macht deutlich, was drinnen vor sich geht.

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„Box 21″ zeigt das frauenverachtende Geschäft der Zwangsprostitution

Lidia ist in der Falle. Wie viele junge Frauen aus Rumänien, die hoffen, im Norden ein neues Leben zu beginnen, wird auch sie zum Opfer von Menschenhandel und Zwangsprostitution. Der Pass wird eingezogen und der vermeintliche Geliebte verwandelt sich in einen gewaltbereiten Zuhälter, der jeden ihrer Schritte überwacht und über eine Escortseite für einen dauernden Strom an Freiern sorgt.

Die schwedische Kriminalserie „Box 21″ steigt tief hinein in das frauenverachtende und lukrative Geschäft der Zwangsprostitution. Aber Lidia ist nicht bereit, sich mit ihrem Schicksal abzufinden. Sie bestiehlt systematisch die Kunden und deponiert über ihre Kollegin Alina (Alexandra Sarbei) Geld und Wertsachen, mit denen sie ihre Flucht vorbereiten will, in einem Schließfach am Bahnhof.

Durch den Notarzt kommen Polizeiermittlungen ins Rollen

Als Lucian ihre Nebengeschäfte entdeckt, holt er Janus – den Chef des Frauenhändlerrings, der Lidia so schwer misshandelt, dass Alina entgegen aller Verbote den Notarzt ruft. Mit dem Krankenwagen kommen auch die polizeilichen Ermittler unter der Leitung von Ewert Grens (Leonard Terfelt), dessen berufliches und privates Leben schon zuvor in einem parallelen Erzählstrang verhandelt wurde. Ewerts Frau Anni (Sandra Andreis), ebenfalls Polizistin, wurde bei einer Kontrolle von dem Auftragskiller Jochum (Joakim Sällquist) überfahren, hat dabei ihr ungeborenes Kind verloren und ist seitdem schwer behindert. Durch den Schicksalsschlag und die daraus resultierenden Rachefantasien begibt sich der integre Ermittler Ewert zunehmend in die Grauzonen jenseits der Dienstvorschriften.

Auf einer dritten Ebene wird Jochums Werdegang verfolgt, der durch die Begegnung mit einem Mitgefangenen in der Haft sein Dasein als todbringender Handlanger des Mafiabosses Micke (Jacob Ericksson) zu hinterfragen beginnt. Über sechs Folgen hinweg verwebt Regisseur Mani Maserrat-Agah die drei Erzählstränge zu einer kompakten Kriminal-Thriller-Serie, die jedoch erst ab der dritten Episode richtig in Fahrt kommt, als Lidia in der anatomischen Abteilung des Krankenhauses sieben Geiseln nimmt, die sie gegen Ewerts engen Freund und Vorgesetzten Tobias (Simon J. Berger) eintauschen will.

Spannung entwickelt sich ab Mitte der Serie

Ab der Mitte verdichtet sich das Geschehen auf dramatische Weise, weil die Grenzen zwischen Gut und Böse zusehends durchlässig werden, der lange Arm des organisierten Menschenhandels auch in den Polizeiapparat hineinragt, freundschaftliche Loyalität und moralische Integrität immer neue Gewissensentscheidungen herausfordern. „Box 21″ basiert auf dem Roman „Blasse Engel“ des preisgekrönten schwedischen Autorenduos Anders Roslund und Börge Hellström.

Deutlich steht der Sechsteiler in der Tradition der Nordic-Noir-Krimis, die in düsterer Tonlage die vermeintliche Sozialharmonie skandinavischer Gesellschaften auf den Prüfstand bringen. Visuell und vor allem was den ständig brodelnden Soundtrack angeht, ist „Box 21″ recht konventionell geraten, aber der multiperspektivische Plot entwickelt eine dynamische Sogwirkung und präsentiert sich mit inhaltlichem Gewicht.

Die Serie „Box 21″ läuft ab dem 8. Oktober bei ZDF neo.

Von Martin Schwickert/RND

Der Artikel "Thrillerserie „Box 21″: In den Fängen eines Menschenhändlerrings" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.