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Medien Amtshilfe-Dingsbums auf Langeoog
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00:15 26.11.2013
Von Karsten Röhrbein
Zwischen den Fronten: Weil er nicht glaubt, dass der Schwager seines Ex-Kollegen und Freundes Jan Katz (2. v. l.) in den Dünen von Langeoog eine Frau erstochen hat, stellt  der Hamburger Kommissar Thorsten Falke ( 2. v. r.) auf eigene Faust Ermittlungen an. Quelle: NDR
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Sag mir, was passiert ist!“, herrscht Thorsten Falke den Jungen an, der mit verdächtig geweiteten Pupillen im Krankenwagen liegt. „Du hast dir doch was eingeklinkt!“, verdächtigt ihn der Kommissar. „Florian, rede mit mir!“ Dann wird das Gespräch jäh unterbrochen, als sich die Hecktür öffnet: „Wer sind Sie? Was machen Sie da?“, will Christine Brandner von der Mordkommission Aurich wissen. Eine berechtigte Frage. Der apathische 16-Jährige, den Falke (Wotan Wilke Möhring) im neuen NDR-„Tatort“ so verzweifelt zum Reden bringen will, ist schließlich der Hauptverdächtige in einem Mordfall. In ihrem Mordfall. Und es beruhigt Brandner (Nina Kunzendorf) auch nicht, als ihr der Störenfried seinen Dienstausweis vor die Nase hält: Ein Kollege aus Hamburg, der weder im Dienst noch zuständig ist, hat der herben Frau hier auf Langeoog gerade noch gefehlt. „Er ist der Schwager meines besten Freundes“, rechtfertigt sich Falke – vergeblich. „Ich versteh’ ja, was sie hier tun“, maßregelt ihn Brandner sanft aber bestimmt, „aber Ihre Vorgehensweise entspricht nicht den Spielregeln!“

Es wird nicht das letzte Mal sein, dass sich die Wege von Möhring und der ehemaligen Frankfurter „Tatort“-Kommissarin Kunzendorf auf der Insel kreuzen. Eigentlich wollte Falke auf Langeoog ein paar Tage ausspannen, seinen Hamburger Ex-Kollegen und Kumpel Jan Katz (Sebastian Schipper), dessen Frau Mimi (Laura Tonke) und ihr gemeinsames Baby besuchen. Doch daraus wird nun nichts: Mimis kleiner Bruder Florian (beeindruckend: Leonard Carow) soll in den Dünen eine Hamburger Galeristin erstochen haben.

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Die Indizien sind erdrückend: Florian lag neben der Leiche, die Tatwaffe ist das Filetiermesser, mit dem er immer die Fische ausnimmt. Er hatte eine Affäre mit dem Opfer – und war am Abend vor der Bluttat sichtlich aufgebracht, weil die Frau ihn nicht mit zu sich nach Hamburg nehmen wollte. Das Schlimmste aber ist: Florian kann sich an nichts mehr erinnern. K.-o.-Tropfen, auch Liquid Ecstasy genannt, haben die Nacht fast ausgelöscht. Und weil sich kaum einer auf Langeoog vorstellen kann, wer den Mord sonst begangen haben sollte, ist auch Florian bald davon überzeugt, im Drogenrausch zugestochen zu haben. 

Nur der verhinderte Urlauber Falke lässt nicht locker. Er bequatscht seine Kollegin Katharina Lorenz (Petra Schmidt-Schaller) erst die Galerie der Toten in Hamburg zu inspizieren und ihm dann auf Langeoog zur Seite zu stehen („Stell doch eine Amtshilfe-Dingsbums-Erkenntnisanfrage, oder wie das heißt!“). Dann knöpft er sich den zwielichtigen Dealer Gegge vor, der selbst schon einmal eine Frau mit K.-o.-Tropfen gefügig gemacht haben soll.

Die Ohnmacht der  Liquid-Ecstasy-Opfer habe er darstellen wollen, sagt Regisseur Stefan Kornatz. Das ist ihm dank des dünnhäutig spielenden Carow hervorragend gelungen. Auch die Aufnahmen von weiten Stränden und engen Spelunken und das ruhige Erzähltempo, in dem Konflikte nur langsam eskalieren, hat Kinoqualität. Leider legt Kornatz in „Mord auf Langeoog“ zu viele Spuren: Die alten Rechnungen, die die wortkargen Insulaner untereinander offen haben, ein militanter Hundehasser, der auch die Tote bedroht hat, und Florians reichlich unmotivierte Flucht vor der Polizei geben nicht nur Falke und Lorenz zu viele Rätsel auf, sondern auch dem Zuschauer. Der aber wird dafür von exzellenten Hauptdarstellern entschädigt.

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